Beleidigungen im Internet / Vielen Jugendlichen sind die Folgen nicht bewusst

Cybermobbing: „Ein brandaktuelles Thema“

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Irene Barth, Schulsozialarbeiterin der Lessing-Sekundarschule, sieht Cybermobbing als ein zunehmendes Problem: „Es haben immer jüngere Kinder Zugang zum Internet. Und per Handy-Chats wie „Whats-App“ können Beleidungen schnell verbreitet werden.“

Salzwedel. „Das Internet vergisst nie. Und vielen Jugendlichen sind die Gefahren des Internets nicht bewusst. Schon ein kleiner Fehltritt kann fatale Folgen haben“, weiß Irene Barth, Schulsozialarbeiterin der Lessing-Sekundarschule.

Cybermobbing – allgemein Mobbing im Internet und per Smartphone-Chats „ist ein brandaktuelles Thema“, bestätigt Irene Barth und verweist auf die Gründe: „Jugendliche oder Kinder haben in einem immer jüngeren Alter Zugang zum Internet oder besitzen Smartphones. Die meisten können noch nicht einschätzen, welche Folgen das haben kann. “.

Dass Mobbing in Schulen vorkomme, sei nichts neues. „Beim Cybermobbing sind die Verbreitungsgeschwindigkeit und der Wirkungsradius aber viel größer“, so die Schulsozialarbeiterin. Carsten Ahlborn, Schulsozialarbeiter an der Comenius-Sekundarschule, sieht darin meist einen Höhepunkt von Streitereien oder Mobbing in der Schule: „Das schaukelt sich dann hoch und eskaliert damit, dass Beleidigungen im Internet landen.“

Eine große Gefahr des Cybermobbings sieht Irene Barth darin, dass die Kinder davor nicht flüchten können. „Das Zuhause ist eigentlich ein privater Schutzraum. Wenn sie dort per Handy durch Chats wie „Whats-App“ und auf Internetplattformen wie Facebook gemobbt werden, können sie sich nicht zurückziehen“, weiß Irene Barth. Folgen könnten psychische Probleme wie Schulangst sein. Das Mobbing via Internet sei oftmals heftiger, da die Hemmschwellen der Täter sinken. „Man steht dem Geschädigtem nicht gegenüber. Daher sind viele im Internet mutiger“, so Irene Barth. Ein weiteres Problem sei, dass die Täter sich im Internet besser verstecken können – unter anonymen Namen. „Die Geschädigten wissen dann oft nicht, wer dahinter steckt und können es nur erahnen.“ Beleidigungen oder verletzende Fotos von Leuten fänden im Internet auch immer sofort ein sehr großes Publikum, wodurch die Geschädigten auch in der Freizeit davon verfolgt werden. „Das spricht sich dann ganz rasant unter den Jugendlichen auch zu anderen Schulen rum.“

Frank Semisch, Pressesprecher der Polizei Salzwedel, bestätigt eine steigende Zahl an Strafanzeigen, die aufgrund von Beleidigungen im Internet oder per „Whats-App“ erhoben werden. „Das kann daran liegen, dass es häufiger vorkommt und auch daran, dass die Leute aufgeklärt sind und die Möglichkeit ausschöpfen, Strafanzeige zu stellen“, so Semisch.

An den Schulen selbst sei Cybermobbing im Alltag nicht das ganz große Thema, komme aber immer mal wieder vor, bestätigen sowohl Irene Barth als auch Carsten Ahlborn. „Es sind eher die 7. bis 10. Klassen davon betroffen“, erklärt Carsten Ahlborn, dass in den jüngeren Jahrgängen Cybermobbing kaum vorkomme. „Dort habe ich im vergangenen Jahr erlebt, dass Schüler der 5. und 6. Klasse sehr verunsichert waren, als Kettenbriefe per Whats-App rumgeschickt wurden“, berichtet Irene Barth. Die Kettenbriefe, genannt „Hoax“, waren Nachrichten, die angeblich weitergeschickt werden sollten und Drohungen beinhalteten. „Das war ein großes Thema hier an der Schule. Die Kinder wussten nicht genau, wie sie damit umgehen sollten“, erklärt die Sozialpädagogin, die schon mehrere Fortbildungen zu dem Thema besucht hat.

Irene Barth bescheinigt den Schülern eine Vorsicht bei Bildern, die ins Internet geladen werden. „Vielleicht durch eigene Erfahrung oder durchs Hören von anderen, dass Bilder ins Internet gestellt werden, die dort eigentlich nichts zu suchen haben.“

Von Birte Grote

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