Berühmtes Salzwedeler Haus ging für 352.000 Euro an einen Privatmann weg

Salzwedel: Die Hasenknopf-Villa ist versteigert

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Die Große Sankt-Ilsen-Straße 10, die ehemalige Hasenknopf-Villa, ist versteigert worden. Ein Privatmann hat die Immobilie für 352 000 Euro bekommen.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Die Große Sankt-Ilsen-Straße 10 ist verkauft. Das Grundstück kam während einer Auktion in Rostock unter den Hammer. Das Mindestgebot war mit 139.000 Euro angesetzt.

Letztendlich ging die Immobilie für 352.000 Euro weg. Der neue Eigentümer, ein Privatmann, möchte zunächst einmal anonym bleiben. Somit bleibt abzuwarten, was aus einem der schönsten Häuser in Salzwedel wird.

Salzwedel - „Die Villa ist ein in Salzwedel berühmtes Haus“, weiß Stadtarchivar Steffen Lan-gusch. Und zwar durch seine Bewohner. Das Haus war über 200 Jahre und fünf Generationen im Besitz der Familie Hasenknopf. Der Letzte der Familiendynastie, Carl Theodor Oscar Hasenknopf (1895 bis 1971), hatte sich in der alten Hansestadt als Arzt einen legendären Ruf erworben. Auch seine Vorfahren praktizierten als Ärzte.

Berühmte Persönlichkeiten

Im Detail weiß Salzwedels Stadtarchivar Bescheid. So hat Steffen Langusch herausgefunden: Der älteste Hasenknopf, Johann Franz Georg Hasenknopf (1690 / 1706 bis 1756), war ein Salzburger Emigrant, von Beruf Kunstdrechsler und Ebenist (von Ebenholz = Kunsttischler). Sein Sohn Hektor Gottlieb soll Chirurg und Kreisphysikus in Stendal gewesen sein, und sein Enkel Johann Gottlieb Friedrich war Kreisphysikus in Salzwedel, der erste Hasenknopf (und Arzt) in Salzwedel. Er könnte das heutige Haus Große St.-Ilsen-Straße 10 (damals St.-Ilsen-Straße 788) zwischen 1810 und 1820 erworben haben. Kreisphysikus Hasenknopf starb 1855 in Salzwedel. Sein Sohn Carl Wilhelm Oscar heiratete eine Tangermünderin und ließ sich 1869 als praktischer Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer in Salzwedel nieder.

Am 21. Juli 1871 verkauften die Erben des Kreisphysikus Dr. Hasenknopf einige Ackerstücke – interessanterweise „im Locale des Herrn Restaurateur Krause in der Altperverstraße“. Der Abgleich mit alten Adressbüchern erbrachte, dass sich dieses Lokal im Haus Nr. 378 an der Altperverstraße befunden haben dürfte. Damalige Besitzer waren C. Meyer und Ad. Magnus. Und wenn man dann noch ein wenig weitersucht, kommt heraus, dass das Haus Nr. 378 im Jahr 1878 die Nr. 12 erhielt und 1938 (als die Nummerierungsrichtung der Altperverstraße geändert wurde) die Nummer 23. Im Adressbuch von 1939/40 ist dort als Pächter des „Münchener Löwenbräu“ Fritz Rickmann genannt und heute ist das Haus als Soziokulturelles Zentrum „Hanseat“ bekannt. Kurz gesagt: Wenn das Haus nach der Corona-Pause wieder öffnet, könnte dort mit gutem Grund „150 Jahre Gastronomie“ gefeiert werden.

Zurück zu den Hasenknopfs: Der Enkel Oscar des Kreisphysikus war dann kein Arzt, sondern Apotheker, hatte wohl bis 1904 eine Apotheke in Tangermünde, heiratete eine Amalia Bertha Küntzel (aus der gleichnamigen Salzwedeler Brenner- und Brauerfamilie) und lebte nach dem Verkauf der Apotheke 32 Jahre im Ruhestand in Salzwedel.

Sein Sohn Carl Theodor Oscar war der letzte Arzt der Familie, praktizierte zunächst in Magdeburg und kam dann wohl erst nach den großen Bombenangriffen auf Magdeburg im Zweiten Weltkrieg nach Salzwedel. Dort wirkte er als Arzt bis zu seinem Tod am 16. Februar 1971. Gegenwärtig befinden sich in der Großen Sankt-Ilsen-Straße drei Läden mit über 100 Quadratmetern und sechs Wohnungen mit zusammen 525 Quadratmeter. Alle sind vermietet.

Das Haus stammt aus dem Jahr 1900 und wurde von 1996 bis 2005 Stück für Stück saniert. Zwei Wohnungen besitzen Balkone, eine eine Dachterrasse. Zu dem Grundstück gehören hinter einer Tordurchfahrt Pkw-Stellplätze, ein Nebengebäude und ein Grünbereich.

Das insgesamt 1390 Quadratmeter große Grundstück in sehr guter Salzwedeler Zentrumslage soll nach AZ-Informationen ein Mann in Übersee geerbt haben. Der hat es nun in Rostock versteigern lassen.

Bereits im Vorfeld großes Interesse

Bereits im Vorfeld der Versteigerung hatten zahlreiche Interessenten die Immobilie in Augenschein genommen. Immerhin ist hinter der schicken Fassade noch einiges zu tun. Über 60 Kaufinteressenten waren aus Thüringen, Oldenburg, Dannenberg und fast allen Teilen Deutschlands nach Salzwedel gepilgert, um die historische Hasenknopf-Villa persönlich zu begutachten.

Dazu kamen Anrufe aus dem süddeutschen Raum. Unter den Besuchern vor Ort sollen zudem zahlreiche ausländische Interessenten und ebenso Vermögensverwalter gewesen sein, erfuhr die AZ von Insidern.

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