Resolution stößt auf Widerstand / Landwirte bangen um Zukunft / Land reagiert

„Die Einwohner haben Furcht vor dem Wolf“

Mobile Zäune bieten oftmals nicht genügend Schutz vor dem Wolf. Stabilere Konstruktionen sind aber allein vom Aufwand des Aufbauens her teurer. Die Landwirte bekommen nicht alle Kosten ersetzt. Das sorgt für Frust. Foto: AZ-Archiv

Altmarkkreis. Egal, ob Pilzesucher, Kindergärtnerin oder Spaziergänger: „Die Einwohner haben Furcht vor dem Wolf. “ Dieser Satz war in abgewandelter Form bei der Diskussion von Mitgliedern des Kreis-Umweltausschusses immer wieder zu hören.

Und er ist auch ein Grund, warum es für eine Resolution keine Mehrheit gab. Denn die Befürchtungen der Bevölkerung würden zu wenig berücksichtigt, wie Kreistagsmitglied Volkmar Erl (Grüne / Freie Liste) monierte.

Rotkäppchen

Dr. Ilja Karl (Linke) sieht die Furcht historisch begründet und erinnerte an das Märchen vom Rotkäppchen. Er setzt auf die Gestaltungsfähigkeiten des Menschen, um letztendlich mit dem Tier klarzukommen. Mit Blick auf die Landwirtschaft lenkte der Linken-Politiker das Augenmerk auf die Verbraucher. Wenn diese höhere Preise zahlen würden, könnten die Landwirte mit den Problemen finanziell besser umgehen. Sein Fazit: Der Kapitalismus würde in diesem Bereich nicht richtig funktionieren.

Abschrecken

„Der Wolf hat keine natürlichen Feinde“, so Ausschussmitglied Peter Wahrlich (CDU / FDP), der eine klare Aussage von der großen Politik haben will. Und zwar dazu, wie viele Wölfe die Regionen vertragen. Dem Ausschussvorsitzenden Horst Wienecke (CDU / FDP) wird das Vergrämen zu wenig thematisiert. Um die Einwohner zu beruhigen, müsste deutlicher gemacht werden, wie sich das Tier abschrecken lässt. „Ich spreche dabei nicht vom Abschießen“, unterstrich Horst Wienecke. Er nannte zum Beispiel das Lärmmachen mit Topfdeckeln als Idee.

Im Vorfeld der Diskussion kam bei der Sitzung am Donnerstag Annegret Jacobs, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes, zu Wort. Sie machte klar, dass es ihr nicht um das Ausrotten des Wolfes gehe. Vielmehr müsse neben finanziellen Verlusten auch der psychologische Aspekt betrachtet werden. „Eine Herde gerät in Panik, bricht aus, läuft auf eine Straße, auf der gerade Motorräder unterwegs sind. Das will niemand haben“, verdeutlichte sie, dass einige Tierhalter abends zu Hause kaum noch zur Ruhe und in den Schlaf kommen. Das Handy sei ein ständiger Begleiter.

Tierschutz

Das Verhalten der Tiere ändere sich aufgrund der Verfahren. Unruhe und unberechenbares Verhalten seien die Folge. „Fairerweise muss man sagen, dass das Land reagiert“, ging die Fachfrau auf finanzielle Hilfen ein, die aber zum Teil noch zu allgemein gehalten seien. So werde bei Tieren das Gewicht, nicht aber ihr tatsächlicher züchterischer Wert berücksichtigt.

Andreas Berbig vom Wolfskompetenzzentrum Iden sprach davon, dass ein 100-prozentiger Schutz unmöglich sei. Auch ein Fixieren der Tiere, die unter Naturschutz stehen, auf bestimmte Bereiche wie Truppenübungsplätze sei nicht realistisch. Stattdessen müssten die Tiere mit Zäunen geschützt werden. Doch das ist sehr aufwendig. Annegret Jacobs vermutet, dass Halter wohl wieder mehr auf Ställe statt Weiden zurückgreifen werden. In der ökologischen Landwirtschaft sei dies aber derzeit kaum denkbar.

Berbig brachte aktuelle Zahlen mit. Die jährliche Zuwachsrate bei Wölfen liegt bei rund 30 Prozent. Allein in diesem Jahr gab es 55 tote und verletzte Weidetiere vermutlich durch Wolfsrisse. 2016 waren es insgesamt 44 Fälle. Nicht nur Schafe sind betroffen. Die Erfahrung zeige: Auch junge Rinder gehören zur bevorzugten Beute des Raubtieres.

Von Christian Ziems

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