Michael Wolter übergibt nach über 37 Jahren die Leitung des „Hanseat“ an Marian Stütz

Eine Kult(ur)-Legende geht

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Auf diesem Foto von 1993 gründet Michael Wolter (stehend mit Vollbart und Lockenpracht) gerade den „Hanseat“-Verein im Hansa. Dieser unterstützt die Aktivitäten des Hauses bis heute.

Salzwedel. Wenn es eine Veranstaltung im Hansa gibt, läuft er in hektischer Betriebsamkeit durchs Haus, damit alle klappt, und findet trotzdem noch Zeit, sich mit den Gästen freundlich zu unterhalten.

Im Dezember hat der Geschäftsführer des Soziokulturellen Zentrums, Michael Wolter seinen Posten nun abgegeben und will den Ruhestand genießen. Dem Hansa bleibt Wolter weiterhin treu – aber eben nur noch als Gast.

Immerhin ist er seit dem 6. Oktober 1979 – einen Tag vor dem 30. Geburtstag der DDR – aktiv im „Hanseat“. Bis zur Wende versuchten die Parteioberen den Club in die sozialistische Spur zu bringen – vergeblich. Auch die Interessengemeinschaft Jazz, die bis heute eng mit dem Hansa verbunden ist, ist von Michael Wolter mit aus der Taufe gehoben worden. Nach der Wende, 1993, gründete er den „Hanseat“-Verein.

Harter Kampf für die Kleinkunst

Bis zum heutigen Stand war es ein langer Weg. Im Oktober 1979 fanden sich verschiedene Salzwedeler zusammen – darunter Michael Wolter und Dirk Apel – die einen Jugendclub aufbauten. Erster Leiter war Gerd Busse. Gemeinsam wollten sie das DDR-Einheits-Kulturangebot für die Jugend in der Altmark erweitern.

Michael Wolter geht nach über 37 Hansa-Jahren.

Michael Wolter kümmerte sich um ein breites Spektrum an Kleinkunst, brachte bekannte und weniger bekannte Bands nach Salzwedel, gab ihnen eine Bühne. Alles ehrenamtlich in der Freizeit. 1989 übernahm Karsten Thiede den Club von Gerd Busse. Er führte sein Team über die schwierige Zeit des Mauerfalls, brachte sogar für den Erhalt des Clubs eine eigene Großdemonstration auf die Beine. „Hansa bleibt Hansa“ und „Salzwedel ohne Hansa ist wie Hamburg ohne Reeperbahn“ skandierten Jugendliche und alte Hansa-Gänger auf den Straßen der Hansestadt. Thiede prägte die Jugendszene an der Altperverstraße.

1993 dann die Vereinsgründung, um das Haus auf eigene Beine zu stellen. Das alte, bewährte Konzept, breit gefächerte Kunst aller Sparten zu bieten und auch (noch) unbekannten Künstlern Raum zu geben, funktioniert heute noch. Keimzeit, Knorkator, Rammstein – damals noch als Feeling B. – verdienten sich ihre Sporen unter anderem im „Hanseat“.

Doch zunächst stand erst einmal eine Grundsanierung des Hauses an. Auch dabei packten viele ehrenamtliche Hanseaten mit zu. „Wir sind von Ausschuss zu Ausschuss gegangen und stellten unser Konzept eines Soziokulturellen Zentrums vor“, erinnert sich Wolter-Mitstreiter Marian Stütz. „Ohne die Stadt und das Land Sachsen-Anhalt hätten wir den Standort nicht so aufbauen können.“ Einzige Voraussetzung für die Nutzung des Gebäudes war, es soll in öffentlicher Hand bleiben.

Vom Club zum Soziokulturellen Zentrum

Während des Umbaus von 1997 bis 1998 und einer Förderung mit 1,5 Millionen DM suchte der Verein nach geeigneten Partnern. Es entstand eine Kooperation mit der „Aktion Musik“ und der Landesmedienanstalt Sachsen-Anhalt, aus welchem später der Offene Kanal Salzwedel entstanden ist. Mit der Neueröffnung übernahm Michael Wolter die Leitung des „Hanseat“. Diesmal hauptamtlich. In seiner Zeit als Chef des Hauses prägte er die breit gefächerte kulturelle Szene. Und genau das ist das Hansa-Konzept, das damals wie heute den Erfolg ausmacht.

Marian Stütz und Claudia Gentz übernehmen ein gut geführtes Soziokulturelles Zentrum.

Nun, nachdem Wolter den Hansa-Schlüssel nach über 37 Jahren aus der Hand gegeben hat, widmet er sich verstärkt seiner alten Leidenschaft, die er über die vielen Jahre nie vergessen hat – dem Jazz. Denn Wolter weiß sein Haus in guten Händen. Sein langjähriger Weggefährte Marian Stütz übernimmt den Posten. Ihn unterstützt Claudia Gentz. Die 24-Jährige hat von 2011 bis 2014 Veranstaltungskauffrau gelernt – natürlich im „Hanseat“. „Das Hansa ist für mich wie ein Zuhause. Schon mit 14 Jahren bin ich in den Club gegangen“, erzählte Gentz.

Frische Farbe für die Szenekneipe

„Unser Ziel ist es, im Hansa weiterhin ein breites kulturelles Angebot für einen schmalen Taler anzubieten“, will Stütz das Modell Busse/Wolter weiterfahren. Marian Stütz und Claudia Gentz sind zuversichtlich. Doch in der Szenekneipe muss einiges getan werden. „Nach 20 Jahren braucht das Hansa drinnen mal wieder einen frischen Anstrich“, sieht Stütz eine farbenfrohe Zukunft.

Von Paul W. Hiersche

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