Kommentar zur Eichenprozessionsspinner-Problematik in der Altmark

Ein brennendes Problem ignoriert

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Eichenprozessionsspinner

Erinnern Sie sich noch an den toten Wolf in Magdeburg-Herrenkrug? Das ist jetzt mehr als ein Jahr her.

Damals lag ein solches Tier am Rande der Landeshauptstadt, war überfahren worden – und die Politik im nur wenige Kilometer entfernten Landtag schreckte auf: Ein Wolf, der am Rande einer Großstadt umherläuft – da müssen wir etwas tun.

Dass Wölfe schon seit Jahren in Sachsen-Anhalt heimisch geworden sind, hatte man offenbar vergessen. Und zuvor gerne auch verdrängt. Betraf ja auch nur die ländliche Region. Und die Leute vor Ort sollen sich mal nicht so haben. So klang das lange Zeit.

Und nun ein anderer Fall: Der Bürgermeister von Seehausen hat sich vor Wochen selbst angezeigt. Weil er angesichts der Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners nicht mehr weiter wusste. Jahrelang hatten er und viele andere Bürgermeister aus der Altmark Hilfe angemahnt. Die immens teure Bekämpfung des Schädlings könne man unmöglich alleine stemmen, es müsse Hilfe her. Die Reaktionen aus Magdeburg und Berlin, also von Land und Bund: Schulterzucken, in nette Worte verpackt. Bei den Verantwortlichen vor Ort kam das folgendermaßen an: Kann schon nicht so schlimm sein. Nun übertreibt mal nicht. Und überhaupt: Ist nicht unser Problem.

Bis sich Seehausens Bürgermeister Rüdiger Kloth selbst anzeigte. Und dies öffentlich machte. Wenige Tage später stellte das Land, das jahrelang alle Mahnungen in den Wind geschlagen hatte, zwei Millionen Euro in Aussicht. Plötzlich war es dann doch ihr Problem.

Eine andere Geschichte ist die eines grünen Landespolitikers, der vor mehreren Jahren, als Militärgegner im Rahmen des „Antimilitaristischen Camps“ auf dem Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide mehrere Fahrzeuge beschädigten, beschwichtigend schrieb: Nun habt Euch mal nicht so. Das bisschen Zerstörung. Muss man eben hinnehmen. Im Jahr darauf wurde das Auto seines eigenen Vaters demoliert. Da waren die Randalierer plötzlich das, was sie auch das Jahr zuvor schon waren: Straftäter. Man kann eben bequem klug daherreden und beschwichtigen, so lange man nicht selbst betroffen ist.

Vorschlag für das nächste Jahr: Kommt der Eichenprozessionsspinner wieder, dann einfach Bundes- und Landespolitiker in die Region einladen, zu einer Fahrradtour „unter den Eichen“. Möglichst kurzärmlig. Danach ist das Problem dann auch bei ihnen brennend.

Von Stefan Schmidt

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