Salzwedeler Comenius-Schüler machen Politik und wundern sich über zahmen Stadtrat

„Dachte, dass es dort mehr Konflikte gibt“

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Im Hintergrund beobachteten die Comenius-Schüler am Mittwochabend das Geschehen im Salzwedeler Stadtrat. Es ist Teil eines Planspiels, in dem die Schüler selbst als Politiker aktiv werden. Ihrem Schulleiter Norbert Hundt (vorne, l.) stellten sie ein gutes Zeugnis aus.

Salzwedel. Sie nennen sich Demokratische Fraktion Salzwedel, Jugendorganisation für Salzwedel oder Die Salzwedeler Stadtpartei – Schüler der Comenius-Schule zeigen der Erwachsenenwelt gerade, wie Lokalpolitik geht. Unterstützung erhalten sie dabei von echten Stadträten.

Martin Schulz (Grüne / Bürgerbund), Gabriele Gruner (Linke), Peter Fernitz (CDU), Arne Beckmann und Wolfgang Kappler (beide Salzwedel-Land) zeigen den Jugendlichen, wie Anfragen und Anträge funktionieren und wie die Schüler ihre Vorhaben parlamentarisch einbringen können. Denn in der kommenden Woche sollen sie selbst aktiv werden – als eine Art Jugendstadtrat.

Dabei gibt es vieles, was die Jugendlichen in Salzwedel anpacken würden. Internetausbau, ein öffentlicher Sportplatz, Sanierung der Ziegeleistraße, Ausbau des Parks des Friedens, des Tierparks sowie der öffentlichen Toiletten – viele der Themen wären tatsächlich ein guter Fingerzeig für die echten Stadtpolitiker und Bürgermeisterin.

Denen haben die Comenius-Schüler am Mittwochabend im Kulturhaus zugehört. Und sich so einige Male gewundert.

Stadtrat Arne Beckmann ist einer von sechs Abgeordneten, der einer Schülerpartei in Sachen Fraktionsarbeit hilft und sie auf den eigens dafür angesetzten Jugendstadtrat vorbereitet.

„Ich hätte gedacht, dass es dort mehr Konflikte gibt“, sagt etwa Liv-Marlen Mückenheim im Nachhinein. Vielleicht werde ja in den Ausschüssen vorher mehr diskutiert, mutmaßt die Zehntklässlerin. Besonders sei ihr aufgefallen, dass die Stadträte häufig einstimmig votieren. „Wo sind die Gegenstimmen und Enthaltungen?“, hat die Schülerin andere Eindrücke aus höherer Politik gesammelt.

Ihr Mitschüler Fabian Heuer fand den Stadtrat „doch recht interessant“. Ihm gefiel der ruhige Ton, und auch einige der am Mittwoch diskutierten Themen, die mit Zahlen untermauert wurden, sagten ihm zu. Aber auch er kritisiert: „Die Bürgermeisterin hatte nicht auf alles eine Antwort.“ Was dem Schüler gar nicht gefällt: Wenn Dinge auf die lange Bank, sprich ins nächste Jahr verschoben werden.

Bei den Finanzen setzt auch Zehntklässlerin Stephanie Müller an: „Jetzt erst gibt es einen Haushaltplan?“

Ob sie sich selbst ein Engagement in der Lokalpolitik vorstellen könnten? „Ich will erstmal andere Sachen erleben“, meint Liv-Marlen Mückenheim.

Von Jens Heymann

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