Kriminalstatistik

Corona: Weniger Diebe, mehr Betrüger

Polizeirätin Tina Beck stellte gestern die Kriminalstatistik vor.
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Polizeirätin Tina Beck stellte gestern die Kriminalstatistik vor.
  • Holger Benecke
    vonHolger Benecke
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Verbrechen im Corona-Jahr: Diebstähle und Wohnungseinbrüche nahmen ab, während Betrügereien per Telefon anstiegen.

Salzwedel – Corona hat auch Auswirkungen auf die Ganoven. Diebstähle und Wohnungseinbrüche haben im vergangenen Jahr abgenommen – viele Menschen waren ja durch die Pandemie zu Hause. Dafür sind die Betrügereien per Telefon usw. angestiegen. Scheinbar arbeiten die Bösewichte nun aus dem Homeoffice.

Die amtierende Polizeichefin des Altmarkkreises, Polizeirätin Tina Beck, und Kripochef Jürgen Faustmann legten gestern die neueste Kriminalstatistik vor. 2020 gab es 4679 Ermittlungsverfahren – 69 weniger als im Vorjahr. Damit bewegt sich die Kriminalität im Kreis seit 2014 (4692 Straftaten) auf gleichbleibendem Niveau. Und ist im Gegensatz zum Land Sachsen-Anhalt sogar noch rückläufig.

Die besten Ermittler in Sachsen-Anhalt

Apropos Landesebene: Dort sind die Salzwedeler Ermittler Spitzenreiter, können auf eine Aufklärungsquote von 60 Prozent verweisen. „In den 18 Jahren, in denen ich hier Kripochef bin, die höchste Quote“, freute sich Jürgen Faustmann. Und kann stolz in Richtung Landeshauptstadt blicken, denn seine Magdeburger Kollegen konnten nur 47,4 Prozent ihrer Fälle aufklären.

Relativ hoch sind im Kreis die Sachbeschädigungen (631) und der Widerstand gegen die Staatsgewalt und öffentliche Ordnung (212) – Letzteres in 59 Fällen, was eine Steigerung zum Vorjahr um 30 Prozent ausmacht, berichtete Tina Beck. Vermutlich auch Auswirkungen der Pandemie, so die Polizeirätin. Ein Punkt, den auch ihr oberster Chef, Innenminister Michael Richter, ernst nimmt. Er habe sich für einen besseren Schutz der Einsatzkräfte vor Gewalt, Anfeindungen und Respektlosigkeiten ausgesprochen. Wie das in der Praxis aussehen wird, blieb offen und bleibt abzuwarten.

Die meisten Ganoven sind Männer

Rückläufig sind im Altmarkkreis im vergangenen Jahr die Drogendelikte gewesen. Ebenso sind die Diebstähle und Wohnungseinbrüche (um 15,2 Prozent) sowie die Ladendiebstähle (um neun Prozent) durch die pandemiebedingten Lockdowns zurückgegangen. Auffällig stiegen jedoch dafür die Betrugsfälle an – beim Waren- bzw. Warenkreditbetrug um 35 Prozent. 111 Fälle mehr (insgesamt 825) als im Vorjahr gab es 2020 bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten.

Gestohlen wurde insgesamt weniger: 1161 Straftaten, das sind 218 Fälle weniger im zweitgrößten Sektor der Kriminalität (24,7 Prozent). Über ein Drittel davon wurde aufgeklärt. Mit 28,9 Prozent stehen die unter „sonstige Straftaten“ zusammengefassten Fälle an erster Stelle.

Im Kreisgebiet kam es 2020 zu 897 Körperverletzungen – 92,3 Prozent wurden aufgeklärt. Ähnlich hoch liegt die Aufklärungsquote mit 84,3 Prozent bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (51 Fälle).

Die Ermittler konnten im vergangenen Jahr 2006 Täter stellen, darunter 189 nicht deutsche Tatverdächtige. Den Hauptanteil der Kriminellen stellen immer noch die Männer mit knapp 80 Prozent. Bei den 407 unter 21-jährigen Tatverdächtigen gibt es einen Rückgang von 1,65 Prozent. Kripochef Faustmann: „Da ist das kleinste Minus ein großes Plus. Wenn die Kinder- und Jugendkriminalität flach gehalten bzw. zurückgedrängt wird, sehen wir, dass Maßnahmen wie zum Beispiel von der Jugendgerichtshilfe greifen.“

Morde und Terroranschläge gab es im vergangenen Jahr im Altmarkkreis nicht.

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