Richter und Schöffen geben ihm eine Chance

24-Jähriger aus Salzwedel vor Gericht: Cannabis statt Ritalin – eine Frage der Nebenwirkungen

Salzwedel – Wegen Handels und Anbau von Cannabis musste sich ein 24-jähiger Salzwedeler am Dienstag vor Gericht behaupten. Nur die Zuversicht des Schöffengerichts rettete den Angeklagten vor dem Gefängnis.

Zur Sache: Von April 2017 bis Februar 2018 ließ sich der Angeklagte 16 Straftaten zu Schulden kommen. In 15 davon verkaufte er Gras und Amphetamine. Am 21. Februar 2018 wurden bei einer Hausdurchsuchung in seiner Wohnung außerdem Cannabispflanzen gefunden. Für Richter Klaus Hüttermann war die Sache klar, er fasste beide Anklagen zusammen und beriet sich mit Staatsanwalt und Verteidiger. Das Ergebnis: Bei einem Geständnis, bekäme der Angeklagte Bewährung. Darauf ging der 24-Jährige ein. Er gestand. Erklärungsversuche: Durch eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) musste der Angeklagte Ritalin einnehmen. Er litt unter starken Nebenwirkungen, so sagte er. Also griff er bereits vor zehn Jahren statt zu Ritalin zu Cannabis. „Das möchte ich nun hinter mir lassen, damit bin ich fertig“, erklärte er dem Gericht. Neben der Aggressionsbewältigung will er sich einer Langzeittherapie in einer psychiatrischen Klinik unterziehen, um sich helfen zu lassen.

Wegen dieses Versprechens und der Tatsache, dass der Angeklagte bislang nur eine Vorstrafe hat, beantragte der Staatsanwalt eine zehnmonatige Freiheitsstrafe. Diese sollte auf Bewährung ausgesetzt werden. Der Verteidiger stimmte zu. Das Schöffengericht entschied: neun Monate Freiheitsentzug. Dieser wurde jedoch in drei Jahre Bewährung – unter Aufsicht einer Bewährungshelferin – umgewandelt. „Wir gehen davon aus, dass sie das schaffen. Bewährung ist immer ein Vorschussvertrauen unsererseits“, gab der Richter dem jungen Mann mit auf den Weg. lz

Rubriklistenbild: © picture alliance / ABIR SULTAN/d

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare