AZ fragte nach dem Werdegang

Ehemalige Salzwedeler Schüler: Das Glück meist woanders gefunden

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Vom Abiturjahrgang 1999 des ehemaligen Käthe-Kollwitz-Gymnasiums in Salzwedel ist nur eine Handvoll in der Altmark geblieben bzw. später wieder zurückgekehrt. Die meisten haben sich über die gesamte Republik verstreut und besuchen die Heimat nur noch gelegentlich. 

Salzwedel / Altmarkkreis – Junge Leute in der Region halten, attraktive Arbeitsplätze schaffen, für eine reichhaltige Kultur sorgen – die markigen Sprüche aus Politik und Verwaltung sind genauso bekannt, wie sie alt sind.

Doch was denken eigentlich diejenigen darüber, die es betrifft?

Die AZ ging dieser Frage am Wochenende auf den Grund und besuchte dafür das Klassentreffen des 1999er-Abiturjahrgangs des ehemaligen Salzwedeler Käthe-Kollwitz-Gymnasiums. Mit einem für Heimatverfechter ernüchterndem Ergebnis.

Das Gruppenfoto vor dem Kulturhaus sollte der erste Gradmesser sein. Auf die Frage, wer nach dem Abitur in der Altmark geblieben bzw. wieder zurückgekehrt ist, heben nur wenige fast schüchtern ihre Hände.

Eine der wenigen ist Sabrina Jordan, geborene Zander. Die Wirtschaftsjuristin stammt aus Andorf und wohnt nun in Gladdenstedt. „Ich wollte immer hier leben und die Kinder sollten auf dem Dorf aufwachsen“, erklärt sie ihre Beweggründe. Das Stadtleben habe sie in Braunschweig und Magdeburg kennengelernt. „Das ist nichts für mich“, sagt sie.

In einer Kleinstadt, aber bei Wuppertal, wohnt Loreen Katrantzis, geborene Nettelbeck. Salzwedel sei ihr zu dörflich, sie brauche etwas drumherum. Die ursprüngliche Hansestädterin ging wegen der Liebe weg, erzählt sie im AZ-Gespräch. Die Großstadt mit Trubel und Autobahn habe damals gelockt. Nach Salzwedel will die Krankenschwester nicht wieder zurückkommen.

Ähnlich sieht es Melanie Kuss, geborene Neuling. Die Wahl-Hamburgerin stammt aus Wallstawe. Nach dem Abitur sei sie gezielt fortgegangen und hatten sich in der Elbmetropole zur Betriebswirtin ausbilden lassen. Die Millionenstadt biete ihr und ihren Kindern mehr Perspektiven, meint sie. „In Salzwedel kannst du nicht einfach mit dem Boot über die Elbe fahren“, spielt sie auf Vorteile in der Großstadt an.

In die Bundeshauptstadt Berlin hat es Christian Fischer gezogen. Der ehemalige Salzwedeler ist Verleger für Stadtmagazine. Sein Abschied aus der Altmark habe für ihn bereits nach dem Abitur festgestanden. „Berlin ist die pulsierendste Metropole in Europa“, schwärmt er. In Salzwedel hätte er hingegen das Gefühl, dass die Stadt immer leerer würde. „Du gehst sonnabends durch den Kaufland, und da ist mehr los als in der gesamten Innenstadt.“

Stefan Werner verbringt sein Leben ebenfalls fern der Heimat, wahlweise in Leipzig und am Bodensee. Der Industrieproduktmanager habe vor 20 Jahren seine Heimatstadt Salzwedel verlassen, um die Welt zu entdecken. Zurück will er nicht mehr. „Für meine Hobbys brauche ich Berge. Da geht in der Altmark nichts.

Mit einem Auge schaut hingegen Matthias Kirsch auf die Altmark. Der Kemnitzer wohnt in einem Ort im Landkreis Rotenburg (Wümme), also gar nicht so weit weg. Im vergangenen Jahr habe er über eine Rückkehr nachgedacht. Er fühle sich aufgrund seiner Familie mit der Heimat verbunden. „Aber es gibt dort meinen Arbeitsplatz nicht“, erklärt der Entwicklungstechniker für Elektronik damit auch seinen Weggang nach der Schule.

VON JENS HEYMANN

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