Klimawandel regional: Toralf Staud legt viel beachtetes Sachbuch vor

Die Altmark wird zur Steppe

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Bestseller-Autor Toralf Staud aus Salzwedel analysiert den Klimawandel und seine Auswirkungen regional.
  • Holger Benecke
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Er hat sich bereits als junger Pennäler für den Umweltschutz in seiner Heimatstadt Salzwedel engagiert – ist schon zu DDR-Zeiten, als Umweltschützer misstrauisch von der Staatsmacht beäugt worden. Der Journalist und Autor Toralf Staud hat sich mit seinen neusten Buch „Deutschland 2050 – Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird“ (Co-Autor Nick Reimer) in dieser Woche auf Platz 3 der Spiegel-Bestsellerliste katapultiert.

Salzwedel - Noch ein Buch über den Klimawandel? Mitnichten. Stauds Buch konzentriert sich weniger auf weltweite Veränderungen. Der Autor geht ganz tief ins Regionale, natürlich auch in seine Heimat Altmark. Dass die Eisbären sterben, ruft Bedauern hervor, aber dass die eigene Umgebung zur Steppe wird, dann doch Entsetzen“, schildert Staud. Und kommt damit auf den Punkt, was sein Werk von den üblichen Klimawandel-Büchern unterscheidet.

Brillante Analyse verständlich geschrieben

Zweieinhalb Jahre Recherche und Analyse zeichnen ein düsteres Bild für das Jahr 2050 – wenn alles so weiter läuft wie bisher und nicht gegengesteuert wird. „So kühl wie möglich, so nüchtern wie möglich, so wissenschaftlich wie möglich – aber so konkret wie möglich“, nennt der Autor seinen Ansatz. Und das ist ihm hervorragend gelungen, wie die Nachfrage nach seinem Buch zeigt. Von dem erst in diesem Jahr erschienenen Werk wird gegenwärtig die fünfte Auflage gedruckt.

Überschaubaren Zeitraum im Blick

Auch wenn das Duo Staud /Reimer zahlreiche Wissenschaftler, Klimaforscher, Wetterexperten, Landwirte, Forstleute, ja sogar Pflegedienste befragt hat und wissenschaftliche Analysen zuhauf studiert und ausgewertet hat, so ist das Buch allgemeinverständlich geschrieben und kommt ohne hochtrabendes Expertendeutsch aus. Neben der brillanten Analyse kommt hinzu, dass ein überschaubarer Zeitraum betrachtet wird: „2050? Mensch, das ist ja nicht mehr so lange hin?“

Dürre und Überschwemmung

„Der Klimawandel wird Deutschland bis dahin drastisch verändern, wenn alles so weitergeht“, kann der 49-jährige Vater zweier Töchter an Hand von Fakten belegen, der mit „Deutschland 2050“ sein siebtes Sachbuch vorlegt.

„Es wird auch 2050 Wasser übers Jahr genug geben. Aber es fehlt im Sommer“, hat Staud nach Auswertung von Modellen des Deutschen Wetterdienstes herausgefunden. „Zwei Wochen lang Dürre wie in den Sommern 2018 und 2019, dann Sturzbäche wie unlängst im Ahrtal und dann wieder Dürre“, schildert der Autor die Zukunft. Und wird konkret: „In der Altmark wird es wie in einer Steppe werden.“ Es werde heißer, um die zwei Grad, dadurch werde auch mehr Wasser verdunsten. Ein milder Landregen über Tage sei dann ebenfalls Geschichte, stattdessen bestimmten sturzbachartige Niederschläge, die alles auf dem ausgetrockneten Boden hinwegschwemmen, das Bild, hat Staud herausgefunden.

Verzögerte Wirkung: Das glüht noch nach

„Das Klima ist wie eine alte Gussherdplatte. Wenn du sie aufdrehst, wird sie erst nach einiger Zeit heiß. Und wenn du sie abschaltest, bleibt sie noch eine ganze Weile heiß.“ Toralf Staud plädiert für ein schnelles Gegensteuern. Denn bei Sommern mit über 40 Grad Celsius, was ab 2050 in sechs von zehn Jahren der Fall sein soll, werde es bei körperlicher Anstrengung lebensgefährlich, mahnt Staud.

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