Sein Tod findet landes- und bundesweit Anteilnahme

Eduard Stapel: „Er war ein großes Vorbild“

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Eduard Stapel starb am 3. September.

ct/mei Bismark. Der Tod von Eduard (Eddi) Stapel hat landes- und bundesweit Anteilnahme gefunden. Der Bürgerrechtler, Vorkämpfer der DDR-Schwulenbewegung und Mitbegründer von Bündnis 90 / Die Grünen in Sachsen-Anhalt war am Sonntag, 3.  September, in seinem Geburtsort Bismark verstorben (AZ berichtete).

„Aus der kirchlichen Opposition heraus war Eduard Stapel einer der maßgeblichen politischen Kämpfer für die Rechte von Schwulen und Lesben in der DDR. Auch nach der friedlichen Revolution ließ er nicht nach, für Freiheit und Selbstbestimmung eines jeden Einzelnen zu kämpfen“, erklärt die stellvertretende Ministerpräsidentin Sachsen-Anhalts, Claudia Dalbert, im Namen der Landesregierung. Sie erinnert auch daran, dass Stapel 1996 die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland verliehen bekam. Dalbert: „Er war Vorbild für viele junge Menschen, sich nicht zu verstecken, sondern offen mit der eigenen Persönlichkeit und Homosexualität umzugehen, sich zu vernetzen und sich für die gemeinsamen Ziele einzusetzen.“ Seinem unermüdlichen Einsatz für die Menschenrechte und die Demokratie, gegen Unterdrückung und Diskriminierung gelte der große Dank.

„Einer der stillen Helden des Kampfes für Gleichberechtigung“, schreibt Landtagsvizepräsident Wulf Gallert (Linke) im sozialen Netzwerk Twitter. Den „Erfinder der Ehe für alle“, nennt ihn die Zeitung „TAZ“ in einem Nachruf in dieser Woche. „Wir haben Eddi sehr viel zu verdanken“, sagt Bundestagsmitglied Volker Beck (Grüne) über seinen langjährigen Mitstreiter. „Deshalb habe ich ihm am 30. Juli im Bundestag auch ausdrücklich gedankt. Ohne ihn hätte es den Lesben- und Schwulenverband in Deutschland nicht gegeben, wäre der Paragraf 175 Strafgesetzbuch vielleicht in Folge der Einheit nicht gefallen, hätten wir den Kampf für die Ehe für alle nicht so früh mit so viel Erfolg führen können. Ich hoffe, dass ihm das noch etwas Kraft und Genugtuung gegeben hat. Er hatte kein leichtes Leben, er war ein Großer.“

Mit Genugtuung, aber ohne Euphorie, hatte sich Stapel wenige Wochen vor seinem Tod in einem Interview mit der Altmark-Zeitung zum Thema geäußert. „Es ist mir schon etwas zum Feiern“, sagte er, nachdem der Bundestag den Weg für die „Ehe für alle“ frei gemacht hatte. „Ich kämpfe seit 1982 für die Gleichberechtigung und damit auch für die Ehe für alle. Das sind 35 Jahre“, sagte er. Für ihn kam die Gesetzesänderung zu spät. Er lebte in einer eingetragenen Partnerschaft.

Die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker, würdigte seinen Kampf gegen die staatlichen Repressionen in der DDR und die Dogmen der Kirche. „Eduard Stapel war ein besonderer Teil der Bürgerrechtsbewegung in der DDR“, konstatierte sie.

Auch in Bismark hat Stapels Tod große Trauer ausgelöst. „Mit großer Betroffenheit haben wir vom Tod unseres langjährigen Stadtrates, ehemaligen Ortsbürgermeisters und Fraktionsmitgliedes erfahren“, schreiben Bismarks Einheitsgemeinde-Bürgermeisterin Annegret Schwarz, die Mitglieder des Ortschaftsrates und der Regenbogenfraktion. Seit 2004 trat Eduard Stapel im Stadtrat der damaligen Stadt Bismark und seit 2010 im Ortschafts- und Einheitsgemeinderat für die Belange der Bürger ein. Der Ortschaftsrat wählte ihn im Jahr 2011 zum Ortsbürgermeister. Diese Position übte er bis kurz vor seinem Tod aus.

„Er war für uns immer ein streitbarer Demokrat, den wir in unseren Reihen vermissen werden“, so Schwarz im Namen der Bismarker Kommunalpolitiker.

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