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Entdeckung in Riebau: Dachbodenfund wirft viele Fragen auf

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Von: Holger Benecke

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mann
Marvin Dahse mit einem Teil der über 100 Jahre alten Papiere, die er auf dem Dachboden in Riebau bei Umbauarbeiten entdeckt hatte. © Benecke

Ein unerwarteter Dachbodenfund in Riebau sorgte dieser Tage für Furore. Familie Dahse ist gerade bei Umbauarbeiten an ihrem Haus. Da entdeckt Sohn Marvin unter den Dielen auf dem Dachboden, die er gerade herausreißt, jede Menge alte Papiere.

Briefe
Feldpostbriefe en masse aus dem Ersten Weltkrieg bilden den größten Teil des bislang gefundenen Schriftgutes. © Benecke, Holger

Riebau/Salzwedel - Vorsichtig macht er weiter und sichert den Fund. Beim Sichten des unerwarteten Fundes stellen er und seine Eltern, Monika und Hartmut, fest, dass die Unterlagen größtenteils sehr gut erhalten sind, obwohl diese aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts bis kurz nach dem Ersten Weltkrieg reichen. Und: Die historischen Papiere erzählen ein Stück Heimatgeschichte von Riebau und Salzwedel.

Das passt gut, denn gerade jetzt sind einige Riebauer um Peter Lahmann dabei, eine Chronik des Dorfes zu schreiben. Denn zu dem Fund gehört auch eine alte Postkarte, die die Dorfstraße und Mewes‘ Restaurant und Schmiede zeigt. In dem Dahse-Dachboden-Fund: Zahlreiche Original-Rechnungen von Einkäufen des Gastwirtes, die bis in die Jahre 1898/1989 zurückreichen.

Ansichtskarte
Eine historische Ansichtskarte von Riebau. Diese zeigt auch das Restaurant und die Schmiede von Gastwirt Mewes. © Benecke

Durstige Dörfler

Und damals waren die Riebauer offenbar sehr durstig. So orderte Gastwirt Mewes beispielsweise ein Fass mit 936 Liter Rum bei der Salzwedeler Destillation, Weinhandlung und Essigfabrik J. A. Brüggemann. Und auch bei der Dampf-Mineralwasserfabrik der Löwen-Apotheke von Konrad Zechlin in Salzwedel kaufte der Riebauer Gastwirt ein. Auch bei der Dampf-Korn-Brennerei und Presshefe-Fabrik Carl Pohle in Salzwedel bestellte „Herr Gastwirt Mewes, Riebau“. In diesem Fall am 11. Oktober 1898 insgesamt 143 Liter Korn für 68,24 Reichsmark, wie die bei Dahses entdeckten Papiere ausweisen.

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Die Essigfabrik stellte 936 Liter Rum in Rechnung. © Benecke
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143 Liter Korn bestellte der Riebauer Gastwirt Mewes am 11. Oktober 1898 in Salzwedel bei der Dampf-Korn-Brennerei. © Benecke
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Auch Mineralwasser bestellte der Riebauer Gastronom. © Benecke
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Ein weiteres Kleinod aus dem Dachbodenfund: ein Rabattmarkenheft der Firma Max Simon und Consorten ... © Benecke, Holger
Rabattmarken
... und die fleißig geklebten Rabattmarken spiegeln ein beredtes Bild aus der damaligen Zeit in der Altmark wider. © Benecke
Notar
Eine Notarrechnung von Ernst Looff aus Salzwedel. © Benecke

Verlobung auf Sylt

Die Masse der in dem Dachboden-Versteck gefundenen Papiere machen jedoch Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg an einen Leutnant, später Hauptmann Hartenauer. Diese Briefe harren allerdings noch einer Übersetzung, da sie in Sütterlin verfasst sind. Dem ersten Anschein nach war Hartenauer offenbar mit einer Mewes-Tochter liiert.

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Ein Foto „Am Abend vor der Schlacht am Chemin des Dames“ aus Frankreich könnte den Briefeschreiber zeigen. © Benecke

Neben zahlreichen, zum Teil auch noch unbeschriebenen, sehr hübsch gestalteten Postkarten zu Ostern, Pfingsten, Weihnachten und Neujahr sind auch etliche in vaterländischer Ausführung dabei, was dem Zeitgeschmack der Kaiserzeit entsprach.

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Weihnachten 1917 haben sich Anna Pieper und Otto Schütze verlobt. Als Ort wird die Insel Sylt genannt. © Benecke

Ein weiteres Rätsel gibt die Bekanntgabe der Verlobung zwischen Anna Pieper und Otto Schütze zu Weihnachten 1917 auf. Das Dokument ist mit Riebau und Insel Sylt verortet.

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Ein Klassenfoto von 1895: Wurde dieses Foto in Riebau aufgenommen? Und in welchem Haus befand sich die Schule? © Benecke

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