Team des Bücherbusses schaut mit Unverständnis auf die politische Diskussion

„Das ist schon verletzend“

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Sehen den Bücherbus als Bestandteil einer leistungsstarken Bibliothek: Bettina Mühe (l.) und Kerstin Gromeyer (Kreisfahrbibliothek).

Salzwedel. „Wir würden uns über Arbeitsanweisungen darüber, was wir besser machen können, freuen. “ Mit bitterer Ironie kommentiert Bettina Mühe die wochenlangen Diskussionen über die Zukunft des Bücherbusses.

Gestern Abend verfolgte die Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek Salzwedel die Entscheidung des Kreistages in Sachen Fahrbibliothek. Von denen, die da gestern wichtige finanzielle Weichen stellten, habe sie noch nie jemanden persönlich in dem rosafarbenen Bus gesehen, kommentiert Mühe gegenüber der Altmark-Zeitung die politische Diskussion. Für die „Entscheidungsfindung“ war der zuständige Ausschuss sogar zu einem zweitägigen Fachseminar nach Dresden gefahren – doch den Bus selbst kenne niemand von den politischen Reisenden.

Beim Personalschlüssel seien Straffungen möglich, die genauen Kosten für den Bücherbus seien undurchsichtig – gegen diese Vorwürfe setzt sich Bettina Mühe mit Entschiedenheit zur Wehr. Unverständnis zeigt sie auch für die jüngste Äußerung von Landrat Michael Ziche, in Sachen Bücherbus und Bibliothek zahle der Kreis gewissermaßen in eine „Blackbox“.

„Die Kosten für die Kreisfahbibliothek können wir auf Heller und Pfennig nachweisen“, betont die Leiterin der Bücherei. Die veranschlagten 110 000 Euro pro Jahr seien das absolute Minimum. „Man darf nicht vergessen, dass der Bus älter und reparaturanfälliger wird, und die Entwicklung der Spritkosten ist ja auch allgemein bekannt“, sagt Mühe.

Und die Personalkosten? Die dreiköpfige „Bus-Besatzung“ – ein Fahrer und zwei Fachkräfte – hätten ja nicht nur die Aufgabe, den Bus während der Öffnungszeiten zu betreuen: „Die Arbeit im Hintergrund reicht von der Bestandspflege über die Einarbeitung neuer Medien in den Computer bis hin zum Erstellen von Statistiken“, listet die Bibliotheksleiterin auf. Diese Statistik sagt übrigens aus, dass es im Jahr 2011 genau 91 366 Ausleihungen im rosa Bus gab. Und schon längst würden Bibliothek und Fahrbücherei nicht jeder für sich hinwursteln: „Wenn man aushelfen muss, dann machen wir das natürlich.“

Am deprimierendsten sei es für das Bücherei-Team aber, dass niemand das Gespräch gesucht habe, bedauert Bettina Mühe. „Die Kreisverwaltung hat uns lediglich mitgeteilt, dass man keinen Bedarf dafür sehe.“ Und die Politik verlasse sich auf die Aussagen aus dem Kreishaus.

Aus dieser Informationslücke sei ein Misstrauen entstanden, „das schon verletzend für uns ist. Die Kollegen fühlen sich her-abgesetzt und haben den Eindruck, dass man ihre Arbeit nicht anerkennt“, kritisiert die Bibliotheksleiterin den fehlenden Umgang miteinander.

Mehr Sparen sei einfach nicht möglich, auch nicht am Fahrplan: „Denn natürlich müssen wir alle Gemeinden anfahren, die Geld geben für den Bücherbus“. Und an manchen Haltestellen sei der Andrang so groß, dass das Buspersonal Überstunden mache.

Von Thomas Mitzlaff

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