Vater in einem fremden Land

Dokumentarfilm „Verliebt, verlobt, verloren“ erzählt von nordkoreanisch-deutschen Beziehungen

+
Die Gruppe, bestehend aus Müttern mit ihren Kindern trifft sich zweimal im Jahr. Sie waren auch schon in Salzwedel bei Gunar (4.r.h.), Karen (3.r.h.) und Mutter Marion Lauenroth (5.r.v.) zu Gast.

Salzwedel / Nordkorea. „Ich habe ihn 2014 gesehen“, erzählt Gunar Lauenroth im Gespräch mit der AZ über seinen Vater Dze-Hoan Song aus Nordkorea. Der heutige Musikschullehrer wuchs zusammen mit seiner Schwester Karen und Mutter Marion Lauenroth in Salzwedel auf.

Der Dokumentarfilm „Verliebt, verlobt, verloren“ erzählt unter anderem seine Familiengeschichte und beschreibt nordkoreanisch-deutsche Beziehungen. Am kommenden Sonntag, 8. November, ab 18 Uhr wird die Dokumentation im Filmpalast Salzwedel gezeigt.

Gunar Lauenroth (l.) in Pjöngjang beim Besuch von Dze-Hoan. „Mein Vater kann noch gut Deutsch“, so Lauenroth. Ein Übersetzer wird von nordkoreanischer Seite freundlicherweise trotzdem immer zur Seite gestellt.

1952, noch während des Koreakrieges, schickte Nordkorea auserwählte Studenten in sozialistische Bruderländer mit dem Ziel, sie dort ausbilden zu lassen und mit dem neuen Wissen zurück in die Heimat zu holen, um das zerstörte Vaterland wieder aufzubauen. Die DDR nahm einen großen Teil der koreanischen Studenten auf. Die höflichen jungen Männer beherrschten neben der deutschen Sprache bald auch die landestypischen Tanzschritte. Das war die Zeit, in der junge deutsche Frauen ihnen so schicksalhaft begegnen sollten. Anfang der 60er Jahre mussten die jungen Nordkoreaner nach Hause zurückkehren und zum Teil ihre frisch gegründeten Familien für immer zurücklassen.

Regisseurin Sung-Hyung Cho aus Südkorea hat bereits Dokumentationen über ihr Heimatland und einen Kinofilm über das Heavy-Metal-Festival in Wacken gedreht. In „Verliebt, verlobt, verloren“ begleitete sie eine Gruppe von Müttern und Kindern, auf der Suche nach ihren Männern aus Nordkorea.

Nach der Wende wurde der Salzwedeler Gunar Lauenroth auf Renate Hong aufmerksam. Sie erlitt ein ähnliches Schicksal, wie Mutter Marion. Mithilfe des Roten Kreuzes suchte Hong ihren Mann und machte als erste Schicksalsträgerin eine Reise in die asiatische Volksrepublik.

Marion Lauenroth wohnte in den 50er Jahren in Magdeburg. Dort lernte sie Dze-Hoan Song kennen und lieben. Die koreanischen Studenten mussten ohne Vorkenntnisse innerhalb einer kurzen Zeit die deutsche Sprache lernen.

Gunar Lauenroth ist im Herbst 1962 geboren. Sein Vater beendete damals sein Studium und wurde schon im Sommer vor seiner Geburt in seine Heimat zurückgerufen. „Mein Vater hat es schon zum Teil gewusst. Eine Rückkehr war nicht möglich, Briefkontakt bestand noch für eine kurze Zeit“, erläuterte der Salzwedeler. Zusammen mit seiner Schwester versuchte er seinen Vater wiederzufinden. Im Herbst 2013 kam eine Meldung von der koreanischen Botschaft. Vater Dze-Hoan Song lebt und einem Besuch wurde zugestimmt. Die Kommunikation ist schwierig und läuft allein über die Weltorganisation des Roten Kreuzes. Die Überraschung der Salzwedeler Familie war groß. Denn ihres Wissens nach sollte der Vater bereits gestorben sein, durch Übersetzungsfehler wurden falsche Daten übermittelt. Einem Treffen stand nun nichts mehr im Weg. Bereits mehrere Male hat Familie Lauenroth Dze-Hoan Song in Pjöngjang besucht.

Die Hauptpersonen in der Dokumentation, Ina Grauer und Thomas Hillmann, sind Vereinskollegen und Schicksalsgenossen des Salzwedelers. Nach dem Film wird es für alle Interessierten eine Diskussion mit ihnen geben. „Das Geschehen ist bei den Älteren noch tief in Erinnerung,“ erzählt Gunar Lauenroth über seine Geschichte.

Von Ann-Kathrin Rohmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare