„Mich spricht da keiner drauf an“

Diesdorfs Jugendklubleiter Torsten Neumann zur Rasenmäh-Debatte

Torsten Neumann
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Diesdorfs Jugendklubleiter Torsten Neumann erledigt die Büroarbeit meist am Küchentisch des Klubs.
  • Ulrike Meineke
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Torsten Neumann findet „enorm“, welchen Rückhalt er in der Region hat. Wenn der Leiter des Diesdorfer Jugendklubs auf der Suche nach Unterstützern ist, stoße er fast immer auf Wohlwollen. Nur eins kann der 54-Jährige überhaupt nicht verstehen: Dass man in der Debatte um das Rasenmähen am Klub nur über, aber nicht mit ihm spricht.

Diesdorf – Nicht nur Diesdorfs Bürgermeister Fritz Kloß hatte sich „enttäuscht“ darüber gezeigt, dass der aus Westfalen stammende Jugendklubchef die Grünflächen nicht „als freiwillige Zusatzleistung“ pflegen will. Etwas moderater hatte sich Vize-Bürgermeisterin Angelika Scholz geäußert. Sie fände es „wünschenswert“, wenn Neumann den Rasen mähen würde, aber er müsse es schließlich nicht. Denn Mäharbeiten stünden nicht im Arbeitsvertrag.

Schon zweimal war das Thema Rasenmähen im Gemeinderat diskutiert worden. „Mich spricht da keiner drauf an“, wundert sich der diplomierte Sozialpädagoge, der den Diesdorfer Klub seit elf Jahren leitet. Er verweist auf einen Ratsbeschluss, wonach die Gemeindearbeiter die Grünfläche mähen. Sie hätten einen Rasenmähertraktor, und außerdem „gibt es das nirgends, dass ein Pädagoge Rasen mäht“.

Neumann verweist auch darauf, dass er vor acht Jahren angeboten hatte, die Reinigungsarbeiten im Klub zu übernehmen. Im Gegenzug könnte die Gemeinde das Geld für die Teilzeit-Putzfrau einsparen. Neumanns Bedingung war, dass das eingesparte Geld der Jugendarbeit in Diesdorf zugute kommt. „Das Geld habe ich nie gesehen“, sagt der Sozialpädagoge, und weiter: „Ich habe das so hingenommen. Das würde ich heute nicht mehr tun.“ Ohne Groll und Unterton fügt er hinzu: „Ich kenne kein Ratsmitglied, das in der Gemeinde die Toiletten putzt.“

Auch die zeitweise ins Gespräch gebrachte Idee, dass die Jugendlichen den Rasen am Klub mähen könnten, ist für Neumann indiskutabel: „Das geht aus versicherungstechnischen Gründen nicht.“ Und überhaupt: Wenn er montags Grünpflege auf die Tagesordnung setzen würde, „dann käme keiner“.

Der Diesdorfer Jugendklub ist in einem äußerst gepflegten Zustand. Das 230 Quadratmeter große Gebäude an der Molmker Straße zwischen Freilichtmuseum und Erlebnisbad hat fünf thematisch gestaltete Räume, die beispielsweise „zum Denken“, „zum Entspannen“ oder „zum miteinander Reden“ animieren. Das Raumkonzept geht auf Neumanns Idee zurück. Draußen, auf dem 600 Quadratmeter großen Gelände, wird nach Neumanns Angaben viel Fußball gespielt.

Unterschieden wird im Klub zwischen Projekt- und offener Jugendarbeit. Seit dem 2. Juni ist der Klub nach dem Lockdown wieder geöffnet, 14 Jugendliche kommen laut Neumann regelmäßig. Der corona-bedingte Rückzug sei aber „noch nicht gebrochen“. Während der fünfmonatigen Schließung hatte Neumann die Notbetreuung sichergestellt – einschließlich Versorgung, Schularbeiten und Freizeit, getrennt nach Klassenstufen.

Man müsse Angebote machen, weiß der Klubchef aus Erfahrung und verweist auf die gute Zusammenarbeit mit den Schulen, insbesondere mit der Dährer Sekundarschule. Im Rahmen der Projektarbeit, die Torsten Neumann fein säuberlich dokumentiert, schlagen für 2021 bisher insgesamt 116 Tage mit 160 teilnehmenden Jugendlichen zu Buche. Seit Januar bis Ende Oktober dieses Jahres stehen in Neumanns Bilanz 161 Arbeitstage, darunter 115, die etwa aufgrund von Fördermittel-Akquisen von der regulären Arbeitszeit abwichen. An 55 Arbeitstagen brauchte Neumann sein privates Auto.

Zur Projektarbeit gehörten in diesem Jahr bislang unter anderem ein Kochkurs für Heimkinder, das Projekt „Was ist grenzwertig?“ mit Ausflug zum Dokumentationszentrum an der Berliner Mauer, das Ferienprogramm Fakir, mehrere Lerncamps, Initiativen zum Thema „Andere Kulturen entdecken“ sowie Ausflüge zum Klimahaus Bremerhaven, in die Lutherstadt Wittenberg, die Miniaturwelten Hamburg und in die Sehitilik-Moschee Berlin.

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