Apotheken vor den Kopf gestoßen

Digitaler Impfpass: Die Arbeit wird nur noch mit einem Drittel entlohnt

  • VonLydia Zahn
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Die Apotheken bekommen ab 8. Juli nur noch ein Drittel Honorar für das Ausstellen des digitalen Impfausweises. Die Apotheker fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

Salzwedel – „Wir bekommen Arbeit aufgedrückt, haben knapp drei Tage Zeit, das Ganze vorzubereiten und wissen nicht mal, wie wir dafür entlohnt werden“, macht Andrea Holzhausen, Apothekerin der Jeetze-Apotheke in Salzwedel, ihrem Ärger Luft. Denn ab Donnerstag, 8. Juli, sollen die Vergütungen, die Apotheken für das Ausstellen des digitalen Impfausweises bekommen, herabgesetzt werden. Das und das Vorgehen der Bundesregierung trifft auf Unverständnis vonseiten der Apotheken.

Der Andrang war groß, als Mitte Juni mit dem Ausstellen des digitalen Impfpasses von den Pharmazeuten begonnen wurde. Bereits am zweiten Tag war das Portal überlastet – es ging vorerst nichts mehr. Und schon kurze Zeit später kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an, die Entlohnung für die Apotheken zu reduzieren. Bisher gibt es 18 Euro für den Nachweis über die Erstimpfung, sechs für die Zweite. Ab Donnerstag werden es jeweils sechs sein.

„Wir erfahren das aus der Öffentlichkeit. Uns wird nicht vorher Bescheid gesagt. So arbeitet man doch eigentlich nicht miteinander“, empfindet Holzhausen.

Wertschätzung für die Arbeit fehlt

Und damit ist sie nicht alleine. Auch Arkaden-Apotheken-Inhaber Christian Twarok versteht nicht, warum Zusagen nicht eingehalten beziehungsweise so schnell wieder geändert werden: „Wir sind einfach enttäuscht. Nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Versprechungen. Und das, dass alles so kurzfristig passieren muss. Da kommt das Gefühl auf, dass die Wertschätzung für unsere Arbeit fehlt.“

Und genau die hat sich wesentlich erhöht. Neben der Organisation und Investition kommt ein personeller und zeitlicher Mehraufwand dazu. „Die Hälfte meiner Arbeitszeit bin ich damit beschäftigt. Denn das ist nicht eben mal in fünf Minuten erledigt. Die Eingabe der Daten muss sehr genau erfolgen. Ist ein Leerzeichen zu viel, kann der QR-Code schon nicht mehr ausgestellt werden“, weiß Holzhausen.

Die Apotheker erfassen den Namen, das Geburts- und Impfdatum sowie den Impfstoff, den der Kunde erhalten hat, und schicken die Daten weiter an das Robert-Koch-Institut. Jenes stellt den Ausweis aus. Die Kunden erhalten anschließend zwei QR-Codes, für jede Impfung einen, die mit einer App eingescannt oder auf Papier ausgedruckt werden können.

Damit ist es aber in vielen Fällen nicht getan, wie Andrea Holzhausen weiß: „Oft fragen die Kunden, wofür und wie sie den Impfausweis auf dem Handy nutzen können.“

Die Kunden kommen an erster Stelle

Auch in der Arkaden-Apotheke ist ein beträchtlicher Mehraufwand dazu gekommen. „Wir sind die ganze Woche am Anschlag. Die Leute stehen an, man kommt schwer hinterher“, erklärt Twarok im AZ-Gespräch.

Andrea Holzhausen betont aber: „Für uns stand nicht im Vordergrund, wie viel Geld wir dafür bekommen. Letztendlich geht es darum, den Kunden zu helfen.“

Im Gegensatz zu ihren Kollegen wollte Katrin Roth, Sprecherin der Apotheken in Salzwedel und Inhaberin der Adler-Apotheken, sich nicht zum Thema nicht äußern. Einen Grund nannte sie nicht.

Auf Nachfrage bei der Apothekenkammer Sachsen-Anhalt erfährt die AZ, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung die geringere Vergütung rückwirkend schon ab 1. Juli wünscht.

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