Vorsichtig optimistisch

Commerzbank schließt Filialen: Aber Salzwedel mit guten Zukunftschancen

Die Salzwedeler Commerzbank-Filiale
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Die Commerzbank dünnt ihr Filialnetz aus: Der Standort Lüchow ist bereits geschlossen. Für Salzwedel gibt es hingegen gute Gründe zum Weiterbestehen.
  • Jens Heymann
    vonJens Heymann
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Die Salzwedeler Commerzbank hat gute Chancen, den Filialkahlschlag zu überstehen. Das Geldhaus hat seit dem vergangenen Jahr außerdem viele Kunden aus dem Wendland übernommen.

Salzwedel – Sie sei „optimistisch für die Region“, was die Zukunft der Salzwedeler Commerzbank-Filiale an der Neuperverstraße angeht, erklärte Commerzbank-Pressesprecherin Sabine Schanzmann-Wey kürzlich auf Nachfrage der AZ. Denn es ist kein Geheimnis, dass die große deutsche Bank in den kommenden Jahren ihr Zweigstellennetz nahezu halbieren will. Noch könne nichts zu regionalen Auswirkungen gesagt werden; die Gespräche mit den Arbeitnehmern würden laufen, hieß es. Erst wenn diese beendet seien, wisse die Bank, wie es in den Regionen aussieht.

Was fest steht: Im November 2020 wurde der Standort Lüchow geschlossen. Deren Kunden gehören nun zu Salzwedel – was für die hiesige Filiale kein schlechtes Zeichen sein muss. Die Wendländer müssten sich noch an die Hansestadt gewöhnen, sagen Schanzmann-Wey und Salzwedels Marktbereichsleiterin Doris Zipperling.

Das Bankgeschäft in der westlichen Altmark wächst ansonsten. Vor allem im digitalen Bereich. „Viele Kunden haben gemerkt: Online ist doch schön. Da kann man vieles mit dem Konto machen“, verweist Zipperling auf eine Steigerung der Online-Nutzung per Commerzbank-App um 36 Prozent im Bereich Salzwedel. So mancher habe auch den Börsensturz im März 2020 genutzt, um erstmals in Wertpapiere zu investieren.

Die Filiale war im Zuge der Corona-Pandemie über mehrere Monate geschlossen. Es habe Kunden gegeben, die seien von ihren Bankgeschäften abgeschnitten gewesen, heißt es. So habe der Lockdown als Katalysator für die schon seit Jahren beworbene Digitalisierung gewirkt. Wenngleich die Papierflut noch nicht gebändigt sei, sagt Doris Zipperling.

Für die Salzwedeler Commerzbank-Filiale war das vergangene Jahr trotz aller Umstände kein schlechtes. Der Privatkundenstamm ist um 130 auf 8740 gewachsen, die betreuten Unternehmerkunden um 60 auf 2500. Das Geschäftsvolumen hat sich um rund fünf Prozent auf nunmehr 158 Millionen Euro erhöht. Die Kunden seien insgesamt gut durch die bisherige Corona-Krise gekommen. Im Kreditgeschäft habe es keine Ängste gegeben; kein Privater habe die angebotenen Kreditstundung in Anspruch genommen, so die Aussage.

Durch die veränderten Bedingungen in der Pandemie hat sich die Höhe der Einlagen deutlich erhöht (auf 63 Millionen Euro). Bei gleichzeitigen Niedrigzinsen hat sich die Commerzbank aber entschlossen, ein sogenanntes Guthabenentgelt (sprich Negativzinsen) in Höhe von 0,5 Prozent ab 100 000 Euro einzuführen. Für Neukunden gelte das bereits; mit Altkontoinhabern würden Gespräche laufen, erfuhr die AZ.

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