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Die grauen Helis fliegen weiter

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Von: Holger Benecke

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Hubschrauber
Ab ins Grüne Band: Im Herbst verzeichneten Naturschützer und Landwirte wieder vermehrte Einflüge. © Privat

„Regelmäßig lassen Helikopter-Tiefflüge der Bundeswehr die lokale Bevölkerung in der Altmark aufhorchen. Der Übung und Ausbildung für die deutsche Landesverteidigung auf der einen Seite steht Lärmbelästigung auf der anderen Seite gegenüber. Das Ziel ist es, die Belastung möglichst gering zu halten. Dabei unterliegen die Tiefflüge gesetzlichen Grenzen.“ Die Bundeswehr, in persona die Division Schnelle Kräfte, hat sich erstmals in einer Pressemitteilung zu den jahrelangen Klagen altmärkischer Umweltschützer und Landwirte über die Kriegsspiele am Grünen Band geäußert.

Salzwedel - Letztere hatten erst im Herbst wieder ein erhöhtes Aufkommen tieffliegender Hubschrauber am Naturmonument beobachtet. Bereits 2016 habe die Bundesregierung den Auftrag an die Bundeswehr „wieder stärker auf Landesverteidigung“ konkretisiert.

Rückbesinnung auf Heimatverteidigung

„Die Rückbesinnung von der ,Armee im Einsatz‘ hin zur Landes- und Bündnisverteidigung bedeutet eine Zunahme großer nationaler und internationaler Übungen in Deutschland“, nennt die Pressemitteilung Hintergründe. Und beantwortet die Frage, warum nicht auf den drei großen Truppenübungsplätzen in der Nähe geübt werden: „Ebenso sind die Truppenübungsplätze der Bundeswehr, welche auf Bodenübungen ausgelegt sind, zu klein, um die raumgreifenden Flugübungen eines Hubschraubers durchzuführen.“

Die raumgreifende Breite des schmalen Grünen Bandes mit der Colbitz-Letzlinger Heide gleichzustellen, verschlägt Landwirt Julius Kurzweg und der Naturschützer Olaf Olejnik die Sprache. Beide versuchen seit Jahren, mit der Bundeswehr auf einen Nenner zu kommen. Die ersten Anrufe bei den Heeresfliegern in Faßberg, so erinnert sich Kurzweg, endete gewissermaßen mit den Worten „Befehl ist Befehl“.

Hubschrauber
Heimatverteidigung: Die Bundeswehr will weiter Tiefflüge am Grünen Band in der Altmark üben. © Bundeswehr / Carl Schulze

Ein Anruf der Bundeswehr bei ihm vor einiger Zeit, habe ebenfalls nichts zu einer gemeinsamen Lösung beigetragen. Er habe viele, aber nicht zielführende Worte zu hören bekommen, ärgert sich der Herdenmanager der Agrarerzeugergemeinschaft Pretzier.

Gegenwärtigen Versuchen, das Grüne Band zum Weltkulturerbe zu erheben, scheint die Bundeswehr ebenso wenig zu interessieren. In der Pressemitteilung heißt es: „Darüber hinaus unterliegen auch die Übungsplätze der Bundeswehr denselben Einschränkungen zum Umwelt- und Naturschutz wie auch außerhalb der Übungsplätze.“

Naturschützer pochen weiter auf Absprachen

Und weiter heißt es: „Überfliegt die Besatzung ein Waldstück, hinter dem beispielsweise eine Pferdekoppel liegt, kann sie diese erst sehr spät oder gar nicht als solche erkennen. Ein Ausweichen ist dann nicht mehr möglich oder führt sogar dazu, dass andere Bereiche direkt überflogen werden, was von Beobachtern am Boden dann wiederum als aktives Ansteuern wahrgenommen werden kann. Die Piloten versuchen stets, solche Situationen zu vermeiden.“ Genau das ist es, was Herdenmanager Kurzweg und Naturschützer Olejnik von der Bundeswehr wollen: gemeinsame Absprachen. Das Duo kennt das Grüne Band im Raum Salzwedel aus dem Effeff. Absprachen, wann wo geflogen werden könnte und wann lieber nicht, welche Abschnitte wann zu meiden sind usw. – das ist es, was das Duo erreichen will. Doch das ist bislang auf taube Ohren bei den Militärs gestoßen. Denn die Quintessenz der Pressemitteilung der Division Schnelle Kräfte ist: Wir machen so weiter wie bisher. Kurzweg und Olejnik aber auch.

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