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DRK-Kreisverband Salzwedel erfüllt sterbenskranken Menschen einen letzten Wunsch

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Von: Lydia Zahn

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Christian Engwer (l.) und DRK-Chef Sven Knoche sind zu Recht stolz auf das neue Projekt. © Zahn, Lydia

Beim Gespräch mit Pressesprecher Christian Engwer und Vorstandsvorsitzendem Sven Knoche, beide vom Salzwedeler Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), wurde einem, ob gewollt oder nicht, warm ums Herz. Denn die beiden Rotkreuzler stellten ein neues Projekt vor: das „Herzenswunsch-Mobil“.

Salzwedel - Ausgestattet mit einem ausrangierten Krankentransportwagen und einem fünfköpfigen Team, hauptsächlich bestehend aus Rettungsdienstmitarbeitern, will das DRK sterbenskranken Menschen einen letzten Wunsch erfüllen. Die Idee dazu hatte Engwer vor rund einem Jahr. „Viele Städte, wie zum Beispiel Magdeburg, bieten so etwas schon an. Hier in der Nähe gibt es das aber noch nicht“, führt der Pressesprecher aus.

Also ging er mit seinem Vorhaben zum Chef. Und der war anfangs skeptisch. „Ich hatte ehrlich gesagt schon meine Bedenken“, gesteht Knoche. Was, wenn etwas passiert? Und kann das finanziell, personell und materiell überhaupt geleistet werden? Doch die herzliche Idee, die auch den Vorsitzenden berührte, überwog all die Zweifel. Kurz darauf wurde mit den Planungen und Vorbereitungen begonnen, sodass jetzt, knapp ein Jahr später, alles bereit ist.

Nach Freiwilligen musste nicht lange gesucht werden. Diese hätten sich schnell gemeldet. „Sie machen das ehrenamtlich. Sie machen es gern. Sie opfern ihre Freizeit und bekommen dafür kein Geld“, unterstreicht Knoche und ist stolz auf seine Mitarbeiter. Und Engers fügt hinzu: „Außerdem müssen wir alles selbst zahlen, wie zum Beispiel die Kosten einer Übernachtung oder einer Konzertkarte.“ Doch das störe keinen, sagt er, denn „das wird ein Mega-Gefühl sein, den Menschen ihren letzten Wunsch zu erfüllen“.

Das Team wurde für diese Aufgabe zusätzlich geschult, erklären die Rotkreuzler. Denn einen Menschen, der sich in palliativmedizinischer Behandlung befindet, auf so einer Reise zu begleiten, ist noch einmal etwas ganz anderes als das, womit die Rettungskräfte sonst im Alltag zu tun haben. Doch nur so können die Ehrenamtlichen auf alles gefasst und vorbereitet sein, egal welcher Natur eine mögliche Notfallsituation sein sollte.

Für die Mobilität und Fachkräfte ist also schon gesorgt. Doch wie wird das Projekt finanziert? „Durch Spenden. Wir haben natürlich Kosten und hoffen, diese durch Spenden refinanzieren zu können“, sagt Knoche. Noch sei das Konto für das Vorhaben leer, weshalb es sein könne, dass die ersten Fahrten mit einem Verlust einhergehen. Abbringen wollen sich die Rotkreuzler davon aber nicht. Sie sind startklar.

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Das DRK-Team, das bei der Erfüllung der Wünsche die Patienten begleiten wird, wurde extra für diese besonderen Umstände geschult. © Privat

Und wie genau läuft das jetzt ab? Wie können sich Menschen bewerben? Das ist einfach und unkompliziert. Das DRK hat auf seiner Internetseite unter www.drk-salzwedel.de/spenden/herzenswunsch-mobil/herzenswunsch-mobil.html ein Formular dafür vorbereitet, welches nur noch ausgefüllt und abgeschickt werden muss. Anrufe sind natürlich auch möglich.

Die Mitarbeiter überprüfen dann die Anfrage, halten Rücksprache mit Hausärzten. „Es muss leider klar sein, dass er oder sie nicht mehr lange kann“, sagt Engwer mit ernstem Blick. Und Knoche führt weiter aus: „Die Person muss es körperlich auch noch schaffen können, einen solchen Ausflug zu leisten.“

Wohin dieser dann schlussendlich geht, was sich er oder sie wünscht, dem sind kaum Grenzen gesetzt. Es werde alles versucht. Dabei ist es egal, ob es ein Stadion- oder Konzertbesuch ist, eine Fahrt zu einem geliebten Ort voller Erinnerungen oder einfach ans Meer. „Wir helfen, wo die Angehörigen an ihre Belastungsgrenze kommen“, verdeutlicht Engwer.

Alles ist dann aber doch nicht umsetzbar. Eine 14-tägige Reise in die USA ist kaum machbar. „Wir sind schließlich kein Reiseunternehmen“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Aber: „Ich denke, eine Zweitagestour sollte möglich sein.“

Eine Bitte haben der Chef und der Pressesprecher noch. „Wenn die Diagnose kommt, so bald wie möglich den Wunsch in die Tat umsetzten. Der Zustand des Erkrankten kann sich abrupt und unerwartet verschlechtern“, erklärt Engwer. Deshalb lieber früher als zu spät melden.

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