Die „Post“ geht nur statistisch ab

In der Hansestadt Salzwedel sind zwei Prostitutionsstätten gemeldet

Prostituierte.
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Warten auf Kundschaft: In Salzwedel sind zwei Prostitutionsstätten gemeldet.
  • vonArno Zähringer
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Im sogenannten Rotlichtmilieu in Hansestadt und Kreis scheint es gesittet zuzugehen. Im Altmarkkreis haben im vergangenen Jahr 108 Prosituierte ihr Gewerbe angemeldet. Rekordverdächtig.

Salzwedel – Sind die Hansestadt Salzwedel und der Altmarkkreis Salzwedel auf dem Weg, ein Sündenpfuhl zu werden? 108 Frauen von insgesamt 171 in Sachsen-Anhalt haben sich 2020 als Prostituierte im Altmarkkreis registrieren lassen. Rekordverdächtig.

Doch Andreas Köhler, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, beruhigt: „Bordellartige Betriebe mit Gaststätte beziehungsweise Bar sind in unserem Zuständigkeitsbereich nicht angemeldet.“ Allerdings: Es liegen zwei Gewerbeanzeigen für Prostitutionsstätten im Zuständigkeitsbereich der Hansestadt Salzwedel vor. Weder seien dem Ordnungsamt Probleme mitgeteilt worden, noch seien solche den Mitarbeitern aufgefallen. Daraus folgt: Im sogenannten Rotlichtmilieu in Stadt und Kreis scheint es einigermaßen gesittet zuzugehen.

„Statistisch geht in der Altmark die Post ab“ titelte jüngst eine große Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben. Das Blatt will herausgefunden haben, dass sich 171 Frauen im vergangenen Jahr in Sachsen-Anhalt als Prostituierte hätten registrieren lassen. Fast zwei Drittel (108 Frauen) sollen im Altmarkkreis Salzwedel das wohl älteste Gewerbe der Welt angemeldet haben. Damit nehme der Kreis eine Spitzenstellung ein, denn auf den Plätzen zwei und drei folgten Halle (16) und der Saalekreis mit immerhin neun Anmeldungen.

Ein Eldorado und Geheimtipp sei die Altmark für Freier allerdings nicht. Grund: Bei der Registrierung kann ganz Deutschland als Arbeitsgebiet angegeben werden. Das bedeutet, dass sich die Sexarbeiterinnen und -arbeiter zwar im Kreis haben registrieren lassen, sie aber nicht auf das Gebiet beschränkt sind, in dem sie ihre Liebesdienste anbieten können.

Das bestätigt auch Inka Ludwig vom Presseteam des Altmarkkreises. „Die Voraussetzungen für die Anmeldung der Tätigkeit als Prostituierte oder Prostituierter sind im Prostitutionsschutzgesetz abschließend geregelt. Diese werden vollumfänglich abgeprüft. Termine werden zeitnah vergeben“, berichtet Ludwig auf Anfrage. In der Regel werde auch gleichzeitig sichergestellt, dass direkt vor dem Termin die erforderliche Gesundheitsberatung im hiesigen Gesundheitsamt vorgenommen wird.

Und warum liegt der Altmarkkreis in Sachen Anmeldungen ganz weit vorne? Ludwig erklärt den Ansturm mit Terminproblemen für Beratungen der Gesundheitsämter in den Landkreisen Uelzen und Dannenberg sowie weiterer angrenzender Landkreise. Auch die personellen Ausfälle bei anderen Landkreisen seien von anmeldenden Personen als Grund für die Registrierung im Altmarkkreis benannt worden.

Übrigens hat inzwischen der Berufsverband für erotische und sexuelle Dienstleistungen die Gleichbehandlung von Sexarbeit mit anderen körpernahen Dienstleistungen sowie die Öffnung von Prostitutionsstätten gefordert. Hygiene-Konzept sowie Test-Konzept lägen vor

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