Brandanschläge auf führende Deba-Mitarbeiter

„Das ist ein Mordversuch“

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Die Scheibe einer Bombecker Scheune durch die Montagmorgen ein Molotow-Cocktail flog.

Salzwedel. Eine Brandanschlagsserie auf zwei Mitarbeiter der Deba Badsysteme hält die Polizei in Salzwedel, Uelzen und Rendsburg in Atem.

Der einstige Geschäftsführer der im vergangenen Jahr in Insolvenz gegangenen alten Deba und Vertriebsleiter der jetzigen Deba Badsysteme, Reinhard Dehncke, ist gleich mehrfach betroffen. Seine Grundstücke in Bombeck bei Salzwedel und Fockbek bei Rendsburg wurden mehrfach heimgesucht.

Auch der zeitweilige Geschäftsführer der Deba Badsysteme, Hans-Hermann Brünjes, seit 15 Jahren in der Firma, ist ein Anschlagsziel der Kriminellen. Besonders schlimm: Statt Brünjes traf es seine 87-jährige Schwiegermutter, die in einem Fall nur knapp einem Brandgeschoss entkam und sich ein anderes Mal eines maskierten Eindringlings erwehren konnte.

Die Betroffenen sehen inzwischen einen Zusammenhang mit der Deba-Insolvenz im September vergangenen Jahres. Bis dahin agierte Reinhard Dehncke als Geschäftsführer in dem Salzwedeler Betrieb. Fünf neue Teilhaber, darunter auch Dehncke, übernahmen danach das Vermögen und die Mitarbeiter der Deba und gründeten am 17. Dezember 2010 rückwirkend ab 1. Dezember die Deba Badsysteme am alten Standort in Salzwedel. In dieser Zeit fungierte Hans-Hermann Brünjes als Übergangsgeschäftsführer bis zum 1. Mai dieses Jahres.

Der erste Brandsatz flog am 21. Juli gegen 22.30 Uhr auf das Dehncke’sche Grundstück in Bombeck, verfehlte die Terrasse nur um Haaresbreite, bevor er in Flammen aufging. Im September wurden gleich drei Brandsätze an einer Tür und auf zwei Fensterbänken der zum Grundstück in Bombeck gehörenden Scheune gezündet. Einen weiteren nicht gezündeten fand die Kripo an der gegenüberliegenden Kirchenmauer.

Als nächstes traf es am 5. Oktober das Grundstück von Hans-Hermann Brünjes in Räber bei Uelzen. Brünjes selbst war zu diesem Zeitpunkt im Urlaub. Ein Maskierter klingelte. Brünjes Schwiegermutter sah den Vermummten durchs Fenster und floh in ihr Schlafzimmer. Der Maskierte schlug eine Scheibe der Tür ein, griff hinein, schloss diese auf und verfolgte die 87-Jährige. Die drückte geistesgegenwärtig den Knopf ihres Seniorennotrufgerätes. Als der Maskierte das sah, ergriff er die Flucht.

Im Oktober prangte an der Deba-Halle im Gewerbegebiet Nord Salzwedel der mit großen Buchstaben gesprayte Spruch: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten!“ Er wurde übertüncht. Am 31. Oktober standen an der Halle zwei Worte: „Der Sturm“.

Einen Tag später, am 1. November, loderte an der Rosenstraße in Fockbek bei Rendsburg das nächste Feuer. Reinhard Dehncke hatte dort seinen Deba-Firmen-Passat stehenlassen, war jedoch selbst in Bombeck, als der Pkw vor seinem Haus in Schleswig-Holstein in Flammen aufging. Einen Monat später gab es den nächsten Anschlag – diesmal galt er erneut Brünjes. Vor seinem Haus in Räber fuhren mehrere Unbekannte vor und schleuderten einen Brandsatz, der ein Fenster traf, hinter dem Brünjes 87-jährige Schwiegermutter saß. Zum Glück zerbarst nur die erste Scheibe der Doppelverglasung. „Das ist ein Mordversuch“, ist Reinhard Dehncke entsetzt.

Nach dem erneuten Anschlag von gestern – gegen 0 Uhr in Räber und 1.30 Uhr in Bombeck – brachen beide Betroffenen das mit Polizei und Staatsanwaltschaft vereinbarte Schweigen und setzten eine Belohnung von 10 000 Euro aus.

Von Holger Benecke

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