Caliva: Es geht nicht um mich / Vermutungen „rufschädigend“

Durch diese hohle Gasse ...

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Die Lieferanten stehen zwar nicht mehr mit zwei Rädern auf dem Gehweg, dafür rollt der vorbeifließende Verkehr nun über den Bürgersteig gegenüber vom „Da Gaetano“ – das aber nach Vorschrift.

Salzwedel. Wenn bislang die Lieferanten vor dem „Da Gaetano“ parkten, fuhren sie auf den breiten Bürgersteig. Das haben die Politessen Gaetano Caliva untersagt.

Nachdem sein Hamburger Lieferant dafür erstmals nach 15 Jahren einen Strafzettel bekommen hat, achtet der Restaurantbesitzer peinlich genau darauf, dass seine Lieferanten mit allen vier Rädern auf der Straße stehen. Das Ergebnis: Der fließende Verkehr kommt schlecht durch, die meisten fahren über den Bürgersteig auf der anderen Straßenseite.

„Man kann es drehen, wie man will. Auf einen Bürgersteig müssen die Autos“, sagt Gaetano Caliva. Und stellt in Sachen Salzwedeler Knöllchenaffäre klar: „Es geht nicht um mich. Es geht um meine Kunden, meine Lieferanten – es geht um die Parksituation in der Salzwedeler Innenstadt.“ Wie Hauptamtsleiter Matthias Holz im Jugendstadtrat ins Feld geführt hat, dass Gaetano Caliva im Monat ein bis zwei Knöllchen bekomme ... der Gastronom winkt ab. Seine Kunden, die nur mal schnell einen Tisch bestellen, dann wieder rauskommen und ein Tickett an der Scheibe haben – darum gehe es. „Habe ich weniger Kunden, habe ich weniger Umsatz. Damit kann ich leben. Aber ich bezahle auch weniger Steuern. Dann kann die Stadt weniger Straßen bauen. Kann die Stadt damit leben?“, fragt Caliva.

Dass sein Entschluss, sein Restaurant zum 30. April zu schließen, für Wirbel sorgt, sieht er mit gemischten Gefühlen. Zum einen bedauerte er, diesen Schritt tun zu müssen. Zum anderen hofft er, dass dadurch vielleicht endlich eine Diskussion um die Parksituation in der Innenstadt in Gange kommt. Er selbst hatte dies bereits am 2. März vergangenen Jahres in einem Brief an Oberbürgermeisterin Sabine Danicke angeregt, beantragte eine Sonderparkgenehmigung. Als Restaurantbetreiber und Koch könne er nachzuholende, frische Lebensmittel wie beispielsweise Fleisch nicht von Parkplätzen an der Kramstraße oder dem Chüdenwall durch die Gegend und an Baustellen vorbeitragen, verwies Caliva auf Hygiene. Doch statt einer Antwort aus der Stadtverwaltung, hagelte es Knöllchen. „Miteinander reden, statt reglementieren – warum geht das nicht?“, bedauert Caliva. „Ich liebe die Stadt und die Salzwedeler“, betont er erneut. Sein Entschluss steht indes fest: Am 30. April ist Schluss.

Eine Sonderparkregelung für Handwerker und Geschäftsleute fordert seit längerer Zeit auch die SPD-Stadtratsfraktion. Inzwischen sind sich CDU, Freie Liste, Linke, Salzwedel-Land und SPD einig, fordern einen Sonder-Verkehrsausschuss zur Parksituation. Die SPD will dazu auch mit Caliva reden, trifft sich am Donnerstag im „Da Gaetano“ zur Fraktionssitzung.

Was den Sizilianer auf die Palme bringt, sind die Mutmaßungen aus der Stadtverwaltung über seinen Weggang, nachdem die Situation eskaliert war (Altmark-Zeitung vom 20. März: „Wir denken, dass es eine kaufmännische Entscheidung war“, kommentierte gestern Stadt-Marketingamtsleiter Olaf Meining.).

„Wie kommt Herr Meining dazu, öffentlich Vermutungen über die kaufmännische und betriebswirtschaftliche Leitung meines Restaurants zu äußern? Das Restaurant ,Da Gaetano’ ist jeden Tag gut besetzt, die Gäste müssen Tische vorbestellen. Ich habe also keine Probleme, sondern Sie“, spricht er den Amtsleiter direkt an. Und untermauert: „Ihre Vermutungen entbehren jeder Grundlage. Mehr noch, sie sind rufschädigend. Ist das die Funktion eines Leiters der Abteilung Stadt-Marketing?“, wundert sich Caliva.

Von Holger Benecke

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