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Der Tod als ein Teil des Lebens

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Von: Arno Zähringer

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Frauengruppe
Helga Nelke, Ruth Weiß und Vorstandsmitglied Anja Meyer (v. l.) fungieren beim Hospizverein Salzwedel als ehrenamtliche Sterbebegleiterinnen. © Zähringer, Arno

Vom Tag der Geburt an lebt der Mensch in Angst vor dem Tod. Hinzu kommen die Sorgen wegen Krankheit und Leid. Allesamt Themen, mit denen sich Menschen meist nicht gerne auseinandersetzen.

Salzwedel – Sind sie doch auch oft mit einem gewissen Grad von Hilflosigkeit verbunden, wenn zum Beispiel klar ist, dass das Ende naht. Sei es das des Partners, der Partnerin, eines guten Freundes oder einer Freundin, eines Familienmitglieds.

Doch nicht nur diejenigen, die mit ihrem Schmerz und ihrer Trauer zurückbleiben und damit so gut es eben geht umgehen müssen, stehen im Fokus des Hospizvereins Salzwedel. Denn diejenigen, die wissen, dass ihre Zeit bald abläuft, benötigen ebenso Zuspruch, Unterstützung, Zuwendung.

Und das bieten die Sterbebegleiter des Hospizvereins Salzwedel. Sie sind vor Ort in schwierigen Tagen, geben psychosoziale Hilfen, die Familien stärken, damit Sterben zuhause möglich wird. Von den 16 ausgebildeten, ehrenamtlichen Sterbegleitern sind allerdings nur drei männlichen Geschlechts. „Es könnten durchaus ein paar mehr sein“, erklären Vorstandsmitglied Anja Meyer sowie Helga Nelke und Ruth Weiß im Gespräch mit der Altmark-Zeitung.

Die Sterbebegleiter möchten Mut machen, Sterben und Tod als Teil des Lebens anzusehen. Sie unterstützen und begleiten Menschen in deren letzter Lebensphase, trösten, betreuen sie rücksichtsvoll und stehen Angehörigen in der Trauerphase bei. Mit Rat, Tat und als Gesprächspartner.

Sie wissen oft nicht, was sie erwartet, aber es sei enorm wichtig, Lebensqualität auch für den Rest des Lebens den Menschen zu vermitteln. Und: Die Prinzipien der Sterbebegleitung wurden von der Hospizbewegung formuliert. Demnach versteht sich Sterbebegleitung in erster Linie als Lebenshilfe.

Das zeigt aber auch: Sterbebegleitung erwächst aus dem sozialen Miteinander. Sterbebegleiter müssen deshalb gute Zuhörer sein, empathisch und auch Stille aushalten können. „Wir nehmen uns Zeit, wollen einfach für die betroffenen Menschen da sein, vor allem im häuslichen Bereich“, macht Anja Meyer deutlich.

Und das hat auch seinen Grund, denn die nächsten Hospize gibt es in Stendal und Uelzen. Auch in Quedlinburg, Magdeburg, Dessau und Halle sind derartige Einrichtungen vorhanden. Vor zehn Jahren habe der Salzwedeler Verein mal an die Schaffung stationärer Betten gedacht. „Doch die Bevölkerungsdichte hat eine Umsetzung nicht hergegeben“, berichtet Helga Nelke.

Der Verein ist gut vernetzt mit Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, Ärzten. Und er hat eine Kooperation mit dem Hospizverein Lüchow-Dannenberg. Über den bieten die Salzwedeler beispielsweise Vorbereitungskurse für ambulante Sterbebegleitung an. Der Kurs für die Ehrenamtlichen umfasst rund 80 Stunden und schließt mit einem Praktikum ab. Die rund dreistündigen Kurseinheiten finden montags jeweils von 18 bis 21 Uhr statt.

Der nächste Kurs soll am Montag, 13. Juni, starten. Seminarleiterin ist Hannah Köppen (Koordinatorin, soziale Fachkraft für Palliativ Care und zertifizierte Trainerin für Hospizhelfer) mit jahrelanger Erfahrung in der Hospizarbeit. Palliativ Care umfasst übrigens alle Bereiche der Versorgung und Begleitung unheilbar Schwerkranker und Sterbender. Interessenten für den Kurs können sich an den Hospizverein in Salzwedel wenden.

Ins Leben gerufen wurde der Hospizverein der Hansestadt am 4. Februar 2003. Bis dahin hatte es vor Ort eine Hospizgruppe gegeben, die engagierte Menschen in und an der Hospizbewegung an jenem Wintertag in einen eingetragenen Verein umwandelten. Im kommenden Jahr feiert der Verein sein 20. Bestehen. Inzwischen hat er 56 Mitglieder. Er finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden.

Was immer die Gründe dafür sein mögen – Menschen, die Hilfe suchen in der letzten Phase ihres Lebens ebenso wie deren Angehörige, können in die Sprechstunde des Hospizvereins kommen, die übrigens jeden Donnerstag in der Zeit von 15 bis 18 Uhr im Ärztehaus, Karl-Marx-Straße 30 in Salzwedel, angeboten wird. Oder sich unter Tel. (03 901) 30 61 727 melden.

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