Schüler der Comenius-Schule mit Frank Semisch im Gespräch

Cybermobbing: „Gott und das Internet vergessen nie“

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Cybermobbing ist in der heutigen jüngeren Gesellschaft allgegenwärtig. Dass das strafbar und auch im Gefängnis enden kann, erklärte Kriminalhauptkommissar Frank Semisch (oben) den Schülern der 7. und 8. Klasse.

Salzwedel – Die Nachricht über den Tod einer elfjährigen Grundschülerin aus Berlin erschüttert derzeit ganz Deutschland. Das Mädchen habe aufgrund von Mobbing einen Suizid-Versuch begangen. Später verstarb sie im Krankenhaus.

Da Mobbing auch in unserer Region ein Problem ist, erläuterte Frank Semisch, Kriminalhauptkommissar der Salzwedeler Polizei, in der Comenius-Sekundarschule bei einem Workshop.

Es sind verbale Anschuldigungen, körperliche Auseinandersetzungen, öffentliches Bloßstellen oder Beleidigungen der übelsten Sorte.

„Mobbing ist ein andauerndes Problem“, sagte Semisch, „Opfer über einen längeren Zeitraum, tendieren dazu, dauerhaft in ihrer Rolle zu bleiben.“ Dies ziehe sich von der Grund- über die weiterführenden bis zur Berufsschule hin, so der Beamte. „Sie kommen nur schwer aus der Spirale heraus“, knüpfte Semisch an.

Ein großes Problem sehe er auch darin, dass Kinder zu früh mit den sozialen Medien in Kontakt kommen. „Durch die Handys nehmen die Mädchen und Jungen das Mobbing mit nach Hause“, schilderte er. „Früher war nach der Schule Schluss.“ Deshalb sollten die Kinder und Jugendlichen nichts aus ihrer Privatsphäre im Internet posten. „Gott und das Internet vergessen nie“, sagte Semisch.

Ein Mädchen der siebten Klasse, die gestern mit im Workshop saß, kam selbst mit Cybermobbing in Kontakt. „Sie schrieben mir die übelsten Schimpfworte. Das war aber nur ein kleiner Teil“, sagte die Schülerin, die verständlicherweise namentlich nicht genannt werden möchte. „Angefangen hat alles auf Tellonym.“ Tellonym ist eine Anwendung auf dem Handy, in der Nutzer anonym Nachrichten an beliebige Personen schreiben können.

„Dies ging mehrere Monate. Meinen Eltern wollte ich mich aber nicht anvertrauen“, sagte die 13-Jährige. „Ich wollte mit der Sache im Kopf abschließen und nicht dauernd darüber reden. Doch es machte mich immer mehr und mehr fertig.“ Später sei ihre Mutter auf sie zugegangen. „Ich habe Angst, dass Du dich umbringst“, sagte sie mir. Auch heute noch kämpft das Mädchen mit Anschuldigungen im Internet, doch lässt sie diese links liegen. Hilfe bekommt sie dabei von ihren besten Freunden.

Schulleiter Norbert Hundt sieht eine Verbesserung über die Jahre: „Die Mobber wissen, dass sie strafrechtlich verfolgt werden können – das schreckt ab. In der Anfangszeit von Facebook und Instagram wussten die Jugendlichen noch gar nicht damit umzugehen.“ Wenn es hart auf hart kommt, helfe der Schulleiter, wo er kann.

Im weiteren Verlauf seiner Präsentation zeigte Frank Semisch auch Konsequenzen für Cybermobber auf. Sein Workshop hänge aber nicht mit dem Tod des elfjährigen Mädchens zusammen. Dieser würde jährlich an der Comenius-Schule durchgeführt werden, hieß es.

VON PAUL WILLIAM HIERSCHE UND LUKAS KOTTLER

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