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Salzwedelerin Anne Scholz gründete ehrenamtliche Organisation für Sternenkinder und Eltern

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Von: Lydia Zahn

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Anne Scholz ist wohl mit das beste Beispiel für Selbstlosigkeit. Die 32-Jährige hat in nicht einmal drei Monaten eine ehrenamtliche Organisation auf die Beine gestellt. © Zahn, Lydia

Das eigene Kind zu verlieren, bevor es überhaupt das Licht der Welt erblicken konnte, ist wohl eines der schlimmsten Dinge, die werdenden Eltern passieren kann. Denn schon während der Schwangerschaft bauen Papa und vor allem Mama eine Bindung zu ihrem Baby auf. Viele verstehen nicht, was die Eltern nach so einem Schicksalsschlag durchmachen und wie es ihnen damit geht, ist sich Anne Scholz sicher. Die Salzwedelerin ist gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin, selbst Mutter und Ehefrau. Und seit einiger Zeit auch Gründerin einer ehrenamtlichen Organisation.

Salzwedel – Mit „Sternchenzauber Altmark“ versucht sie den Eltern von Sternenkindern wenigstens etwas Trost zu spenden. Mit mittlerweile rund 20 Helfern an ihrer Seite gestaltet sie kleine Boxen, näht, häkelt, malt und bastelt kleine Trostspender, die dann kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Angefangen hatte alles vor knapp drei Monaten. Die 32-Jährige wollte mit ihrem Hobby (Nähen und Häkeln) Gutes tun. Also schaute sie sich nach einem Verein um, bei dem sie genau das machen konnte. Doch das Richtige schien nicht dabei zu sein. Als Scholz dann doch einen Verein fand, bei dem sie Mützen für Neugeborene anfertigte, die an Krankenhäuser gingen, machte ihr Mann sie darauf aufmerksam, dass sie das doch auch für das Altmark-Klinikum in Salzwedel machen könnte.

Und so kam es, dass sich Scholz an die Klinik in der Hansestadt wandte, die ihr Angebot dankend annahm. Bei einem Vor-Ort-Treffen führte eine Krankenschwester die Salzwedelerin durch die Geburtsstation, zeigte und erzählte ihr viel – unter anderem zu Sternenkindern. „Ich hatte sofort tausende Ideen, die ich umsetzen wollte“, erzählt die 32-Jährige im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. Kurz darauf machte sie sich auch schon an die Arbeit. Zu den Mützen gesellten sich Einschlagdecken für Sternenkinder. Nach und nach wurde es immer mehr. Ihre Aktion bekam ebenfalls mehr Aufmerksamkeit und andere Menschen wollten sie dabei unterstützen.

Mittlerweile fertigt „Sternchenzauber Altmark“ nicht mehr nur Mützen und Einschlagdecken, sondern auch Boxen für die Eltern. „Es ist ein Zeichen, dass das Kind gesehen wird“, findet Scholz. In den kleinen Kisten sind verschiedene Dinge zu finden. Je nachdem, ob es sich um eine personalisierte Box handelt oder nicht. Was immer dabei ist, ist eine Sternzeichenkarte, ein Anhänger, auf den die Eltern den Fußabdruck ihres Babys verewigen können, eine Kerze sowie etwas Gehäkeltes, zum Beispiel ein Engel oder Flügel. Dazu kommen noch andere kleine Aufmerksamkeiten, die auch personalisierbar sind. Dafür braucht Anne Scholz nur den Namen und / oder das Geburtsdatum des Kindes. Die Boxen bekommen Mama und Papa aber nicht nur im Krankenhaus, sondern können sich diese auch von der Salzwedelerin zuschicken lassen. Auch dann, wenn der Verlust schon länger zurückliegt.

Das gesamte Angebot ist kostenlos, deshalb finanziert sich die Organisation über Material- und Geldspenden, aber auch sie selbst und die Helfer bezahlen einiges aus eigener Tasche. Unterstützer wie Dana Christepei von Feinstich by Dana oder auch bekannt als Danas Nähschule aus Uelzen helfen ihr, wo sie können.

Anne Scholz hat schon weitere Ideen, die sie nach und nach umsetzen möchte. Die Salzwedelerin scheint nicht zu stoppen zu sein und in ihrer neuen Aufgabe richtig aufzugehen. Eines ihrer Ziele ist es, dass die ehrenamtliche Organisation zu einem Verein wird, das dauere aber noch. Ein weiterer Herzenswunsch der 32-Jährigen ist es, dass das Thema mehr Aufmerksamkeit bekommt. „Es ist in unserer Gesellschaft immer noch ein bisschen ein Tabuthema“, sagt Scholz traurig. „Das Baby im Bauch der Mutter hat für sie und den Vater gelebt. Für Außenstehende ist das nicht immer nachvollziehbar. Aber jedes Leben, auch das der Sternenkinder, ist bedeutsam.“

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