Keine Beweise für Missbrauch / 56-Jähriger soll 18-Jährige nicht weiter kontaktieren

„... dann kriegen Sie Probleme“

sk Salzwedel. „Sind Sie nüchtern?“ Mit dieser Frage eröffnete Amtsgerichtsdirektor und Richter Dr. Klaus Hüttermann gestern den Prozess gegen einen 56-jährigen Salzwedeler wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen. „Ja, ja“, so die Antwort des Angeklagten.

Diese „Ja, ja“-Einstellung zog sich durch die gesamte dreistündige Verhandlung.

Im Gericht

Zunächst ein Rückbblick: Der gelernte Tischler soll sich zwischen Mitte 2011 und April 2012 insgesamt drei Mal an einer damals 17-jährigen Juendlichen vergangen haben. Dabei soll er die unter Depressionen leidende junge Frau zum Küssen, Oralverkehr und zur Befriedigung gedrängt haben. Mehrmals habe er sie unsittlich berührt und nach Sex verlangt. Danach habe er ihr zwischen zehn und 50 Euro gegeben.

Der Beschuldigte wies gestern alle Anschuldigungen von sich. Bei der Verlesung der Anklageschrift lachte er laut auf und rief dazwischen, was Richter Dr. Hüttermann energisch zu unterbinden wusste. „Sie sind jetzt ruhig! Sie haben später Gelegenheit, sich zu äußern.“ Das tat der Salzwedeler dann auch: „Die lügt ohne Ende. Ich habe sowas nicht mit ihr gemacht.“ Vielmehr habe sich die Jugendliche bei ihm gemeldet, wiederholt um Essen und Geld geschnorrt, fuhr der Beschuldigte fort.

Die Mutter der Jugendlichen, eine 53-Jährige aus Gardelegen, wusste anscheinend nichts von den sexuellen Übergriffen. Das kam Richter Hüttermann spanisch vor. Nach kurzem Hin und Her gab die Mutter zu, dass sie auf dem Weg zur Verhandlung von ihrer Tochter über die Sache informiert worden sei. Sie kannte den Angeklagten noch aus Zeiten, als die beiden Arbeitskollegen waren. „Der war schon immer hinter jungen Frauen hinterher“, berichtete die Frau dem Gericht.

Ihr Verhältnis zu ihrer Tochter sei schon immer schwierig gewesen, oft sei das Kind weggelaufen, habe sich immer mehr zurückgezogen. Dieser Eindruck bestätigte sich vor Gericht: In sich gekehrt und mit zitternder Stimme berichtete die Jugendliche von den Besuchen bei dem Angeklagten. Da sich das Opfer immer mehr in Widersprüche verstrickte und die Versionen der Tathergänge sich stets änderten, hatte Richter Hüttermann Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen. „Ich hatte Angst vor ihm, deshalb bin ich auch immer mitgegangen und habe gemacht, was er gesagt hat“, so die inzwischen 18-Jährige, der ein psychologisches Gutachten einen Intelligenzquotienten von 72 bescheinigt.

Auch ein vorgeladener Nachbar sowie eine Sozialpädagogin, die die Jugendliche betreut hat, brachten keine entscheidenden Erkenntnisse. So blieb Richter Hüttermann nichts anderes übrig, als das Verfahren aus Mangel an Beweisen einzustellen. „Wenn Sie sich noch einmal dem Mädchen nähern oder Kontakt mit ihr aufnehmen, kriegen Sie große Probleme“, so die letzten Worte des Richters zu dem 56-Jährigen.

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