„Wir lieben den Wald“

Bürgerholz und Buchhorst : Neue Eigentümer sprechen über ihre Pläne

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Der ehemalige Salzwedeler Stadtwald wird seit zwei Jahren von einer Familie aus Nordrhein-Westfalen bewirtschaftet.

Hoyersburg – Die Stadt hat vor zwei Jahren ihren Wald verkauft, um wieder liquide zu werden. Statt der erhofften 10,8 Millionen Euro flossen am Ende weitaus weniger in die Stadtkasse.

Den Zuschlag bekam der Höchstbietende, die Familie Wegener aus Ahaus in Nordrhein-Westfalen, die seitdem Bürgerholz (399 Hektar) und Buchhorst (1032 Hektar) bewirtschaftet.

Vater und Sohn sind nicht nur leidenschaftliche Jäger. „Wir lieben den Wald“, sagt Senior Hermann Wegener. „Wir besitzen bereits in Brandenburg Wald und haben noch etwas für die Familie gesucht“, ergänzt sein Sohn Frank. Und so sind die Wegeners auf das Salzwedeler Angebot aufmerksam geworden. Nach dem Kauf hat die Familie den diplomierten Forstingenieur Robert Ettrich aus Luckenwalde und Karl Mente aus Lübbow mit der Bewirtschaftung und Verwaltung beauftragt.

„Damit ist alles in sachkundiger Hand“, sagen Hermann und Frank Wegener. Denn sie wollen den Wald erhalten. Und haben dort erst einmal die Infrastruktur auf Vordermann bringen lassen. „Bis zur Wende schien das Areal gepflegt worden zu sein, danach wurde offenbar nichts mehr gemacht“, schätzt Robert Ettrich ein. So hat sich in den vergangenen zwei Jahren im Wegebau einiges getan, in Lichtraumprofil wurde geschaffen, die Bankette gemulcht und Blühstreifen für die Insekten an den Wegen angelegt, listet der Forstingenieur auf.

Wegebau und Schranken

Apropos Wege: Die Wegeners haben zwei alte Schranken vor den Wegen erhalten, andere ausgetauscht und neue aufgebaut. „Wir wollen die Erholungssuchenden nicht davon abhalten, sich an der Natur in Bürgerholz und Buchholz zu erfreuen“, so die Eigentümer. Der Grund für die Schranken, die zu Fuß ohne Weiteres zu umgehen sind, ist simpel – und wie die Waldeigentümer auch auf ihren Wildkameras sehen konnten: Immer wieder fuhren Umweltsünder mit ihren Pkw in den Wald und verklappten dort illegal ihren Müll. Hinzu kamen Motorrad- und Quadfahrer, die durch den Wald brausten, und Hundebesitzer, die mit ihrem Pkw tief in den Forst gefahren sind und ihre Vierbeiner dann dort frei laufen ließen. Außerdem waren Vandalen, die zu den Hochsitzen fuhren und diese umkippten bzw. die Tarnnetze zerschnitten, im Revier. „Übrigens“, sagt Robert Ettrich, „die Schranken wurden mit Genehmigung des Ordnungsamtes aufgestellt.“

Jagdliche Aktivitäten reduziert

Auch die Jagd im ehemaligen Stadtwald wurde auf neue Füße gestellt. Gab es früher zehn Begehungsscheininhaber, die fast das ganze Jahr im Wald schossen, sieht es bei den Wegeners anders aus, erklären Vater und Sohn. Im Jahr sind dann nur an drei bis vier Wochenenden kleine Gruppen Jäger im Wald, und es gibt eine große Treibjagd. „Wir wollen kein konstantes Stören der Tiere mehr, sondern die Natur zwischen den Jagden in Ruhe lassen“, erklärt Hermann Wegener. Auch die Anzahl der Hochsitze wurde auf die Hälfte reduziert. „Unsere Interessen liegen nicht so weit weg von denen der Naturschützer“, so die Wegeners.

Holzeinschlag ist nicht geplant

Thema Holzeinschlag: „Wir setzen auf extensive Bewirtschaftung“, umreißen Karl Mente und Robert Ettrich. So habe es seit Übernahme des ehemaligen Stadtwaldes in den vergangenen zwei Jahren nur zwei zwingend notwendige Holzeinschläge gegeben. Einen im Oktober 2017 – Sturmholzaufbereitung in einem Eichenschlag – und den Einschlag zur Verkehrssicherung, bei dem Bäume, die über den Wegen hingen, gefällt wurden. „Reguläre Einschläge hat es in den Beständen noch gar nicht gegeben“, macht Ettrich deutlich. „Sind aufgrund der Holzmarktsituation auch nicht geplant“, so der Forstingenieur. Lediglich Brennholzwerber aus den umliegenden Orten seien in den Waldgebieten aktiv, holen abgestorbene Eschen, hauptsächlich Sturmholz, aus dem Revier.

Zukünftige Ausrichtung

„Wir sind stark im Gespräch mit dem Umweltamt um die Ausrichtung von Bürgerholz und Buchhorst“, lässt Robert Ettrich durchblicken. Dabei geht es um die Ausrichtung des Waldes für die Zukunft. „Da sind wir noch in der Findungsphase und wollen nicht vorpreschen“, macht der Forstmann deutlich. Die Eigentümer pflichten ihm bei: „Wir wollen den Wald erhalten und bewirtschaften. Für die Zukunft ist entscheidend, ob wir das mit dem Holzverkauf oder als Naturschutzprojekt tun.“ Zur Erinnerung: Die Stadt hatte jedes Jahr 200 000 Euro in den Stadtwald gesteckt – das kann sich kein Privatmann leisten.

VON HOLGER BENECKE

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