AZ-Kolumne: Von Woche zu Woche

Ein Dorf geht baden

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Das Waldbad Liesten aus der Luft.
  • Jens Heymann
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Das Liestener Waldbad öffnet in dieser Saison definitiv nicht mehr. Auch für die Zukunft sieht es düster aus. Die Problematik kommentiert AZ-Redakteur Jens Heymann.

Von Jens Heymann

Seit einigen Tagen brennt die Sonne auf die Altmark. Der perfekte Zeitpunkt eigentlich, das örtliche Freibad zu besuchen. So ist es in vielen Jahren gewesen, und so wird es wohl vielerorts auch bleiben.

Jens Heymann.

Nur an einem Ort in der Altmark sieht die Lage anno 2017 anders aus. Im Salzwedeler Ortsteil Liesten ist das dortige Waldbad für die Saison dichtgemacht worden. Aus Sicherheitsgründen, weil zuletzt mehr und mehr Fliesen kaputt gegangen sind und so Badegäste verletzen könnten. Diese Entscheidung hat zu Entsetzen und Ohnmacht bei den Einwohnern geführt. Ein Leben ohne Waldbad kennen die meisten Einwohner gar nicht. Überspitzt formuliert: Das kulturelle Erbe des Ortes ist in Gefahr.

Wie so manche andere öffentliche Anlage in der Altmark hat das Bad seinen Ursprung als Schwarzbau zu DDR-Zeiten. Es ist nicht von der öffentlichen Hand, sondern von den Einwohnern selbst erbaut worden.

Nach der Wende gab es eine große Modernisierung; seitdem verliert die Anlage trotz Reparaturen und Einsatz durch Ehrenamtliche jährlich an Substanz. Nun ist sprichwörtlich offenbar das Ende der Schwimmbahn erreicht. Die Lokalpolitik steht vor der entscheidenden Frage: für viel Geld sanieren oder dauerhaft schließen?

In diesem Fall zeigt noch immer die Gebietsreform von 2010 ihre Auswirkungen. Wo früher die Gemeinden walten konnten, wie sie wollten, sind sie nun gerade in einer Einheitsgemeinde an andere Spielregeln gebunden. Denn plötzlich ist das eigene Freibad nicht mehr das Einzige in der Kommune. Diese Situation kennen wohl alle altmärkischen Gemeinden.

Muss wie im Beispiel Liesten nach 25 Jahren viel investiert werden – und es gibt in Salzwedel eine größere und häufiger frequentierte Anlage – dann steht die lokale Politik bei der nächsten Haushaltsdiskussion vor einer delikaten Entscheidung. Auf der einen Seite soll möglichst effizient mit den öffentlichen Geldern umgegangen werden, auf der anderen Seite werden auch andere Ortsteile genau darauf schauen, wie „die in der Stadt“ mit dem Dorf-erbe umgehen.

Im konkreten Fall von Liesten steht das Urteil noch aus. Ein teures Sanierungsvorhaben war vor Jahren schon einmal im Gespräch, wurde aber verschoben. Die Zeit wird zeigen, ob die Liestener baden gehen oder nicht ...

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