Wende, Klima – Klimawende

„Deutschland 2050“: Schonungslose Lesung mit Toralf Staud im Salzwedeler Kunsthaus

Toralf Staud liest in der Aula des Salzwedeler Kunsthauses aus seinem neuen Buch.
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Toralf Staud las am Sonnabend in der Aula des Salzwedeler Kunsthauses aus seinem neuen Buch.
  • Jens Heymann
    VonJens Heymann
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Auf 380 Seiten beschreibt Autor Toralf Staud ein düsteres Klimabild von Deutschland im Jahr 2050. Teile seines neuen Buches las der 49-Jährige am Sonnabend im Salzwedeler Kunsthaus vor. Die Veranstaltung war gut besucht.

Salzwedel – Vielleicht erlebt Klima-Autor Toralf Staud ja gerade ein Déjà-vu: Schon vor 30 Jahren, zum Ende der DDR, setzte er sich in Salzwedel vehement für Ökologie ein. (Als Zeichen wilder Wende-Zeiten überreichte die AZ vor der Veranstaltung einen Original-Aufkleber des Neuen Forums.) Nun, im Jahr 2021, blickt er erschrocken auf Deutschland 2050, so auch der Titel seines neuen Buches (mit Co-Autor Nick Reimer). Vielleicht wähnt sich der 49-Jährige aber auch in einer intensiver werdenden Dauerschleife, denn der prognostizierte Klimawandel hat in den vergangenen Jahren mächtig an Diskussionsfahrt aufgenommen.

Entsprechend kompromisslos ging es inhaltlich während seiner Lesung am Sonnabend in der Aula des Salzwedeler Kunsthauses zu. Deutschland werde in 30 Jahren ein heißes Land sein, sagte Staud. Zum Inhalt des 380-Seiten-Werks und Spiegel-Bestsellers ist in vergangenen Ausgaben der AZ viel geschrieben worden, was auch der Autor betonte. Daher in Kürze: steigende Temperaturen, sinkende Wasserpegel (außer bei Meeren), weniger Schneetage. Der Autor las aus seinem Buch und zeichnete ein düsteres Bild für die Welt und die Altmark. Ob gewollter Effekt oder nicht aufgrund all dieser drohenden ökologischen Finsternis – das Licht in der Kunsthaus-Aula wurde erst spät in der Veranstaltung angemacht.

Das Interesse an der Lesung war groß. Moderator Martin Schulz suchte noch kurz vor Beginn nach weiteren Stühlen. Das Publikum hatte der Autor ganz auf seiner Seite. Schade nur, dass manche die nachfolgende Diskussion weniger für gezielte Fragen, sondern mehr für ungenierte parteipolitische Werbung nutzten. Da musste auch Martin Schulz mindestens einmal erklärende Worte zur Person hinterherschicken.

Doch was wollten die Gäste wissen? Zum einen, wann die Gesellschaft den Klimawandel endlich als Gefahr wahrnehme. Toralf Staud sah psychologische Mechanismen (und Lobbyarbeit) als Ursachen für fehlendes Verantwortungsgefühl. Mit dem Resultat, dass jeder nur auf seinen Nachbarn schaue und den Problemen ausweiche.

Ein anderer Gast fragte nach, ob die heutige Klimapolitik ausreiche. Das tue sie nicht, erwiderte Staud. Nicht einmal das Wahlprogramm der Grünen genüge, um noch das erträglichste Szenario in puncto Erderwärmung zu erreichen. Es fehlten klare politische Vorgaben; die nächste Bundesregierung sei bereits die letzte, die eine Wende, dieses Mal aufs Klima bezogen, schaffen könne. Ein ehemaliger Pastor, ebenfalls Besucher der Lesung, beschrieb den Klimawandel aus eigener Erfahrung: Je tiefer Gräber ausgehoben werden, desto trockener wird es unten.

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