Naziaufmarsch in Salzwedel

500 demonstrieren gegen 150

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Die Sitzblockaden der Gegendemonstranten wurden von der Polizei aufgelöst.

Salzwedel. Der Naziaufmarsch in Salzwedel ist am späten Nachmittag zu Ende gegangen. Nachdem sich etwa 150 Rechte auf dem alten Netto-Parkplatz an der Jeetzeschule versammelt hatten, gelang es Demonstranten aus dem linken Spektrum mehrfach, die Route zu blockieren.

Sie setzten sich auf die Straße oder verbarrikadierten diese mit Sperrmüll, Holzpaletten und Mülltonnen. Obwohl die Polizei die Sitzblockaden nach und nach auflöste, änderte die Einsatzleitung die Marschroute der Neonazis in Richtung Karl-Marx-Straße/Kaufland und weiter über Süd- und Nordbockhorn zurück zum alten Netto-Parkplatz. Auch dort gab es mehrere Sitzblockaden.

150 Rechte marschierten in Salzwedel

Unter anderem wurden Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert (Linke) aus Stendal sowie die Stadträte Karl-Heinz Reck (Freie Liste, ehemaliger Kultusminister), Arne Beckmann (Fraktion Salzwedel-Land) und Susann Meinecke (Bürgerbund) von der Straße getragen. Bei anderen Störaktionen wurden die Polizeibeamten durch Vertreter der linken Szene, teilweise vermummt, massiv angegriffen. Eine Beamtin ist dabei an der Hand verletzt worden. Im Vorfeld des rechten Aufzuges hat die Polizei ein Transparent sichergestellt und ermittelt nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Nach Angaben der Polizei nahmen an den Gegenveranstaltungen, unter anderem der Stadt Salzwedel, des Arbeitskreises für Demokratie und Weltoffenheit, der IG Bergbau sowie der Linken, insgesamt gut 500 Demonstranten teil.

Etwa die Hälfte davon ordnen die Beamten der linken Szene zu. Diese Veranstaltungen verliefen friedlich und störungsfrei. Allerdings wurden nicht alle im Vorfeld angekündigten Gegenaktionen auch umgesetzt. Zur Sonderstadtratssitzung um 13 Uhr am Bürgercenter waren rund 60 Stadträte und Bürger gekommen. Oberbürgermeisterin Sabine Danicke betonte mehrfach, dass man die Neonazis in der Hansestadt nicht haben wolle. Sie dankte allen, die die bunten Gegenaktionen mit Zivilcourage gestalteten. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte, er sei "bewusst und gern" nach Salzwedel gekommen, um gemeinsam mit den Bürgern zu zeigen, dass Salzwedel weltoffen und tolerant ist und sich gegen Rechtsextremismus ausspricht. Nach Informationen der AZ war die Polizei mit vier Hundertschaften, der Bereitschaftspolizei und der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord im Einsatz. Wie die Ordnungshüter am Abend mitteilten, haben sie das Zusammentreffen von Demonstranten aus dem rechten und linken Spektrum verhindern können. Dazu sei es nötig gewesen, Sitzblockaden aufzulösen.

Von Ulrike Meineke

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