Altmarkkreis Salzwedel

Corona-Tests für Schulen weiter Mangelware

Eine Hand träufelt eine Indikatorflüssigkeit auf eine Testkassette.
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Ein Mann träufelt eine Lösung auf eine Testkassette, die von Covid-19 verursachte Antigene nachweisen kann (gestellte Szene). In den Schulen sollen sich die Schüler selbst testen, aber die Tests sind bisher Mangelware.
  • vonStephan Ernst
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„Das Infektionsgeschehen entwickelt sich sehr dynamisch. Die dritte Welle ist auch bei uns im Kreis angekommen“, sagte die Dezernentin Kathrin Rösel während der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Familie und Gesundheit des Altmarkkreises Salzwedel am Dienstag.

Salzwedel – Die Patienten, die an Covid-19 schwer erkranken, würden immer jünger und würden auch immer schwerer erkranken. Dies sei auch auf der Intensivstation der Klinik in Gardelegen zu beobachten, informierte Rösel weiter.

Die Kreisdezernentin äußerte sich auch zum Impfen. „Die Impfaktion zu Ostern mussten wir leider absagen, weil es kurz zuvor eine veränderte Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission gegeben hatte und es auch weniger Impfstoff als vorher zugesagt gab“, blickte sie zurück. Am Montag und am Dienstag habe es die Nachholtermine für die zu Ostern ausgefallenen Impftermine gegeben. Dabei seien auch Hausmeister und Sekretärinnen geimpft worden. Kathrin Rösel zeigte sich darüber erfreut, dass seit Montag auch die Hausärzte mitimpfen würden: „Die sind sehr nah dran an den Patienten.“

Mit Stand vom 13. April haben laut Rösel bisher 12 612 Personen im Altmarkkreis eine Erstimpfung erhalten, was einer Quote von 15,2 Prozent entspricht und 6624 die Zweitimpfung (Quote: 8 Prozent). Allerdings seien bei diesen Zahlen noch nicht die Impfungen bei den Hausärzten enthalten, so Rösel.

Nach Aussage von Dr. Ilja Karl, der selbst als Hausarzt praktiziert, könnten allein in einer Woche rund 1500 Impfungen bei den Hausärzten im Kreis dazukommen. „Ungünstig ist, dass Astrazeneca für Ältere vorgesehen ist, aber wir nur Biontech bekommen“, stellte Dr. Karl fest, der meinte, dass sich manche Ärzte mit dem Impfen profilieren wollten.

Das aber wollte Landrat Michael Ziche so nicht stehen lassen. „Wichtig ist, dass die Menschen ihre Impfung bekommen. Ich glaube nicht, dass sich jemand durch das Impfen profilieren will“, sagte der Chef der Kreisverwaltung. Er verwies darauf, dass im Kreis etwa 18 Hausarztstellen gar nicht besetzt seien und es daher gar nicht alle Hausärzte leisten könnten, selbst zu impfen.

Was die Lieferung von Impfstoffen angeht, sei es „bedauerlich, was da schon gelaufen ist“. Und die Verunsicherung werde wohl noch zunehmen, nachdem der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson einen Lieferstopp für Europa verhängt habe, so Ziche. Der Altmarkkreis setze weiter auf den Impfstoff von Biontech. „Ich denke, wir bekommen da bald eine größere Schlagkraft,“ zeigte sich der Landrat optimistisch.

Allerdings könne der Kreis das dezentrale Impfen nicht mehr leisten, weil das Personal dafür fehle. Die Impfzentren in Gardelegen, Salzwedel und Kakerbeck sollen laut Ziche aber aufrechterhalten werden.

Sabine Danicke teilte mit, viele ältere Leute seien der Ansicht, sie würden wegen eines Impftermins angeschrieben. Das sei aber nicht der Fall. „Sie müssen sich selbst um einen Impftermin kümmern“, betonte sie.

„Die Impfwilligen sollten sich bei ihren Hausärzten melden. Man sollte das nicht verkomplizieren“, sagte der Sozialausschussvorsitzende Dr. Hans-Joachim Becker. Auch Michael Ziche war der gleichen Meinung. Schließlich gebe es ein Bürgertelefon und gesonderte Hotlines. „Wir sollten die Menschen nicht zu sehr bevormunden und die über 70-Jährigen gar entmündigen. Die können sich schon selbst informieren“, betonte Ziche.

Der Landrat äußerte sich auch zur vom Bundeskabinett inzwischen beschlossenen verschärften Notbremse zur Pandemie-Bekämpfung. „Ich sehe das sehr kritisch, was da zurzeit passiert. Wir wollten ja eigentlich über Modellprojekte Öffnungen vornehmen, das ist nun erst mal hinfällig“, erklärte Ziche.

Nur auf eine Inzidenz von 100 zu schauen, sei für ihn nicht der richtige Ansatz. Man müsse auch prüfen, wer sich anstecke und wo und mehr die Gesundheitsstrukturen in den jeweiligen Landkreisen und Bundesländern berücksichtigen.

Auf eine Nachfrage zu den Schnelltests für die Schulen räumte Kathrin Rösel ein: „Das ist eine unbefriedigende Situation. Es sind nur noch genug Selbsttests für diese Woche da.“

Der Landrat sagte dazu: „Ich bin am Freitag beim Bildungsminister und habe mit ihm ein paar Worte zu wechseln. Einige Tests, die geliefert wurden, waren nicht verwendbar. Und die Testpflicht besteht ja nicht erst seit gestern. Wenn man das fordert, muss man auch genug Tests bereitstellen.“

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