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Die Salzwedel-Sammler

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Von: Holger Benecke

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Volkspolizei
Nico Lesch (l.) und Maik Baumann bewahren Salzwedels Geschichte: Am Wochenende stellten sie aus ihren Sammlungen Konvolute zusammen – zum Beispiel zum Thema „Volkspolizei“. © Benecke, Holger

Der Abschnittsbevollmächtigte (ABV) in Kaulitz hatte zu DDR-Zeiten jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr seine Sprechstunde. So sagt es ein historisches Schild aus, das der Pretzierer Nico Lesch ergattern konnte. Das Schild gehört zu einem ganzen Konvolut, das Lesch gerade zusammenstellt. Sein Beweggrund, sich mit alten Sachen abzugeben, die andere wegwerfen: „Die Geschichte meiner Heimat erhalten.“

Schilder
Alles original: Grenztruppen-Kfz-Kennzeichen, Ehrenteller für einen Major in Salzwedel, Sperrschild. © Benecke, Holger

Salzwedel/Pretzier - Gleiches treibt auch den Salzwedeler Maik Baumann an. Auch seine Sammlung umfasst Alltagsgegenstände aus Jahrhunderten aus der Region. Die beiden sind: die Salzwedel-Sammler. Am Wochenende haben sie sich ausgetauscht, verschiedene Themen koordiniert und an ihren Stücken gearbeitet.

Sie sammeln alles, was mit der alten Hansestadt und rundum – bei Nico Lesch logischerweise Pretzier – zu tun hat. Ab und an holen sie auch Salzwedel-Geschichte wieder zurück in die Jeetze-Stadt. Beide haben bei Internet-Auktionen schon zugeschlagen. „Aber mit Maß“, sagt Maik Baumann. Denn ihnen geht Schacherei mit historischen Stücken gegen den Strich. „Wir wollen keine Geschäfte machen“, sind sie sich einig. Und meist dreht es sich auch nur um einen bedruckten Eierbecher, ein Fotoalbum der 700-Jahr-Feier der alten Hansestadt oder eben um das ABV-Schild – also keine Gegenstände, mit der Reichtümer erworben werden können.

Schild
Na denn: Prost mit der Bergschloss-Brauerei. Ein Thema, an dem kein Salzwedel-Sammler vorbeikommt. © Benecke, Holger

Zum Glück stehen bei ihnen ihre Frauen hinter dem Hobby der Männer, atmen beide tief durch. Während Lesch noch ein anderes Schild herauskramt, nämlich das des Polizei-Gruppenpostens in Pretzier – und auch gleich noch die Chronik des Gruppenpostens dazulegt, holt Baumann schon mal die Volkspolizei-Uniform samt Helm und Schutzschild. Sie stellen Konvolute zu Themen zusammen, die ausgestellt werden sollen.

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Wurde von Vater Nico angesteckt: Paul Lesch (5) zeigt stolz ein Schild des Salzwedeler Betriebsschutzes. © Privat

Baumann hat es vor acht Jahren gepackt, als er einen NVA-Stahlhelm und eine DDR-Fahne geschenkt bekam. Bei Lesch ging es schon vor zwei Jahrzehnten los. Da stolperte er auf dem Fuchsberg über ein Koppelschloss der Roten Armee. Seitdem sammelt er auch alles, was mit dem Fuchsberg zu tun hat – vom Übungsgelände der Ulanen über den Fliegerhorst bis hin zu den Sowjetsoldaten, den Grenztruppen und der Hubschrauberstaffel.

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