Waddekath: Kein Schild bleibt lange heil

„Der Fluch des Grenzgrabens“

Umgefahrenes Ortsschild
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Erneut Crash am Grenzgraben: Dieses Mal musste neben der Planke auch das Waddekather Ortsschild dran glauben, welches durch die Wucht des Aufpralls komplett aus dem Fundament gerissen wurde.
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Schon wieder der Grenzgraben zwischen Waddekath und Rade. Und schon wieder flog ein Fahrzeug vor wenigen Tagen in genau derselben Kurve aus der Bahn und bretterte gegen die Leitplanke. Dieses Mal musste neben der Planke direkt an der Landesgrenze auch das Waddekather Ortsschild dran glauben, welches durch die Wucht des Aufpralls quasi komplett aus dem Fundament gerissen wurde.

Von Kai Zuber

Waddekath - Den „Fluch des Grenzgrabens“, nennen einige Anwohner bereits die unfallreiche Kurve am Ortseingang Richtung Diesdorf. An der ehemaligen Todeszone und der historischen, mittelalterlichen Wallanlage in Waddekath bleibt kein Straßenschild lange heil. Dabei war die Straße bis zum Mauerfall am 17. Februar 1990 um 9 Uhr Sackgasse. Erst danach flutete dort der Verkehr zwischen Ost und West. Das kann auch Uwe Körner aus Waddekath bestätigen: „Ich habe mir in den 1990er Jahren ein gutes Taschengeld dazuverdient, in dem ich verunglückte Autos in der Kurve aus dem Graben gezogen habe“, erinnert sich der Einwohner des Diesdorfer Ortsteils.

Unfallserie reißt nicht ab

Doch auch später riss die Unfallserie nicht ab. Und stets nahmen die Autofahrer Schilder aufs Korn. Nach drei Verkehrs-Crashs wurde das großformatige braun-weiße Waddekather Grenzdenkmal-Schild zur Erinnerung an die deutsche Teilung und Wiedervereinigung trotzdem an gleicher Stelle wieder errichtet. Im Vorfeld krachten zwei Fahrzeuge frontal in das Schild, sodass es komplett ausgewechselt werden musste. Ein weiteres Mal hatte in der brenzligen Linkskurve aus Richtung Wittingen nach Diesdorf ein Fahrzeugführer das Schild nur gestreift, als er an gleicher Stelle nach rechts von der Fahrbahn abkam und im Graben landete.

Dann wurde das Schild nach dem jüngsten Totalschaden aber genau an der gleichen Stelle wie zuvor wieder errichtet. Eine Provinzposse, an die Uwe Körner ebenfalls erinnern möchte.

Die Waddekather waren nach dem dritten Zusammenstoß an der gleichen Stelle mit Beschädigung des gleichen Schildes binnen weniger Jahre seit dem Bestehen davon ausgegangen, dass die zuständige Behörde den Standort des Schildes von der Einflugschneise um wenige Meter auf eine weniger gefährliche Stelle verlagert. Aber Fehlanzeige.

Man lernt offenbar nicht dazu. Also dann bis zum nächsten Crash, der nun vor wenigen Tagen auch das Waddekather Ortseingangsschild dahinraffte, das nur wenige Meter vom Mauerfall-Schild entfernt ist.

Und um erneut auf den vermeintlichen „Fluch des Grenzgrabens“ zurückzukommen: Übrigens verunfallen die Autos an einer im doppelten Sinne historischen Stelle. Denn: Diese Stelle des alten Landwehrgrabens war bereits Todeszone im Mittelalter. Bei Waddekath gab es nämlich schon vor Jahrhunderten Grenzanlagen. Kaum jemand weiß, dass unmittelbar an der heutigen Landesgrenze zu Niedersachsen bis heute uralte Wallanlagen stehen. Genauer gesagt ist die einstige Todeszone zwischen Haselhorst, Waddekath, Rade bis hin nach Schmölau heute ein Freilichtmuseum – wenn auch kein offizielles. Dort verläuft seit Alters her eine ehemals stark befestigte und bewachte Landesgrenze zwischen Braunschweig-Lüneburg und der Altmark, also Brandenburg.

Uralte Wallanlage gut zu erkennen

Noch heute ist der Wall vor allem zwischen Waddekath und Haselhorst gut sichtbar. Zeitweise war die wuchtige Anlage sogar mit bis zu drei Schanzen gesichert. Eine absolute Altersbestimmung gilt selbst unter Experten als schwierig.

Dass es sich dabei um sächsisch-deutsche Befestigungen gegen die Slawen gehandelt haben könnte, wie früher oft behauptet, ist mit dem heutigen Wissensstand nicht mehr vereinbar.

Denn: Ein größeres autarkes slawisches Siedlungsgebiet habe es in der westlichen Altmark und im angrenzenden Niedersachsen nie gegeben. Eher könnten auch Grenzstreitigkeiten zwischen Welfen und Askaniern die Ursache für die Errichtung der Wallanlagen gewesen sein.

Einige Historiker halten es auch für möglich, dass die Landwehr zwischen Waddekath und Haselhorst sogar noch älter ist – mit Ursprüngen, die bis ins achte Jahrhundert reichen.

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