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Hotels und Gaststätten in Salzwedel haben nicht nur mit steigenden Kosten zu kämpfen

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Von: Christian Reuter

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Ohne Energie kann man nicht kochen. Die Hotel- und Gaststättenbranche hat aber nicht nur mit den steigenden Energiekosten zu kämpfen, sondern leidet auch zunehmend unter dem Fachkräftemangel. © DPA

Fehlende Fachkräfte und nun noch steigende Energie- und Warenkosten – die Gastronomiebranche erlebt auch in Salzwedel unruhige Zeiten. Manche Inhaber von Restaurants haben die Suche nach Personal bereits aufgegeben. 

Salzwedel – In nahezu allen Bereichen steigen die Kosten. Wirkt sich das inzwischen auch schon auf die Hotel- und Gaststättenbranche aus, weil die Menschen nun weniger essen gehen, um Geld zu sparen? Und wie macht sich der Fachkräftemangel in Hotels und Gaststätten bemerkbar? Die AZ fragte dazu in Salzwedel nach.

„Ich beobachte seit etwa zwei Monaten einen Umsatzrückgang von 30 Prozent im Restaurantbereich. Das ist heftig“, sagt Wolfgang Spiewack, Geschäftsführer des Hotels „Union“. Und auch bei den Hotelgästen gebe es eine Veränderung. „Der Anteil an privaten Reisen ist deutlich zurückgegangen. Unsere Gäste sind in erster Linie Wirtschaftsreisende.“

„Energieaufwendiges Unternehmen“

Zum Umsatzrückgang kämen die hohen Kostensteigerungen bei den Waren, der Logistik, der Energie, aber auch beim Personal. „Wir sind ein energieaufwendiges Unternehmen“, erklärt Spiewack. Und bei den Personalkosten habe es infolge der Anhebung des Mindestlohnes innerhalb eines Jahres einen Anstieg von mehr als 20 Prozent gegeben.

Trotzdem sei es sehr schwierig, neue Fachkräfte zu bekommen. „Das ist katastrophal“, beschreibt der Hotelleiter das Dilemma. Die Gehaltsvorstellungen seien völlig unrealistisch. Manche würden ein Anfangsgehalt von 3500 Euro brutto erwarten, aber gleichzeitig bestehe kein Interesse an Schicht- und Wochenendarbeit, die in der Hotel- und Gaststättenbranche nun mal einfach dazu gehören.

Die Folgen für das Hotel „Union“? „Wir haben auch unbesetzte Stellen. Wir versuchen, uns mit ungelernten Kräften durchzuschlagen“, berichtet Spiewack. Vom Staat erwarte er keine größere Unterstützung für Gastronomiebetriebe. Der Staat habe sich wohl bei den Corona-Hilfen übernommen, diese seien teilweise zu hoch gewesen. Denn es seien den Firmen 80 Prozent vom Umsatz erstattet worden, nicht 80 Prozent des Gewinns, was vernünftiger gewesen wäre, so der Leiter des Hotels.

Den Fachkräftemangel kann auch Annette Wnuck von Lipinski, Inhaberin des Hotels „Siebeneichen“, bestätigen: „Wir haben drei Arbeitskräfte verloren, zwei Köche und eine Auszubildende zur Hotelfachfrau. Und den Verlust konnten wir nicht ausgleichen.“

Die Mitarbeiter seien aber nicht wegen der Corona-Pandemie gegangen, sondern aus privaten Gründen. Neue Fachkräfte suche sie nun nicht mehr, das habe sie aufgegeben. „Leute, die ich eingestellt hatte, wollten mehr nehmen als geben“, nennt Wnuck von Lipinski den Grund dafür.

Seit einem Jahr zwei Ruhetage

Der Fachkräftemangel hat auch Auswirkungen auf ihren Betrieb, die Öffnungszeiten seien reduziert worden. „Seit August 2021 haben wir zwei Ruhetage, Mittwoch und Donnerstag. Wir sind jetzt 30 Jahre am Start, das hatten wir noch nie“, führt die Hotel-Inhaberin aus. Die paar Mitarbeiter, die sie noch habe, wolle sie auch halten. Sie setze ihre Leute auch ganz bewusst nur an Tagen ein, an denen es Umsatz gebe, also bei Feiern.

Apropos Feiern. Ab Oktober werde im Hotel „Sieben-eichen“ nur noch für Feiern und für den Lieferservice gekocht, aber nicht mehr à la carte für das Restaurant im Hotel. Besucher, die à la carte essen, aber nicht im Hotel wohnen, habe sie bisher sowieso nicht so viele gehabt, daher habe sie dabei noch keine Veränderungen feststellen können; bei den Hotelgästen ebenso nicht.

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