Von Woche zu Woche

Einen Boxsack für die Krawallmacher

Die Krawallmacher wollen nicht nur auf dem Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide Unfrieden stiften, sondern mit ihrem „Antimilitaristischen Camp“ vom 17. bis 25. August auch noch die dörfliche Ruhe in Brunkau stören – wie in den Vorjahren in Potzehne.

Das ist eine bodenlose Behauptung? Nein, ist es nicht.

Aus der Erfahrung weiß man, dass es kein friedlicher Protest gegen die Bundeswehr in der Heide ist, sondern stets und immer mit Straftaten verbunden. Wer eherne Absichten hat, tut so etwas nicht. Der geht übrigens auch dorthin, wo die Entscheidungsträger sitzen. Das ist Berlin. Die Politik entscheidet über die Bundeswehr, über Auslandseinsätze, für die in der Heide trainiert wird. Die Soldaten und ihre Befehlshaber sind nur die Ausführenden.

Wollen wir etwa, dass unsere Soldaten nicht vernünftig auf Auslandseinsätze vorbereitet werden? Jeder Soldat, der in ein Krisengebiet geht, bekommt auf dem Truppenübungsplatz den Schliff dafür. Unter sehr realistischen Bedingungen. Ob das wie die Übungsstadt „Schnöggersburg“ so viele Millionen kosten muss, ist eine ganz andere Frage. Die Soldaten werden ausgebildet für ihren Job. Und wir alle wollen doch, dass sie heil und gesund wieder nach Hause kommen.

Friedlicher Protest hat schon oft in der Geschichte etwas bewirkt. 1989 zum Beispiel. Wenn die angeblichen Antimilitaristen behaupten, in den Dörfern rund um die Heide würde es keinen Protest geben, weil den Menschen dort der Mund verboten wird, dann kann man darüber nur lachen. Hier leben keine „Geduckten“, wie Demonstranten aus dem Wendland und von anderswoher gern behaupten.

Unter den Demonstranten sind nur sehr wenige aus den Anrainer-Dörfern, das stimmt. Aber warum ist das so? Weil die Mehrheit gar nichts gegen die militärische Nutzung der Heide hat. Nicht nur, weil dort viele Altmärker einen Job haben – sei es als Wachmann oder Reinigungskraft. Nicht nur, weil die Bundeswehr Verträge beispielsweise mit örtlichen Tankstellen hat. In der Heide wird nicht scharf geschossen, und die Heide bestünde nicht aus „Heide“, wenn es die Bundeswehr dort nicht gäbe. Das Heidekraut ist eine von Menschen geschaffene Landschaft, die Licht braucht. Pflegt man sie nicht, wird sie überwuchert und verschwindet irgendwann ganz.

Argumente der Militärgegner, dass die Heide touristisch genutzt werden könnte, sind illusorisch. Dort liegt noch immer Munition. Nach der Wehrmacht kam die Rote Armee, nach der Wende die Bundeswehr, die allerdings ohne Munition mit Lasern schießt.

Wir leben in einem Land der Meinungsfreiheit – jeder kann für oder gegen das Militär sein. Wir leben in einem Land der Versammlungsfreiheit – jeder kann für oder gegen das Militär demonstrieren. Wir leben aber auch in einem Land, in dem die Judikative (rechtsprechende Gewalt) durchsetzt, was die Legislative (gesetzgebende Gewalt) beschließt. Und letztere können wir alle bei den Wahlen beeinflussen. Friedlicher Protest ja. Aber bitteschön dort, wo er angebracht ist, bei der Legislative – beim Bundestag in Berlin. Und wer mit Demokratie nicht umgehen kann und auf Krawall aus ist, sollte sich nicht mit dem Vorwand „antimilitaristisch“ schmücken, sondern sich an einem Boxsack abreagieren.

Von Ulrike Meineke

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