Ein Kommentar von Redakteurin Ann-Cathrin Brey

Ein Deutschtest für Kinder?

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(Symbolbild)

Der CDU-Politiker Carsten Linnemann hat gerade eine große Debatte ausgelöst. Er ist der Meinung, Kinder, die kaum oder kein Wort Deutsch sprechen können, hätten in der ersten Klasse einer Grundschule noch nichts zu suchen.

Jetzt werden ihm riesige Polemik und „Fischen am rechten Rand“ vorgeworfen.

Aber hat bei diesem ganzen Hickhack auch mal einer die Grundschullehrer in der Debatte hinzugezogen? Nein, im Moment bekriegen sich mal wieder nur konservativ und links.

Dabei unterstützt der deutsche Lehrerverband den Vorstoß Linnemanns, Kinder mit Sprachdefiziten in Vorschulklassen vorzubereiten. Denn natürlich ist es unfassbar anstrengend, wenn Lehrer eine Klasse unterrichten müssen, in der die deutsche Sprache als Zweit- oder sogar Fremdsprache empfunden wird.

Und ja, das kommt nun mal in einigen Bezirken deutscher Großstädte vor. Zuweilen wird zwar vor der Einschulung in den Kitas der Sprachstand der Kinder getestet, damit gegebenenfalls im letzten Jahr noch einmal gezielte Sprachförderungsmaßnahmen vorgenommen werden können, aber das gilt nur für Kinder, die auch in die Kita gehen.

Da es aber keine Kita- oder Vorschulpflicht gibt, wachsen manche Kinder von Immigranten aufgrund mangelnder Integration und, das darf man auch nicht verschweigen, auch aus mangelndem Integrationswillen der Eltern in einem nahezu isolierten, vielleicht sogar ghettoisierten Kreis auf. Das hört sich übel an und das ist es auch, denn ohne Kita oder Vorschule haben sie in frühen Jahren keinen Kontakt zu anderen Kulturen und vor allem auch nicht die Notwendigkeit, die deutsche Sprache zu lernen.

Dann kommen sie eines Tages in die Grundschule, verstehen kein Wort und die Lehrer müssen sich dann an dem „schwächsten Glied“ orientieren. Das verlangsamt nicht nur den Unterricht und macht den Rahmenplan unmöglich. Zudem werden auch andere Schüler, die schneller und mehr lernen wollen, in ihrem Eifer gebremst. Man kann auch nicht für jeden Schüler einen Helfer bereitstellen. Das lassen schon allein die Mittel nicht zu, geschweige denn das Personalaufkommen.

Es gibt so viele verschiedene Klassenmodelle wie Flex- oder auch Inklusionsklassen. Warum kann dann nicht in der Vorschule eine Klasse eingerichtet werden, in der Kinder sitzen, die in einem Deutschtest für Kinder durchgefallen sind? In den Vorschulklassen würden sie dann gemeinsam die deutsche Sprache kennenlernen und in einem langsameren Tempo auch erlernen, bis sie aktiv am Unterricht der Grundschule teilnehmen können. Auch die Philologenverbandschefin wünscht sich so eine „nullte Klasse“.

Was aufregt, ist, dass einige linke Parteien das als rechte Meinung abstempeln. Aber das ist nicht die Realität der Diskussion. Die Realität befindet sich in den Schulen und eben nicht nur im Rahmen eines politischen Programms. 

VON ANN-CATHRIN BREY

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