Ortschef zur Bauberatung: „Die Stadt, die uns vertreten soll, geht nicht hin“

Cheiner kämpfen um ihr Dorf

Straßenbau
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Der sechste Bauabschnitt der B 71-Sanierung in Cheine beginnt heute. Der Ortschaftsrat befürchtet, dass noch mehr Wege in Cheine durch Pkw- und Brummi-Fahrer zerfahren werden, die nicht die offizielle Umleitung benutzen wollen.
  • Holger Benecke
    VonHolger Benecke
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Ratsherr Herbert Amft war ziemlich sauer. „Wo sind denn unsere Einwohner?“, fragte er während der Seebenauer Ortschaftsratssitzung am Montag im Cheiner Feuerwehrhaus. Es ging um die B 71--Baustelle und die Sitzung samt Einwohnerfrage war bekannt. Tagsüber werde an der Baustelle der Aufstand geprobt, aber wenn das Thema auf der Tagesordnung stehe, sei keiner da. „Die Brietzer waren da wesentlich agiler“, stellte Amft fest.

Cheine - Bis auf Enrico Kitschke, der während der Einwohnerfragestunde seinem Unmut Luft machte. Er regte sich über die Fahrerei über die Gehwege auf und forderte, diese so zu sperren, dass kein Pkw mehr durchkommt. „Das wird noch schlimmer, wenn es ab Donnerstag in den sechsten Bauabschnitt geht“, prognostizierte Kitschke. Ihm gehe es dabei nicht nur um die zerfahrenen Gehwege, machte er deutlich. „Seit die Bushaltestelle an den Imbiss verlegt worden ist, sind dort auch die Kinder zum Schulbus unterwegs“, wies er auf die Gefahr für die Jüngsten hin.

Die Frage, wenn die Nebenschäden durch die Baustelle wieder beseitigt werden, treibt auch Ortsbürgermeister Frank Ludwig um. Er selbst habe 40-Tonner beobachtet, die auf den schmalen Nebenwegen und -straßen im Ort gedreht haben. Die Notwege seien für die Anwohner aber nicht für den Schwerlastverkehr, kommentierte der Ortsbürgermeister. „Die ballern hier durch wie die Bekloppten, mit einer Geschwindigkeit – das ist nicht mehr normal“, wetterte Frank Ludwig.

Dass nach der Baumaßnahme die Umleitungsstrecke wieder in Ordnung gebracht werde, daran zweifelt Herbert Amft nicht. Nur die führt von Salzwedel über Lüchow nach Uelzen und umgekehrt. Gefahren wird aber auf Schleichwegen durch Cheine und die Feldmark. Über Straßen und Wege, die für solch einen Verkehr gar nicht ausgelegt sind.

Amft erinnerte daran, dass der Bürgermeister das Benutzen der Geh- und Radwege für den Fahrzeugverkehr abgelehnt hatte. Die Realität sieht anders aus. Der Ratsherr verlangt, dass die Gemeinde, also die Stadt sich für die Interessen der Bürger einsetzt: „Bei der Stadt werden Leute dafür bezahlt, dass sie diesen Aktivitäten ein Ende setzen“, fordert Herbert Amft ein Ende der innerörtlichen und illegalen Umgehung. Und auch die landwirtschaftlichen Wege rund um die Dörfer seien inzwischen eine Katastrophe und müssten dringend saniert werden. „Wir müssen unsere jetzige Substanz erhalten“, will Amft. Und weiter: „Es muss etwas unternommen werden, jetzt. Sonst ist der Radweg in 14 Tagen im A... und bei Schawe steht kein Zaun mehr.“

Auch sprach Amft das Problem der klappernden Gullydeckel an. Diese müssten so verlegt werden, dass sie nicht zwangsläufig überfahren werden müssen. „Sonst haben wir das Klappern in einem Jahr wieder“, prognostizierte der Ratsherr.

„Ich werde zur Bauberatung nicht eingeladen, und die Stadt, die uns vertreten soll, geht nicht hin“, schilderte der Ortsbürgermeister die Lage. Er hatte auch wegen der klappernden Gullys nachgefragt. Es kämen noch zwei zusätzliche Gummiringe rein, wurde ihm geantwortet. Ludwig: „Ich befürchte, dass das hilft.“ Ratsherr Amft ließ nicht locker: „Ich möchte nicht, dass wir tatenlos zusehen.“

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