Ein Herz für die Pflege

Cornelia Böhmke geht nach fast 50 Jahren als Krankenschwester in den wohlverdienten Ruhestand

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Cornelia Böhmke lernte vor 46 Jahren den Beruf der Krankenschwester. Bald geht sie in Rente.
  • VonLydia Zahn
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Cornelia Böhmke arbeitet seit über vier Jahrzehnten als Krankenschwester. Im Oktober geht sie nun in den wohlverdienten Ruhestand. Zu diesem Anlass blickt sie gemeinsam mit der AZ zurück auf über vier Jahrzehnte in diesem Beruf.

Salzwedel – Ein Leben lang denselben Beruf ausüben – das ist selten. Oft kommt irgendetwas dazwischen, ob privat oder gesundheitlich. Manchmal entdeckt man auch einfach eine neue Leidenschaft, der man nachgehen möchte. Nicht bei Cornelia Böhmke. Die 62-Jährige wusste schon immer, sie wird Krankenschwester (heute Gesundheits- und Krankenpflegerin). Nach 46 Jahren geht sie nun im Oktober in den wohlverdienten Ruhestand. Zu diesem Anlass blickt sie gemeinsam mit der AZ zurück auf über vier Jahrzehnte in diesem Beruf.

Am 22. September 1958 erblickte Cornelia Böhmke das Licht der Welt. Ihre ersten fünf Lebensjahre wuchs sie in Seeben auf. Danach zog ihre Familie nach Salzwedel. Böhmke wohnte fortan in der Hansestadt und ging dort auch zur Schule. Bereits in der 8. Klasse wusste sie dann sicher, was sie werden will. „Meine Tante war selbst Krankenschwester in Havelberg. Durch sie wusste ich mehr oder weniger, dass ich das auch werden will. Die Idee kam aber von mir. Es kam einfach nichts anderes für mich infrage“, erinnert sich Böhmke. Zwar hatte die heute 62-Jährige kurzzeitig mit dem Beruf der Physiotherapeutin geliebäugelt, diese Idee jedoch schnell wieder verworfen.

Nach der 10. Klasse bewarb sie sich mit 16 Jahren im Salzwedeler Krankenhaus für eine Ausbildungsstelle. „Ich weiß noch, wie nervös wir alle waren. Ich ging mit meiner Mutter zu dem Gespräch, welches damals noch die Oberschwester führte“, erzählt die Salzwedelerin mit einem Lächeln. Und sie wurde aufgenommen, obwohl es damals nicht so einfach war, wie Böhmke weiß: „Man brauchte ein gutes Abschlusszeugnis, damit man auch genommen wurde. Ich hatte einen Notendurchschnitt von 1,7 oder 1,8. So genau weiß ich das jetzt nicht mehr.“

Im September 1975 war es dann so weit, es ging los. „Ich weiß noch, wir waren zehn Fachschulstudenten aus Salzwedel in der Schwesternschule in Storkau. Die Schule war in einem Schloss. Es war romantisch und hübsch“, erinnert sie sich. Alle fünf Wochen wechselten sich Praxis und Theorie ab. Und am Ende schafften alle zehn Salzwedeler Schüler das Examen. „Wir hatten noch richtig Stolz in uns. Abbrechen war keine Option“, verdeutlicht sie.

Cornelia Böhmke (r.) als Schwesternschülerin im 2. Lehrjahr neben einer Patientin im Krankenhaus.

Nach der Ausbildung entschied sich die frisch Examinierte für die Innere Medizin. „Dafür durfte ich dann auf die Wachstation, die Chirurgie. Das war die Station in der DDR“, blickt Böhmke zurück. Sie lernte die Arbeit auf der Station lieben und genoss es „zu sehen, wie die Patienten nach einer Operation wieder gesund wurden und nach Hause gehen konnten“. Dann kam die Wende und damit Veränderung in Cornelia Böhmkes Leben.

„Ach, ich habe so gerne im Krankenhaus gearbeitet. Aber im Zuge der Wende waren es mehr Krankenschwestern, und ich konnte aus privaten Gründen nicht so viele Stunden leisten“, erzählt Böhmke mit Wehmut in den Augen. Deshalb wechselte sie den Arbeitsplatz. Schnell und problemlos, wie sie sagt, konnte sie 1990 zum Clara-Zetkin-Pflegeheim an der Uelzener Straße wechseln.

35 bis 37 Bewohner pro Station und nur eine Badewanne sowie zwei Toiletten. Das war eine Herausforderung. „Wir mussten damals noch Stullen schmieren und selbst abwaschen. Außerdem gab es weniger Hilfsmittel im Vergleich zu heute. Wir hatten wirklich viel zu tun“, berichtet Böhmke. Und: „Heute hat jeder Bewohner eine eigene Toilette, ein schönes Bett, und die Zimmer sind individuell eingerichtet. Wenn die Älteren früher einen Sessel hatten, war das viel. Es hat sich aber auch kein Angehöriger Gedanken darum gemacht.“ Nicht nur diese Verhältnisse hätten sich mit der Zeit gebessert. „Mein erstes Gehalt waren 350 Mark. Nach der Wende waren es 720 DM. Und da muss ich die Geschäftsführerin auch mal loben. Marion Vongehr-Bülow hat sich bemüht, die Gehälter anzuheben.“

Im selben Jahr, in dem Böhmke wechselte, wechselte auch die Geschäftsführung und aus dem Clara-Zetkin-Pflegeheim wurde das Seniorenzentrum Vita. In diesem Zuge wurde das Gebäude an der Schillerstraße gebaut. Später folgten das Haus an der Goethestraße sowie die Übernahme der Gebäude, in denen heute das altersgerechte Wohnen seinen Platz gefunden hat. Nun ist sie seit fünf Jahren auf der Demenzstation im Haus an der Goethestraße, aber schon seit Anbeginn in der Vita. „Ich war auf jeder Station, habe alles gesehen. Und ich bewundere es, wenn jemand aus Liebe zu den Alten oder Kranken den Beruf wählt. Davor habe ich Respekt“, erklärt Böhmke.

Für die Angehörigen von Demenzerkrankten hat sie nach jahrelanger Erfahrung einen Rat: „Es zählt der Moment, wo sie da sind. Wenn es dem Bewohner in diesem Moment guttut, haben sie alles richtig gemacht. Viele Angehörige haben ein schlechtes Gewissen, aber das müssen sie nicht. Wenn sie ein paar Mal zu Besuch kommen, ist das in Ordnung. Wir haben hier die Ausstattung und das fachliche Personal. Das Wichtigste ist der Besuch.“

Aus ihrer Zeit als Krankenschwester nimmt sie einiges mit. Denn: „Wenn man so viele Schicksale gesehen und Elende erzählt bekommen hat, macht das etwas mit einem. Manche Geschichten und Patienten oder Bewohner werde ich nie vergessen. An manche denke ich heute noch. Aber ich würde es immer wieder so machen. Nicht ohne Grund heißt es Beruf: Es kommt von Berufung.“

Auf die Frage, ob sie die Arbeit im Krankenhaus vermisst und es bereut, gegangen zu sein, entgegnet sie: „Ich träume immer noch vom Krankenhaus. Ich sehe meine Station noch so, wie alles war. Ich konnte jahrelang nicht mal am Krankenhaus vorbeigehen. Aber als ich es dann wieder sah – es ist so eine Veränderung. Ich habe gar nichts wiedererkannt.“ Dennoch bereut sie ihre Entscheidung nicht. „Wenn ich aus dem Urlaub wiederkam und sich die Bewohner hier gefreut haben, mich wiederzusehen, ging mir das Herz auf“, erzählt sie strahlend.

Für die Rente hat sie bereits Pläne: „Das Erste, was ich mache, ist, mich richtig auszuschlafen. Mir mehr Zeit für meinen Garten und meine Freunde zu nehmen. Und ein bisschen Kultur“, erzählt sie lachend mit einem Zwinkern. Und: „Im nächsten Leben werde ich auf jeden Fall wieder Krankenschwester.“

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