Wie gut gemeinte Hilfe junger Leute schiefgehen kann

DDR-Rückblick in Salzwedel:Vorbild „Timur und sein Trupp“

+
Dem Vorbild von „Timur und sein Trupp“ folgte mancher Jungpionier – auch Maik Baumann.

Salzwedel – Es gab damals, also zu DDR-Zeiten, auch richtig gute Literatur, die zur Pflichtlektüre wurde. Ich habe „Die Abenteuer des Werner Holt“ geliebt.

Es gab auch noch ein weiteres Buch, welches mich total gefesselt hat: „Timur und sein Trupp“. Uneigennützig half er anderen Leuten.

Da kam mir früher die Idee: „Warum sollte ich nicht auch einfach mal Leuten helfen?“ Selbst wenn man erwischt werden sollte, stand man ja immer noch gut da.

Dafür brauchte ich nur noch Unterstützung. Mein bester Freund Mario wohnte schräg gegenüber. Wir wurden uns einig – ich war Timur und er mein Trupp.

Ältere Leute, die Hilfe benötigten, gab es nun ja wirklich genug. Genau gegenüber wohnte eine Frau W., die bestimmt nicht mehr in der Lage war, selbst ihren Garten zu bewirtschaften. Also: Die Idee war geboren.

Nun ging es an die Umsetzung. Genau wie Timur hatten auch wir ein Signal vereinbart, bei dem wir uns dann trafen. In unserem Fall war es eine leere Blechkeksdose, welche ich mit einem Stock traktierte.

Plötzlich ging das Teil nicht mehr. Mein Bruder hatte immer ganz tolle Ideen, um mich zu ärgern und die Dose inzwischen mit Sand gefüllt. Zu späterer Stunde haben wir uns dann endlich im Halbdunkeln getroffen und unserer Nachbarin ganz heimlich den Garten umgegraben. Wir waren zwar total verschwitzt, aber stolz und auch glücklich. Wir haben uns dann darauf geeinigt, uns bei zu viel Lob doch zu melden, um uns huldigen zu lassen.

Am nächstem Tag fand der erwartete Tumult vor ihrem Haus statt. Auch wir schlichen uns dazu, um wenigstens ein bisschen des Lobes zu erhaschen.

Dann bekamen wir mit, dass es sich wohl mit dem Lob erledigt hatte. Unsere Nachbarin schimpfte wie ein Rohrspatz. Wie krank müssten die Leute sein, ihr frisches Beet in einem Schützengraben zu verwandeln?, zeterte sie. Au weia! Wir waren todunglücklich und haben uns geschworen, darüber für ewig zu schweigen.

VON MAIK BAUMANN

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare