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Die Altmark-Gastronomie atmet auf

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Von: Holger Benecke

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Burghard Bannier, Angehöriger des Präsidiums der Dehoga, ist ein ganzer Felsen vom Gastronomen-Herz gefallen, als Sachsen-Anhalt aus der 2G-Plus-Regel ausgeschert ist: „Gott sei Dank.“ © AZ-Archiv

Omikron verdrängt Delta. Der gestrige Corona-Gipfel bei dem 2G Plus für den Zutritt zur Gastronomie beschlossen bundesweite beschlossen wurde, ist für das gebeutelte Gewerbe katastrophal. Doch dann die gute Nachricht für die Gastronomen: Sachsen-Anhalt schert als einziges Bundesland aus. Das Land bleibt bei den derzeitigen Pandemie-Regeln. Es gilt weiterhin 2G. Heißt: Geimpfte und Genesene brauchen keine zusätzlichen Tests. Im Gegensatz zum übrigen Bundesgebiet, wo nur noch Geimpfte und Genesene mit einem tagesaktuellen Test Zutritt bekommen. Ausnahme sind dabei die Geboosterten, die den Nachweis einer Auffrischungsimpfung vorlegen müssen. 

Salzwedel - „Gott sei Dank“, fällt Burghard Bannier ein Felsen vom Herz. Er gehört zum Präsidium des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Sachsen-Anhalt und ist Inhaber des Flair-Hotels „Deutsches Haus“ in Arendsee. Nach den ersten Meldungen gestern – bundesweit 2G Plus sagte er: „Es eine Katastrophe. Der Hahn wird noch ein Stück weiter zugedreht.“

Die Sorge um 26 Familien

Dabei hat der Gastronom schon weitaus mehr gemacht, als eigentlich gefordert wurde, hat an seinem Hotel sogar ein eigenes Testzentrum eingerichtet. Als 2G-Plus-Auswirkungen sieht Bannier nicht nur, dass Gäste ausgegrenzt werden. „Es läuft nicht mehr wirtschaftlich. Wir arbeiten auf Sparflamme, müssen Geld in die Betriebe reinstecken“, sagt Burkhard Bannier und weiß auch wie seine Kollegen nicht, wie lange das noch funktioniert und wann den Gastronomen das Geld ausgeht. Er ist für 26 Mitarbeiter verantwortlich. Fast 26 Familien, für die er sorgen muss und die auf die Branche angewiesen sind.

Vor allem junge Leute orientieren sich anders

Viele, und gerade junge Menschen, die einen erfolgreichen Start auf diesem Wirtschaftssektor hingelegt haben, orientieren sich um bzw. haben dies schon getan. Sie wechseln in artfremde Berufe, sodass sie ihre Familien ernähren können. Ob sie irgendwann den Weg zurück in die Gastronomie finden, ist zweifelhaft.

„Im ersten Lockdown haben wir die Ausfälle durch Kurzarbeit selbst übernommen“, erinnert das Dehoga-Präsidiumsmitglied. Doch nun? „Die Leute schauen sich woanders um. Und die finanzielle Unterstützung für die Gastronomen wird auch noch einmal reduziert“, wird Bannier und seinen Kollegen immer mehr die Luft abgedreht. „Es sind immer die Gleichen, die es trifft. Das ist keine Jammerei, sondern Tatsache“, bringt Bannier es auf den Punkt.

Und macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: das Aussetzen des Insolvenzrechtes. Heißt: Die Gastronomen – bei denen es wirtschaftlich schwierig wird – müssen nicht sofort Insolvenz anmelden. „Das ist Verschleppung“, kommentiert der Gastronom. Und sagt: „Wir wollen arbeiten. Die Frage ist nur, wie lange das unter 2G Plus noch gehen könnte?“

Dabei hatte sich die Gastronomie vor dem vergangenen Jahresende gerade wieder aufgerappelt. „Nachdem wir am 1. Juni wieder aufgemacht haben, war der Sommer sensationell“, schwärmt Burghard Bannier vom Zuspruch der Gäste, die alle mal wieder raus wollten. Sein Hotel hatte eine sagenhafte Auslastung von 92 Prozent, vergleicht er mit DDR-Zeiten als die FDGB-Urlauber noch staatlicherseits herangekarrt wurden.

Bis September konnte die Gastronomie wieder aufholen, sich aus den Einbußen der Corona-Krise herausrappeln. Auch die Gänseessen-Saison sei gut gelaufen. „Alle Busse sind – zwar unter Auflagen – gekommen“, spricht Burghard Bannier von einem Lichtblick.

Tanzverbot versetzte Partys den Todesstoß

„Wenn das Jahr halbwegs normal ausgelaufen wäre, hätte ich sagen können: Das Jahr ist gut gelaufen“, schätzt er ein. Silvester war sein Hotel ausgebucht – wie bei vielen anderen Kollegen auch. „Dann kam das Tanzverbot und damit die Stornierungen. Wir hatten nur noch zwei Zimmer belegt“, schildert der Altmärker die Jahresend-Lage. Bannier: „Wir haben uns statt der Silvesterparty auf das À-la-carte-Geschäft konzentriert. Es kamen 17 Gäste und haben um 22 Uhr zugemacht – es war gruselig.“

Andere Altmark-Wirte haben die Jahresendfeiern gleich oder kurz vorher wegen der Stornierungswelle (vor dem Hintergrund des Tanzverbotes) abgesagt. „Du wirst schizophren bei den ständig wechselnden und verwirrenden Regelungen“, blickt das Dehoga-Präsidiumsmitglied für seine Branche in eine unsichere Corona-Regelungs-Zukunft.

Und steht voll hinter dem Ausscheren Sachsen-Anhalts: „Unsere Politiker haben die Notsituation in der Branche erkannt“, lobt er die Entscheidung das bundesweite 2G Plus nicht mitzumachen.

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