120 stemmen sich gegen Rotstiftpolitik: „Sollen wir unsere Kinder im Sommer ins Kunsthaus schicken?“

Eine Region tritt für ihr Waldbad ein

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Die Botschaft an den Salzwedeler Stadtrat ist eindeutig: „Erhaltet das Bad!“ Die engagierten Altmärker wollen kein Luxusbad, sondern nur ihre idyllische Anlage behalten. Sie befürchten beim gegenwärtigen Sparkurs in der Stadt das Schlimmste.

Liesten. Die über 120 Kinder und Erwachsenen, die gestern ins Liestener Waldbad drängten, waren noch keine Badegäste. Noch. Denn sie sind es mehr oder weniger regelmäßig und wollen es unbedingt bleiben.

Levi (l.) hat in Liesten schwimmen gelernt. Kana Schumacher will, dass sein Bruder Mitja das dort auch noch kann.

„Früher in unserer Kindheit sind wir mit dem Fahrrad hierhergekommen und haben uns mit den Jungen und Mädchen der Nachbardörfer zum Baden getroffen. Jetzt machen das unsere Kinder“, macht eine junge Mutter ihren Bezug zum Bad deutlich. Denn das Liestener Areal ist nicht irgendeine Badeanstalt. Es wurde von den Menschen der Region größtenteils selbst gebaut. Und die demonstrierten gestern für den Erhalt des Bades. Es werden immer mehr aus den Nachbardörfern. So hat der sechsjährige Levi Schumacher aus Riebau in Liesten schwimmen gelernt und sein kleiner Bruder Mitja soll das dort auch können.

Auch die Organisatoren der gestrigen Aktion – Martin Jung, Carsten Wöhler, Nico Lesch, Sarina Paul, Kristin Markgraf und Frank Schweigel – kommen aus der Pretzierer Nachbarschaft. Nach dem Flashmob im Bad wollen sie in den nächsten Tagen über die Dörfer fahren und Unterschriften sammeln.

Inzwischen springen auch Firmen mit ins Waldbad-Boot: So haben gestern die Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier, die SCM Solar GmbH Pretzier /Salzwedel und die Roflex Pretzier ihren Mitarbeitern für die Demonstration in Liesten extra freigegeben. Und auch die Feuerwehr ist mit dabei, die im Bad Zeltlager für den Nachwuchs organisiert.

Carsten Wöhler und seine Freunde haben über Nacht über 120 Unterstützer mobilisiert.

Denn die Zukunft des Liestener Waldbades steht auf dem Spiel. Und es geht nicht nur um eine kaputte Pumpe, die inzwischen wieder läuft. „Sicherlich ist die alt. Wenn man eine Firma holt, will die eine neue Pumpe einbauen – diese kann jedoch repariert werden“, sagte ein ehemaliger Techniker aus der Salzwedeler Schwimmhalle. „Für das Kunsthaus waren Hunderttausende da. Sollen wir unseren Kindern im Sommer sagen: Die Stadt hat das Bad zugemacht, geht mal ins Kunsthaus“, ärgert sich die Mahlsdorfer Tierärztin Angelika Netzband. Nicht, dass sie für das Kunsthaus nichts übrig habe, aber so könne die Stadt es nun auch nicht machen. „Und wer ist überhaupt die Stadt?“, fordert sie, dass diejenigen, die das Bad schließen bzw. schließen wollen, sich namentlich bekennen. Netzband selbst nutzt das Bad nach oder während langer stressiger Arbeitstage zur kurzen Erholung nur zu gerne.

Für sie steht fest: „Die Stadt“ arbeitet schon lange am Schließen der Einrichtung. Doch die Altmärker wollen ihr Bad im Grünen behalten. Signale aus der Stadtverwaltung, die Einrichtung schließen zu wollen, kommen da ganz böse an und bringen von einem Tag auf den anderen allein über 120 Menschen auf die Beine.

Von Holger Benecke

Liestener demonstrieren für ihr Waldbald

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