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Salzwedeler Bürgermeisterkandidaten stellen sich den Fragen der Bürger 

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Von: Lydia Zahn

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Die Bürgermeisterkandidaten (v.l.) Marco Heide (Die Linke), Nils Krümmel (Freie Wähler), Olaf Meining (parteilos, SPD), Andi Scotland (AfD) und Hendrik Stiller (CDU) stellten sich am Dienstag den Fragen der Bürger. © Zahn, Lydia

Rund dreieinhalb Stunden dauerte die Fragerunde mit den fünf Salzwedeler Bürgermeisterkandidaten am Dienstag im Kulturhaus. Die Themen reichten von der Vision als Amtsinhaber bis zum Umgang mit dem Ladenleerstand.

Salzwedel – Während der gut dreieinhalbstündigen Vorstellungsrunde, zu der fast 400 Zuschauer gekommen waren, beantworteten am Dienstag die fünf Bewerber für das Amt des Stadtoberhaupts die Fragen der Bürger.

Zunächst stellte die amtierende Bürgermeisterin Sabine Blümel im Kulturhaus die einzelnen Kandidaten Marco Heide (Die Linke), Nils Krümmel (Freie Wähler), Olaf Meining (parteilos, SPD), Andi Scotland (AfD) und Hendrik Stiller (CDU) vor. Dann leitete Matthias Holz, städtischer Hauptamtsleiter, die Fragerunde ein.

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Der Offene Kanal Salzwedel übertrug die Fragerunde live im Fernsehen, auf der eigenen Internetseite sowie in der App Medienportal Sachsen-Anhalt. © Screenshot: App

Zur Erklärung: Die Zwischenüberschriften im Text beziehen sich auf die gestellten Fragen, anschließend folgen die Antworten der Kandidaten.

A 14 und B 190n

Heide sieht relativ geringe positive Auswirkungen für Salzwedel. Zudem betont er, dass es noch Jahre dauere, bis die beiden Straßen überhaupt fertig sind und die Stadt mehr von der Amerika-Linie (Bahnlinie Stendal-Uelzen) profitiere.

Krümmel findet, dass die Region so etwas braucht und begrüßt den Bau. Auch wenn sich dieser noch hinziehe und Salzwedel nicht direkt davon betroffen sein werde.

Meining sieht vor allem die B 190n als wichtig an, da diese fehlende Autobahnanbindungen ausgleichen würde. Ebenso wichtig sei aber auch der Bahnverkehr.

Scotland spricht von Fluch als auch Segen. Er verweist auf Kosten sowie mögliche Anbindungen und Chancen für Salzwedel.

Stiller begrüßt den Bau ebenfalls und freut sich, dass „wir ein Stückchen vom Kuchen abgekommen können“.

Klima und Umwelt

Heide ist für mehr Anpflanzungen durch die Stadt. Am besten in Zusammenarbeit mit Experten, die sagen können, welche Pflanzenarten gut für die hiesige Flora und Fauna sind. Er ist außerdem dafür, weitere Fahrradwege anzulegen, den ÖPNV zu verbessern und für erneuerbare Energien zu werben.

Krümmel meint, dass die Entsiegelung von Flächen nötig ist. Und weil Grünflächen in der Innenstadt schwierig seien, ist er für Ersatzmaßnahmen außerhalb des Stadtkerns.

Meining legt großen Wert auf Früherziehung beim Nachwuchs in Sachen Umweltbewusstsein. Zudem seien künstliche Wasserläufe und die Entsiegelung von Flächen Möglichkeiten.

Scotland will Gespräche für mögliche Fahrverbote in der Innenstadt anregen.

Stiller favorisiert Photovoltaik-Anlagen sowie die Zusammenarbeit mit Naturschutzvereinen.

Vision als Amtsinhaber in einem Satz gesagt

Heide: Dass Salzwedel eine Stadt ist, die von jedermann gerne mitgestaltet wird.

Krümmel: Mehr Transparenz, Vertrauen und ein gesundes Betriebsklima, auch in der Verwaltung.

Meining: Eine saubere Stadt mit Wohlfühlatmosphäre für alle.

Scotland: Als Gemeinschaft alles schaffen.

Stiller: „Dass Sie am Ende sagen, da stand nicht nur Neustart drauf (Wahlplakate), da war auch Neustart drin.“

Fachkräftemangel

Heide denkt, eine Möglichkeit, das Ganze anzugehen, wären Stipendien. Ein weiterer Ansatz: Unterstützung bei Grundstücks-, Kitaplatzsuche und Ähnlichem.

Krümmel betont, dass das ein deutschlandweites Problem sei, egal ob Ärzte oder Lehrer. Er schlägt Stipendien vor – etwa wie in Gardelegen der „Gardelehrer“ – um Leute langfristig an Salzwedel zu binden.

Meining tendiert zu den Ansätzen von Heide und Stiller. Allerdings ist er gegen Stipendien. „Wo soll das enden? Wer soll das bezahlen?“, fragt er sich.

Scotland spricht sich ebenfalls für Stipendien aus und dafür, dass die Gemeinde mehr belebt werden müsste, um potenzielle Fachkräfte halten zu können.

Stiller findet, dass Bund, Land und Kreis gemeinsam gefordert sind. Außerdem bringt er Medizinische Versorgungszentren ins Spiel und die Wichtigkeit, Salzwedel nach außen hin gut darzustellen.

Leerstand bekämpfen

Heide nennt zwei Punkte. Erstens: Existenzgründer besser zu unterstützen, zum Beispiel durch temporäre Pop-up-Stores. Das heißt, dass Selbstständige für ein bis zwei Monate eine Ladenfläche mieten können, um erst einmal zu schauen, wie es läuft. Zweitens: für Salzwedel und lokale Händler zu werben, vor allem im Internet.

Krümmel würde versuchen, den Weihnachtsmarkt in die Burgstraße zu verlegen und die leeren Flächen anstelle von Buden zu vermieten. Vielleicht wolle danach ein Händler bleiben.

Meining würde versuchen, die Ladenmiete zu senken. Eine Idee sei es, diese zu staffeln, weil wirkliche Gewinne erst nach einer längeren Zeit eingefahren würden. Außerdem würde er Händlerzusammenschlüsse ausbauen wollen, wie es bei der „Hansenbande“ der Fall ist. Die Neuperverstraße könne zeitweise, etwa übers Wochenende, für den Kraftverkehr gesperrt werden.

Scotland gefällt Heides Idee überhaupt nicht. So würden alle paar Wochen neue Geschäfte aus dem Boden sprießen, die vielleicht nicht einmal lange bleiben. Lieber solle die Repräsentanz erhöht, Ladenflächen attraktiver gemacht und nach Unterstützung durch Land und Bund geschaut werden.

Stiller wirft ebenfalls Werbung über die sozialen Medien in die Runde und wirbt für die Plattform „Luxus der Leere“. Mit einem „Ansiedlungslotsen“ im Rathaus und einem Leerstandskataster könnten Interessenten besser beraten werden.

Finanzielle Lage und Beziehung zu Dörfern

Heide will, dass die Ortschaftsräte stärker gehört werden, die Dörfer mehr Möglichkeiten bekommen und finanziell besser aufgestellt sein sollten, etwa durch die EEG-Umlage (wir berichteten). Zudem sollten kleine Verwaltungsdienstleistungen in den Orten durch eine mobile Verwaltung, die zu den Dorfgemeinschaftshäusern fährt, angeboten werden. Ein weiterer Punkt von Heide: das Kulturangebot und Veranstaltungen der Stadt auf die Dörfer ausbreiten.

Krümmel würde das Ortsbudget erhöhen wollen.

Meining meint, man müsse sehen, ob das Budget aufgestockt werden kann. Er betont, dass der Stadtrat nicht nur für die Kernstadt, sondern auch für die Ortsteile entscheide und helfe.

Scotland ist dafür, mehr mit den Ortsbürgermeistern zu sprechen.

Stiller findet, Stadt und Dorf sollten mehr miteinander kommunizieren. Und dass sich die Verwaltung schneller zurückmelden solle.

Barrierefreiheit

Heide spricht sich dafür aus, eine Stelle für einen Barrierefreiheit-Verantwortlichen zu schaffen.

Krümmel wolle sehen, wie viel Geld dafür da ist.

Meining wendet ein, dass bei neuen Baustellen sowieso auf Barrierefreiheit geachtet werde. Bei alten Straßen sei das nicht einfach umzusetzen und teuer. Deshalb müsse punktuell geschaut werden, was wo gemacht werden kann.

Scotland stimmt zu, dass Barrierefreiheit an vielen Stellen in der Stadt nicht gegeben sei. Er würde Kontakt mit Experten aufnehmen und schauen, was gemacht werden kann.

Stiller würde einen Seniorenbeirat miteinbeziehen wollen.

Die Jugend

Heide sieht Langeweile als Ursache für das Herumlungern der Jugend. Deshalb würde er sie motivieren und ihnen Verantwortung übertragen wollen.

Krümmel wünscht sich einen Ort, an dem sich die jungen Leute treffen können.

Meining sieht in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit der Vereine. Ein Jugendstadtrat oder -beirat könnte wieder etabliert werden.

Scotland spricht eine „City-Streife“ an, die durch einen privaten Sicherheitsdienst ausgeführt werden könnte, um die Jugend am Herumlungern und Blödsinnbauen zu hindern.

Stiller sieht ebenfalls die Vereinstätigkeit als wichtigen Bestandteil. Sogenannte Streetwatcher könnten außerdem eine Unterstützung sein und durch einen Verein Jugendlichen einen Ansprechpartner bieten.

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