Ein Besuch in Salzwedels einzigem Beate-Uhse-Laden, dem „Fachgeschäft für Ehehygiene“

„Die guten Zeiten sind vorbei“

Auch das gibts bei Beate Uhse: Reinhard Schwarzbach macht den Spaß mit, setzt sich den Kondom-Hut auf und bindet sich die Brust-Schürze um – beides aus der Abteilung „Gags + Scherze“. Foto: Meineke

Salzwedel. Mit gesenktem Kopf betritt ein Herr im grauen Anzug das „Fachgeschäft für Ehehygiene“. Unter diesem Titel ist der Beate-Uhse-Laden an der Altperverstraße beim Gewerbeamt angemeldet. Mit dem ältesten Gewerbe der Welt hat das allerdings nichts zu tun.

In Salzwedel zumindest nicht. Es sei denn, die Damen des horizontalen Gewerbes kaufen dort die Kondome.

Der grau-melierte Mann verschwindet hinter dem Ständer mit den Videos. „Die laufen ganz gut“, weiß Reinhard Schwarzbach. Der Sohn des Kalbenser Rentners betreibt den Beate-Uhse-Laden seit dem 1. Mai 1995, also fast auf den Tag genau seit 17 Jahren. Mit „Befähigungsnachweis“ übrigens, damit er die werte Kundschaft auch fachgerecht beraten kann. „Wir machen nichts Unrechtes und auch nichts Anrüchiges“, sagt er, Pornos und „Hilfsmittel“ für Sie und Ihn verkauft er „wie Äpfel und Birnen“.

Der Mann in Grau ist immer noch hinter dem Ständer verschwunden. Ein junges Pärchen betritt die Filiale, steuert zielgerichtet auf die „Hilfsmittel“ zu – und tuschelt. Ob Größe, Form oder Farbe strittig sind – man weiß es nicht. Auf jeden Fall scheinen die Zwei nicht zu jenen „Märchenerzählern“ zu gehören, von denen Schwarzbach berichtet. „Die kaufen natürlich für einen Freund ein oder suchen ein Geburtstagsgeschenk“, erklärt der Rentner augenzwinkernd. Und fügt hinzu: „Uns ist das völlig egal.“

Das Pärchen scheint nicht zur Spezies „Verklemmte“ oder „Rumdruckser“ zu gehören, es hat sich für ein „Hilfsmittel“ entschieden und lässt es sich in die neutral-schwarze Tüte einpacken. Diskretion, versteht sich. Schließlich will das Pärchen nicht gleich auf der Straße darauf angesprochen werden, was es denn Hübsches in der Beate-Uhse-Tüte hat.

„Früher“, so erzählt Schwarzbach, „ waren Brüste im Schaufenster anrüchig“. Heute stehen dort für jedermann und jedes Kind sichtbar Dildos und Vibratoren ganz nach Geschmack bzw. Gefühl. Man muss nicht 18 sein, um bei Beate Uhse fündig zu werden. Das „Kamasutra“ im Video gibts beispielsweise ab 16. Während sexy Dessous und „Hilfsmittel“ gut laufen, gehen Lack und Leder kaum. „Das liegt wohl an klein Salzwedel“, glaubt der Verkäufer. Im Regel gegenüber dem Fetisch-Bereich stehen Vibratoren für die Handtasche. Kauft das jemand? „Na klar“, sagt Schwarzbach. Aha.

Der unauffällige Herr möchte zahlen. Er hat ein Video gekauft und verschwindet wortlos mit der schwarzen Tüte.

„Die guten Zeiten sind vorbei“, weiß der Kalbenser, der Tage mit ein bis zwei, aber auch mit zehn bis 15 Kunden hat. Es sind sehr selbstbewusste Kunden, aber eben auch „Rumdruckser“. Oder ganz Unauffällige wie der Herr in Grau.

Von Ulrike Meineke

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