Ehrenbürgerschaft für Pionier der Computerforschung

Billings Rechenkünste begannen in Klasse 3

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Sichtlich gerührt trug sich Heinz Billing in das „Goldene Buch“ ein. Seit gestern ist der 99-Jährige Ehrenbürger.

mei Salzwedel. In der dritten Klasse fragte der Lehrer nach der Lösung einer Rechenaufgabe. Keiner wusste das Ergebnis – bis auf einen. Heinz Billing wurde daraufhin sofort in die siebte Klasse versetzt.

„Vielleicht habe ich deswegen so viel mit Mathe und Physik in meinem Leben gemacht“, sagte Billing gestern, gerührt von der Ehre, die ihm in würdevollem Rahmen in der Mönchskirche und begleitet von einfühlenden Worten der Oberbürgermeisterin verliehen wurde.

Prof. Dr. Heinz Billing, der vor 99 Jahren in Salzwedel geboren wurde und bis zu seinem Abitur 1932 hier lebte, ist seit gestern Ehrenbürger der Hansestadt. Tochter Dorit Gronefeld schob ihren Vater im Rollstuhl an den Tisch mit dem großen Kerzenständer, auf dem das „Goldene Buch“ lag, in das sich Billing stolz eintrug.

Angeregt hatte die Ehrenbürgerschaft der Salzwedeler Mark Bluhm. Er hatte recherchiert, welche Kinder der Stadt Großes vollbracht haben und noch leben. Billing gilt als einer der bedeutendsten Pioniere der Computerforschung. Er hat einen der ersten deutschen Elektronenrechner gebaut.

Heute lebt der Professor in Garching bei München. Die gestrige Ehrung war für ihn auch ein Wiedersehen mit seiner Familie, die ihn begleitete. Sie könne Salzwedel nicht mehr, wie bei ihren Besuchen vor der Wende, riechen, erzählte seine Tochter – die Zwei-Takter sind verschwunden. Salzwedel sei farbenfroher geworden, war ihr aufgefallen.

Erinnerungen an Salzwedel hatte die Oberbürgermeisterin auch mit einem Geschenk geweckt – der Kopie einer Zeitungsannonce aus dem Salzwedeler Wochenblatt: „Uns wurde ein gesunder Junge geboren. Das zeigen erfreuten Herzens an: Salzwedel, den 7. April 1914 – Walter Billing und Frau Helma, geborene Jaritz.“

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