Kleinbahnsterben und andere Hemmnisse / Zu wenig Reisende

Es war einmal...

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Wo einst Kleinbahnen nach Diesdorf und Kalbe ihren Ausgangspunkt am ehemaligen Bahnhof Salzwedel-Neustadt (gegenüber vom Hauptbahnhof) hatten, hat heute das Energieunternehmen einen Regionalsitz. Zur Erinnerung an die Bahngeschichte wurde ein Gleisstück mit Prellbock aufgestellt.

Altmark. Eisenbahnidylle. Über die ehemalige Kleinbahnstrecke Salzwedel-Diesdorf (später dann nur noch bis Dähre) liefen Personen- und Güterverkehr zu moderaten Preisen. Doch das ist schon lange Geschichte.

Nun erinnern an den ehemaligen Bahnhof Salzwedel-Neustadt gegenüber vom Hauptbahnhof nur noch ein paar Meter Gleis und ein Prellbock an den ehemaligen Kleinbahnhof. Die Avacon hat das Denkmal gebaut, als sie auf dem abgerissenen Bahnhof ihren neuen Stützpunkt aufgebaut hat.

Auch im Wendland gab es Dampflok-Sonderfahrten, die viele Eisenbahnfans anlockten. 1996 legte ein Sonderzug aus Hamburg während seiner Fahrt nach Dannenberg Ost einen Stopp am Haltepunkt Leitstade ein.

Das Schicksal, von der Eisenbahn-Bildfläche zu verschwinden, teilen fast alle Kleinbahnstrecken in der Altmark. Ähnliches droht nun auch dem Waldbahnhof Leitstade in der Göhrde, der den Altmärkern durch die Kulturelle Landpartie bestens bekannt ist. Dort hatte 1996 noch der Sonderzug mit der ölbefeuerten Dampflok 042 271-7 auf seinem Weg von Hamburg nach Dannenberg Ost halt gemacht. Nun will der Betreiber der Göhrde-Bahn von Lüneburg nach Dannenberg, Erixx, an dem den idyllischen Bahnhof nicht mehr halten. Die Begründung ist die übliche, die wie so oft auch im Dezember vergangenen Jahres herhalten musste, als der Haltepunkt Meßdorf geschlossen wurde: zu wenig Reisende. Im September 2002 wurde aus diesem Grund schon die Strecke Salzwedel-Oebisfelde abbestellt, wie es im Bahndeutsch heißt. Kurz danach folgte auch die Strecke Salzwedel-Wittenberge. Werktags fuhren dann Omnibusse, sonnabends und sonntags wurden moderne Triebwagen der Baureihe 642 eingesetzt. Die nur noch wenigen Reisenden waren der Grund, dass am 11. Dezember 2004 die letzten Triebwagen fuhren.

Die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) hat einen Mietvertrag mit der DB AG für den abbestellten Bahnanschluss Geestgottberg-Klötze. So soll unter anderem wieder ein Personen- und Güterverkehr reaktiviert werden.

Die altmarkkreiseigene Personenverkehrsgesellschaft (PVGS) fährt nun täglich die einstige Bahnverbindung – mit ebenfalls wenigen Fahrgästen. Die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) hat einen Mietvertrag mit der Deutschen Bahn AG für den abbestellten Bahnanschluss Geestgottberg-Klötze abgeschlossen und will Personen- und Güterverkehr auf der Strecke wieder etablieren. Bislang mit Ausnahme einiger Sonderfahrten ohne Erfolg. So gab es auch mehrere Informationsveranstaltungen, bei denen auch Sonderzugfahrten von Salzwedel nach Arendsee mit einem angemieteten Triebwagen der Prignitzer Eisenbahn erfolgten. Doch die Resonanz war sehr dürftig.

Auch beim Wiederaufbau der Amerika-Linie zwischen Stendal und Uelzen hat sich im Abschnitt Uelzen-Langwedel bis heute nichts getan. Auch die Regionalbahn aus Salzwedel muss in Hohenwulsch warten, um den Regionalexpress aus Magdeburg vorbeizulassen. Der Grund: Noch immer liegt auf gut 20 Kilometer in Richtung Stendal nur ein Gleis.

Zudem brettern durch Salzwedel weiterhin IC- und ICE-Züge, die dort nicht mehr anhalten. Und es gibt für die Reisenden, die sich dann auf den Bahnsteigen 2 und 3 aufhalten keine Lautsprecherhinweise, dass schnelle Züge durchbrausen.

Von Bodo Habermann

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