1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Salzwedel

Altmark-Klinikum schon dieses Jahr schon nicht mehr liquide

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Holger Benecke

Kommentare

luftbild
Das neue „Zielbild“ für das Altmark-Klinikum wird am Montag den Kreistagsmitgliedern zur Kenntnis gegeben. Die Sitzung ist öffentlich. © Wunberger

Wie es mit dem Altmark-Klinikum bzw. dessen Struktur weitergehen soll, das erfahren die Kreistagsabgeordneten am Montag. Es ist kein Beschluss, sondern nur eine Information. Viel mitzubestimmen hat der Kreistag ohnehin nicht, nachdem das einst kreiseigene Klinikum mit den Standorten Salzwedel und Gardelegen in der Salus Altmark Holding gGmbH aufgegangen ist. Das hat schon die Entscheidung über das Schließen der Kinderklinik am Standort Gardelegen zum 1. Januar dieses Jahres wegen Fachärztemangels gezeigt. Der Kreistag war zwar mehrheitlich dagegen, der Kreisvertreter, der Landrat, hat aber nur eine Stimme im Aufsichtsrat.

Salzwedel/Gardelegen - Wer die Informationen über das neue „Zielbild“ des Altmark-Klinikums live miterleben will – die Kreistagssitzung ist öffentlich. Diese beginnt am Montag, 25. April, um 17 Uhr im Salzwedeler Kulturhaus. Dorthin musste der Kreistag erstmals ausweichen, nachdem in der Turnhalle der Berufsschule ukrainische Flüchtlinge untergebracht werden.

Umbau nach Variante 5

Zum „Zielbild“ – die sogenannte Variante 5 sieht folgendes vor: Am Standort Gardelegen sollen die Pädiatrie geschlossen werden (schon geschehen), aber zirka zwölf Betten für Kinder und Jugendliche vorgehalten werden. Zudem soll es ein ambulantes pädiatrisches Zentrum mit 1,5 bis 2,0 KV-Sitzen Kinder und Jugendmedizin. KV = Kassenärztliche Vereinigung, KV-Sitze sind also das, was die Kasse bezahlt.

Weiterhin sind 0,5 bis 1,0 KV-Sitz in der Kinder- und Jugendpsychotherapie sowie ergänzende Angebote in der Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie und andere Angebote in der Prävention und den frühen Hilfen möglich. Es soll auch einen KV-Dienst Kinder- und Jugendmedizin geben, wobei „ein kassenärztlicher Bereitschaftsdienst erstrebenswert wäre“, heißt es in der Informationsvorlage.

Die stationäre Geburtshilfe in Gardelegen soll mit zehn Betten, die Frauenheilkunde mit fünf Betten und die ambulante Pädiatrie im Fachärztlichen Zentrum mit 1,0 KV-Sitz ausgestattet sein.

In der Notaufnahme wird eine rein pädiatrische Notfallversorgung bei Kinder- und Jugendmedizin „nicht angeboten“, chirurgische Notfälle bei Kindern sollen aber behandelt werden. Eine Notfallversorgung bei der Frauenheilkunde und Geburtshilfe ist vorhanden.

Am Standort Salzwedel ist folgendes vorgesehen: eine stationäre Pädiatrie mit 18 Betten, eine stationäre Frauenheilkunde / Geburtshilfe mit 21 Betten, eine ambulante Pädiatrie im Fachärztlichen Zentrum bekommt ebenfalls – wie in Gardelegen – 1,0 KV-Sitz zugesprochen.

Düstere Aussichten

„Die Variante 5 würde neben einer Ausweitung der ambulanten Strukturen auch die stationäre Versorgung pädiatrischer Notfälle in Gardelegen gewährleisteten. Vorausgesetzt, die Besetzung der notwendigen Personalstellen kann erfolgen“, heißt es im „Zielbild“. Doch dem Fachärztemangel ist schon die stationäre Pädiatrie in Gardelegen zum Opfer gefallen.

Auch wirtschaftlich ist die Lage im Altmark-Klinikum schlecht. Standen 2018 noch rund 1,8 Millionen Euro auf der Minusseite, so waren es im vergangenen Jahr über 5,6 Euro Minus. Für 2022 wird nach Februarhochrechnungen ein Jahresergebnis mit einem Minus von 2,9 Millionen erwartet – geplant waren nur minus 1.6 Millionen Euro.

Die Ergebnisprognose bis zum Jahr 2026 beträgt minus 3,7 bis minus 7,7 Millionen Euro, wird im „Zielbild“-Papier eingeschätzt – „abhängig von der Nachhaltigkeit der coronabedingten Belastungen“. Weiter wird erwartet, dass das Klinikum schon im dritten Quartal dieses Jahres nicht mehr liquide ist. Zur Erinnerung: Der Altmarkreis Salzwedel gehört zu den Kreisen mit der niedrigsten Arztdichte. So sind ein Drittel der Hausarztstellen – präzise 16 Stück – nicht besetzt.

Für das „Zielbild“ war der Kernpunkt eine Analyse, die durch die Boston Consulting Group – eine der weltweit drei größten Unternehmens- und Strategieberatungen – vorgenommen wurde. Die Ergebnisse gibts dann Montag im Kreistag. Diese sind zum Beispiel, dass existierende stationäre Angebot an einem Standort zu „konsolidieren“, oder ob die Notfallversorgung an einem Standort konzentriert werden kann. Heißt auf gut Deutsch: An einem der beiden Standorte – Salzwedel oder Gardelegen – sollen stationäre Behandlungen stattfinden, am anderen die Notfallmedizin.

Weiter geht der wirtschaftliche Blick auf das ambulante Operieren und Angebotserweiterungen in Geriatrie, Schmerzmedizin, Kardiologie und Neurologie. Zudem rät die Boston Consulting Group, als Ergänzung internistische Schwerpunkte auszubilden.

Zehn Millionen Euro investieren

Rein rechnerisch und nach vorherigen kräftigen Investitionen von geschätzten zehn Millionen Euro – in Salzwedel müssten die Notaufnahme und die Intensivmedizin „überarbeitet“ werden, in Gardelegen ist dies schon geschehen (rund vier Millionen Euro) – sieht das „Zielbild“ für 2026 kein Minusmehr, sondern ein sattes Plus von 2,2 bis 3,4 Millionen Euro.

Auch interessant

Kommentare