Keine Ausschreibung: Buchhorst-Käufer ist der Favorit

Das Bürgerholz gibts jetzt zum halben Preis

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Die Stadt bietet das Bürgerholz zum halben Preis an.

Salzwedel. „Es gibt keine erneute Ausschreibung für das Salzwedeler Bürgerholz. “ So die Antwort gestern aus dem Rathaus. Braucht es auch nicht, denn der Finanzausschuss hat am vergangenen Dienstag das Schicksal des Waldstückes bereits vorentschieden.

Morgen muss nur noch der Hauptausschuss und eine Woche später der Stadtrat zustimmen, dann geht das Eigentum der Bürger für den halben Preis über den Tisch.

In der ersten Ausschreibungsrunde hatte sich kein Interessent für das Areal gefunden. Danach ging dann die benachbarte Buchhorst (1074 Hektar) für knapp vier Millionen Euro weg. Eine Immobiliengesellschaft aus Nordrhein-Westfalen hatte das Höchstgebot abgegeben. Nun soll diesem Interessenten auch das Bürgerholz verkauft werden. Zum halben Preis. Denn statt der veranschlagten 95 Cent pro Quadratmeter der insgesamt 399 Hektar, seien nur 50 Cent drin, hat Bürgermeisterin Sabine Blümel die Stadträte wissen lassen.

Aus dem Waldverkauf sollte ursprünglich ein Maximalprofit herausgeschlagen werden, um das Bürgercenter und die Vita nicht zu verkaufen, die Steuern nicht zu erhöhen, die Bäder und Sportstätten zu erhalten. Pikant: Das Modernisieren des Seelenbinder-Stadions wurde unlängst vom Stadtrat aus dem Haushalt gestrichen. Ausgerechnet jetzt, wo es ein Programm gibt, dass die einst ehrgeizigen Sanierungsziele für lau macht.

Acht-Punkte-Plan gerät ins Wanken

Auch sonst scheint es mit dem Acht-Punkte-Plan der Stadtchefin nicht ganz so zu klappen. „Es wird von Seiten der Verwaltung einen Vorschlag im nächsten Stadtrat abgegeben, nachdem auf die Umsetzung der Maßnahme Bürgercenter aus dem Liquiditätskonzept verzichtet werden soll“, heißt es aus dem Rathaus. Zur Erinnerung: Die Stadttochter Wohnungsbaugesellschaft sollte laut Blümel-Plan das Bürgercenter für 3,5 Millionen Euro von der Stadtmutter kaufen. Die wollte sich dann dort für die nächsten 25 Jahre einmieten, sodass die Tochter rund 4,6 Millionen Euro zurückbekommen würde. Ein Minusgeschäft. Das zudem mit spitzer Feder gerechnet worden war, ohne bei der Tochter nachzufragen, ob sie denn mit der angebotenen Miete auskommen würde. Konnte sie nicht, wie einige Stadträte vorrechneten.

Und dann ist da noch der Verkauf des Seniorenzentrums Vita, den der Stadtrat will. Das sei „nach wie vor Teil des Liquiditätskonzeptes“, hieß es gestern aus der Bürgermeisterei. Und weiter: „Angebote oder Ausschreibungen hat es noch nicht gegeben.“ Passieren muss es aber, denn das Land hat der Stadt 890 000 Euro Liquiditätshilfe gewährt. Unter der Bedingung, dass der Acht-Punkte-Plan komplett umgesetzt wird.

Und so gibt es Überlegungen, wie die AZ erfuhr, die Vita dem Krankenhausträger bzw. -betreiber zuzuschlagen. Kein ungeschickter Schachzug, denn dadurch könnte das Zurückzahlen der Fördermittel an (rund 5,1 Millionen Euro) entfallen, was im Falle eines Vita-Verkaufs zur Debatte stehen würde. Denn dafür wird der erhoffte Verkaufserlös (etwa 2,6 Millionen Euro) nicht ausreichen.

Von Holger Benecke

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