Waldschadensbericht 2011: Buchen besonders gestresst

Eiche krank wie nie zuvor

Ein Wald voller Patienten: Vor allem älteren und einzeln stehenden Buchen geht es schlechter. Auch die erhöhte UV-Strahlung wirkt sich negativ auf die Triebspitzen aus. Foto: Zuber

Altmark. Die 21. Waldzustandserhebung Sachsen-Anhalts wurde durch die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt durchgeführt. Die Hauptergebnisse liegen nun vor: Der schlechte Gesundheitszustand der Baumkronen hat sich demnach wenig verändert.

Jedoch wirken sich die Witterungsextreme des vergangenen Jahres auf die Vitalität der Bäume aus. So sei die „Belastung durch Forstschädlinge bei der Eiche und der Kiefer besorgniserregend“, heißt es in der Studie. Auch der Gesundheitszustand der Buche hat sich verschlechtert. Die Ursachen für die festgestellten Vitalitätsverluste sind vielfältig: Die anhaltende Erhöhung der Durchschnittstemperatur mit immer wieder auftretenden, zuvor noch nie gemessenen Temperaturrekorden sowie die anhaltenden Stickstoffimmissionen haben sich auf den Gesundheitszustand der Wälder ungünstig ausgewirkt.

Die Kronen der älteren und einzeln stehenden Bäume haben sich deutlich gelichtet, auch die erhöhte UV-Strahlung wirkt sich negativ aus. „Das letzte Frühjahr war viel zu trocken und begünstigte daher den Schädlingsfraß extrem. Ein feuchtes Frühjahr würde allen Baumtrieben einen saftigen und stärkenden Vorschub liefern“, sagte Revierförster Rüdiger Glaß vom Forstbetrieb Altmark, Revier Salzwedel. Der Klimawandel macht aus seiner Sicht auch vor dem Wald nicht halt und die Senkung von Schadstoffeinträgen ist weiterhin das Gebot der Stunde.

Im Ergebnis der Bodenuntersuchung musste festgestellt werden, dass die Böden in Sachsen-Anhalt insgesamt saurer geworden sind und die Nährstoffversorgung der Waldbäume deshalb unausgewogen ist. Zur Stabilisierung der Lage sind in der Altmark in den nächsten Jahren Kalkungen vorgesehen. Der altmärkischen Kiefer und der Fichte geht es derzeit immerhin besser als der Buche und der Eiche.

Die Witterung der letzten zwölf Monate war durch Extreme gekennzeichnet: Auf einen kalten und schneereichen Dezember 2010 folgte ein sehr warmes, trockenes und sonnenscheinreiches Frühjahr. Der April 2011 gehört zu den wärmsten Aprilmonaten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland. Gleichzeitig waren die ersten fünf Monate sehr niederschlagsarm. Im März wurden in Sachsen-Anhalt nur 34 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags gemessen. Das bedeutet Stress für den Wald – auch für die ältesten Baumriesen.

Die deutsche Eiche ist derzeit so krank wie nie zuvor. Auch die Bestände in der Altmark sind betroffen. Ganze Eichenwälder fielen in den vergangenen Monaten der so genannten Eichenfraßgesellschaft zum Opfer und sind derzeit als Komapatienten Sorgenkind Nummer Eins. Die Eichenfraßgesellschaft setzt sich aus Frostspanner und Eichenwickler zusammen. Die Schäden werden von den Forstleuten als Lichtungsfraß bezeichnet. „Jetzt im Winter ist die Lage entspannt, aber jedes Frühjahr werden die Karten mit den jeweiligen Umweltbedingungen neu gemischt“, so Rüdiger Glaß weiter. Anhand von Untersuchungen im Waldboden können die Fachleute bereits im Winter feststellen, wie hoch die Reproduktionsrate der Schädlinge im kommenden Jahr sein wird. Frost allein stört sie nicht.

Nur eine sehr seltene Wetterlage, nämlich wenn die nächste Generation der Schädlinge in kalter Staunässe im Waldboden ertrinkt, kann eine Population schädigen, erklärt Förster Rüdiger Glaß.

Die Forstleute versuchen mit unterschiedlichen Maßnahmen das Baumsterben in den Griff zu bekommen: An erster Stelle stehen langfristig angelegte Walderneuerungsmaßnahmen. Dabei wird zum Beispiel mit Bergahorn und anderen robusten Baumarten versucht, kranke Bestände zu unterpflanzen.

Einen gefürchteten Schädling, dem Eichenprozessionsspinner, geht es mit biologischen Mitteln an den Kragen. Allerdings ist dieses Mittel zur Häutungshemmung nur bis zu einem bestimmten Stadium im Frühjahr einsetzbar.

Von Kai Zuber

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