Antwort aus dem Rathaus ist noch langsamer als Gerstedter Netz

Dörfler aus dem Altmarkkreis klagen über Steinzeit-Internet

In Gerstedt wurden die Leitungen zehn Meter am Verteilerkasten vorbeigelegt. Das Internet läuft dort mit Schneckentempo.
+
In Gerstedt wurden die Leitungen zehn Meter am Verteilerkasten vorbeigelegt. Das Internet läuft dort mit Schneckentempo.

Osterwohle / Chüden – „Das geht nun schon seit 2014, dass uns versprochen wird, wir bekommen ein besseres Netz."

Während der jüngsten Osterwohler Ortschaftsratssitzung standen in der Einwohnerfragestunde die Internetanschlüsse in Klein und Groß Gerstedt im Feuer der Kritik. Denn dort ist die Datenautobahn nur ein Feldweg.

„Die Stadt hat sich nicht am Zweckverband Breitband Altmark (ZBA) beteiligt, und die Gerstedter müssen nun für diesen Fehler bezahlen“, wetterte Ratsherr Matthias Müller. Und listete auf: „In Wistedt wurde in den 1990er Jahren Glasfaserkabel verbuddelt. Jetzt wurde Kupferkabel drübergelegt und auch ein Leerrohr, sodass man da noch einmal Glasfaser reinlegen könnte.“

Zehn Meter dran vorbei

„In Gerstedt wurde eine neue Kabeltrasse nur zehn Meter am Verteilerkasten vorbeigebuddelt“, machte ein Anwohner seinem Ärger Luft. Statt 100 Mbit/s kommen in Gerstedt maximal 2,7 Mbit/s an, beschweren sich die Anwohner. Und auch die Bombecker sind unzufrieden: 50 sollten sie bekommen, maximal 11 Mbit/s kommen an. Alle waren sich einig: Auch 100 Mbit/s seien nicht das Allheilmittel – in Zukunft werde noch mehr gebraucht.

Osterwohles Ortsbürgermeister Jürgen Bangemann hat diesbezüglich morgen einen Termin bei Bürgermeisterin Sabine Blümel. Denn für den Internetausbau im Salzwedeler Stadtgebiet ist die Stadt zuständig. Die Telekom ist dort nicht der Bauherr. Die erwähnten Orte sind allesamt in einer Ausschreibung der Hansestadt Salzwedel enthalten, teilte Telekom-Pressesprecher Georg von Wagner auf eine AZ-Anfrage hin mit.

Die Stadt antwortete noch langsamer als das Internet in Gerstedt – zwei Wochen dauerte es, bis die AZ-Anfrage Beachtung fand. „Die Internetversorgung in Groß und Klein Gerstedt ist im Hinblick auf die Anforderungen der heutigen Zeit für die Hansestadt Salzwedel nicht zufriedenstellend“, hat man auch in der Verwaltung schon bemerkt.

Auch die Frage, ob ein Ausbau / Anschluss geplant ist, wird aus dem Rathaus ausweichend beantwortet: „Die Hansestadt Salzwedel ist weiterhin in Gesprächen, um eine Verbesserung zu erzielen. Es wird zu gegebener Zeit über einen neuen Sachstand informiert.“

Wann ist in diesen Orten damit zu rechnen? „Dazu kann noch keine Aussage getroffen werden.“ Oder gibt es andere Pläne? „Es sind keine bekannt. Mit freundlichen Grüßen ...“ Für die abgehängten, zur Stadt gehörenden Dörfler ist das ein Schlag ins Gesicht und zeigt die Bemühungen der Verwaltung.

Verkalkuliert

Nicht viel anders ergeht es den Einwohnern des Stadtteils Chüden. Auch dort hat das Internet Steinzeitcharakter. Unternehmen hätten dort im vergangenen Jahr ihre Angebote abgegeben. Die vier besten sollten ihre Offerten noch einmal überarbeiten. Doch das scheint der Haken an der Sache zu sein. Laut Chüdens Ortsbürgermeister Detlef Korneck sei das günstigste Angebot für den Internetausbau immer noch doppelt so hoch gewesen, wie ursprünglich im Rathaus kalkuliert. Die Ausschreibung sei daraufhin gestoppt worden, und Bürgermeisterin Sabine Blümel habe die Sache in die eigenen Hände genommen, um mit den Firmen zu sprechen und ein passendes Angebot auszuhandeln. Das war Anfang Februar (wir berichteten).

VON HOLGER BENECKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare