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Einar Krause schließt sein Kulturhaus-Restaurant in Salzwedel am 31. Juli

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Von: Ulrike Meineke

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„Ich kann meine Gäste nicht mehr so bewirten, wie ich es mir wünsche“, sagt Einar Krause. Den Umständen ist geschuldet, dass er sein Restaurant zum 31. Juli schließt. © Ulrike Meineke

„Es ist nicht mehr das, was es mal war.“ Salzwedels Kulturhaus-Restaurant-Chef Einar Krause ist seit Jahrzehnten bekannt für seine hohen Ansprüche an die Gastronomie. Aber „bevor die Sache kippt, gehe ich lieber“, sagt er. Eigentlich hätte der 65-Jährige schon noch Lust, weiterzumachen, aber ihm setzen, wie allen Gastronomen, „die Umstände“ arg zu. Krause hat seinen Pachtvertrag mit der Stadt gekündigt. Am 31. Juli, einem Montag, ist Schluss.

Salzwedel - Einar Krause hat in seinem Leben mehr Zeit in der Gastronomie verbracht als zu Hause. Er war gefühlt immer da – im Restaurant oder hinter den Kulissen, wenn Großveranstaltungen wie der Gildeball oder die Silvesterparty anstanden.

„Gastronomie ist eine Sache, die muss aus dem Bauch kommen“, sagt der gelernte Kellner, der 1974 bis 1976 im Hanseat und im „Altmark“ ausgebildet wurde, als Oberkellner im „Stadt Salzwedel“ tätig war, 1980 seinen Serviermeister absolvierte und nach anderthalb Jahren Armee im Jahr 1982 „von heute auf morgen“ das Kulturhaus-Restaurant der HO (Handelsorganisation) als Leiter übernahm. „Jedes Wochenende Veranstaltungen, das war Stress ohne Ende“, sagt der Salzwedeler rückblickend. Mit der Wende, im September 1990, machte er sich selbstständig und baute das Restaurant ein Jahr später auf eigene Kosten um. So wie er es haben wollte und wie es seinen hohen Ansprüchen genügte. Krause sah sich „im Westen“ an, wie Gastronomie funktioniert, absolvierte Seminare, um seine Gäste glücklich zu machen. Sein Kulturhaus-Restaurant wurde die erste Gaststätte nach Weststandard in der Stadt. Doch die Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten, und mit griechischen und chinesischen Gaststätten kam die Flaute, „weil erst mal alle da hingingen“. Die zweite Flaute erlebte das Restaurant während des großen Kulturhaus-Umbaus 2003 bis 2005. Und auch danach „lief es schleppend an, weil sich die Gäste anders orientiert hatten“, erinnert sich der Gastwirt im AZ-Gespräch.

Flaute Nummer 3 kam mit Corona und dem Krieg in der Ukraine. „Es fanden ja kaum Feiern mit gastronomischer Versorgung statt, dann kamen die Gäste nicht wegen der Corona-Beschränkungen.“ Die Aushilfskräfte, auf die Einar Krause bei größeren Veranstaltungen angewiesen ist, orientierten sich anders und sind auch heute schwer zu bekommen. Für Energie zahlt der Restaurant-Inhaber inzwischen das Dreifache, hinzu kommt ein Mangel bei bestimmten Produkten, die sich noch dazu massiv verteuert haben. Das Kernpersonal „hält zur Stange“, aber ansonsten wollten die jungen Leute nicht mehr abends und am Wochenende arbeiten.

„Ich kann die Gäste nicht mehr so bewirten, wie ich es mir wünsche“, begründet der 65-Jährige seinen Schritt, in Rente zu gehen. Die sechs Beschäftigten werden es wohl nicht schwer haben, in der Branche wieder Arbeit zu finden, glaubt Krause. Ob die Stadt einen Nachfolger für ihn findet – „ich weiß es nicht“, sagt der Salzwedeler, der sein Privatleben immer hintenan gestellt hat und demnächst viel Zeit haben wird. „Irgendwas wird sich schon ergeben“, ist er sich sicher. Denn nur zu Hause sein - „das ist nicht mein Ding“.

Das gesamte Inventar gehört Einar Krause. Findet die Stadt einen neuen Pächter, will sie 250.000 Euro für die Ausstattung der Gaststätte in die Hand nehmen.

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